Der Ernst der Stimmung war umgeschlagen. Auf einstimmigen Beschluß wurde der Bekenner dem Wahlvorstand angegliedert, und als Männer und Frauen ihre Wahlzettel beschrieben und in die Urne gesteckt hatten, als die Stimmen durchgezählt und die Ergebnisse veröffentlicht waren, gehörte neben Martin Opterberg und Christoph Attermann, neben einigen der älteren Arbeiter und Kriegsteilnehmer auch der nachtwachende Bekenner dem neuen Arbeiter-, Bürger- und Soldatenrate an.
Die Gewählten traten auf Anregung Martin Opterbergs sofort zu einer Besprechung zusammen.
Der Bekenner schlug diensteifrig den Doktor Opterberg zum Vorsitzenden vor, und die Männer stimmten ohne weiteres zu.
»Gut,« sagte Martin Opterberg, »Fragen der Parteizugehörigkeit sind ausgeschaltet, nur die Lebensfragen der Gemeinde stehen auf dem Plan. Hand darauf! Ich danke Ihnen und hatt’s von Männern nicht anders erwartet. Also ohne Nebensächlichkeiten: wo drückt der Schuh am meisten? Ich bin eben erst nach Haus gekommen.«
Ein alter Arbeiter nahm das Wort.
»Das ist ganz einfach, Herr Doktor Opterberg. Die Leute frieren, und die Leute haben nicht genug zu essen.«
»Und wenn der Magen knurrt, knurrt auch der Mund. Und wen’s an den Füßen friert, dem steigt die Hitze zu Kopf,« gestand Martin Opterberg zu. »Christoph, der Frachtdampfer liegt ja wohl fahrfertig? Mit vollen Bunkern? Na, dann können wir, da uns die Schiffahrt einstweilen vom Feind untersagt ist, löschen und Ballast dafür einnehmen. Die Kohlen werden auf den Kopf der Familien abgewogen und zum billigen Selbstkostenpreis verteilt. Wegen größerer Lebensmittelzuteilungen fahre ich morgen zum Landrat oder, wenn der Mann nicht helfen kann, zu einer anderen Stelle. Ich hab’ schon einen Plan, möcht’ aber nichts voreilig versprechen.«
»Sie packen den Ochsen bei den Hörnern, Herr Doktor Opterberg. Das mit der billigen Kohlenverteilung wird den neuen Rat gleich in ein gut Licht stellen, und wegen der Lebensmittel verlassen wir uns ohne viel Fragen ganz auf Sie. Gesegnete Mahlzeit denn.«
»Das habt ihr allein mir zu verdanken,« tönte die Stimme des Bekenners aus dem Knäuel der Hinausdrängenden. »Ich hab’ ihn zum Vorsitzenden vorgeschlagen. Keiner von euch wär’ dadrauf gekommen.«
Als Martin Opterberg im Attermannschen Haus die Treppe hinauf und über den oberen Flur zu seinem Zimmer schritt, kam ihm vor seiner Tür Linde Baumgart entgegen.