»Nicht doch,« sagte freundlich Christoph Attermann und ließ den geifernden Burschen über sein vorgehaltenes Bein stolpern, daß er der Länge nach in den Schmutz schlug. »Ihr müßt ihn nach Hause bringen,« wandte er sich mit wohlwollendem Blick an die zudrängenden Burschen, »ihr seht doch, daß er sich nicht auf den Beinen halten kann.«
Ein paar stämmige Arbeiter eilten herbei, zornrot im Gesicht.
»Was? Die Bengels reden von Handgranaten? Zu einem, der sich für sie die Knochen hat kaputtschießen lassen? Haut den verdammten Großmäulern die Jacke voll!«
»Guten Tag, Kameraden,« grüßte Martin Opterberg. »Kommt in die Versammlung. Wir haben Wichtigeres zu tun.«
»Der Doktor Opterberg ist hier!« schrien ein paar Stimmen in die Halle hinein. »Er soll die Leitung übernehmen!« Und ein paar Hundert fielen ein, erlöst, fröhlich aufatmend: »Der Doktor Opterberg! Her damit! Macht Platz! Der Doktor Opterberg soll reden!«
Martin Opterberg stand auf einem erhöhten Tritt und wartete, bis Stille wurde.
»Mitbürger,« sagte er mit einer Stimme, die ruhig klang und Beruhigung brachte, »Männer und Frauen unserer Landgemeinde, ich meine, hier wäre nicht viel zu reden. Geredet worden ist bis zum Überdruß, und weil euch Männer und Frauen der Arbeit das ewige Geschwätz und die unverdauten Brocken anwidern, weil ihr eure Ruh’ haben wollt und Brot und eine bessere Zeit, darum seid ihr ja und wir alle zu dieser Neuwahl eines Arbeiter-, Bürger- und Soldatenrates zusammengekommen. Der Name zwar ist, trotz seiner ausführlichen Länge, mißverständlich. Denn wir sind alle Bürger vor dem Gesetz! Aber es mag dabei sein Bewenden haben. Bei Kleinigkeiten wollen wir uns nicht aufhalten. Und zu den Kleinigkeiten rechne ich auch die jungen Spaßvögel, die, solang der Vorrat reichte, mit der Schnapsflasche hierorts regieren wollten. Weg damit!«
»Weg damit! Weg damit!« scholl es brausend durch den Saal.
»Dieser Gegenstand wäre also erledigt,« fuhr Martin Opterberg fort. »Wir haben den Krieg verloren, und wir wollen den Frieden gewinnen. Unsere kleine Landgemeinde hier ist mehr oder weniger auf die Werft zugeschnitten, und wie wir in den guten Deutschlandtagen zusammengehalten haben, so werden wir es erst recht in den bösen Tagen tun, oder wir wären Maulhelden, die ausreißen, wenn’s nach Schweiß riecht. Kein Wort weiter. Schreiten wir zur Wahl! Ich beantrage die sofortige Einsetzung des ordnungsmäßigen Wahlausschusses.«
Er trat ab, und hundert rauhe Kehlen riefen ihm Beifall.