»Ich wollt’ dir nur sagen, Martin, daß ich heut in der Früh’ töricht dahergeredet hab’. Du brauchst kein Quellwasser holen zu gehn. Ich hab’s in dir rauschen gehört, als du zu den Leuten sprachst.«
»Mädel, Sprechen ist noch nicht Handeln. Aber das soll jetzt einsetzen. Willst du meine Gehilfin werden? Gegen das Frieren lass’ ich die Bunker unseres Frachtdampfers leeren, und gegen das Hungern weiß ich auch ein Mittel, denn der Landrat hat selber nichts zu verschenken. Als ich mit meinen Pionieren über den Rhein setzte, glitt gerad der letzte Zug des Korpsverpflegungsamtes über die Brücke. Das muß jetzt irgendwo in der Nähe stecken, denn die Bahnstrecken waren schon verstopft. Morgen such’ ich es auf und leg’ mich auf’s Bitten. Aber reinen Mund, Lindelein.«
»Soll ich mit dir?« fragte sie mit glühendem Kopf.
»Für Mädchen ist das keine Fahrt. Unter das verwilderte Kriegsvolk.«
»Ich schlupf’ wieder in die Hosen wie auf der Werft. Keiner erkennt mich, und ich soll dir doch helfen.«
Er strich über ihre heiße Wange.
»Mädchen,« sagte er, »und wenn dich auch keiner erkennt, ich will nicht einmal, daß Blicke an dir herumtasten.«
Da griff sie nach seiner streichelnden Hand und hielt sie fest und legte ein paar Sekunden lang ihre Wange darauf. Dann ging sie schnell zur Treppe und ins Haus hinab …
Martin Opterbergs Suchen glückte. Er fand das Korpsverpflegungsamt in einem kleinen, abgelegenen Neste. Die Wagen waren auf ein Nebengeleise geschoben, bis die Strecke wieder frei werden würde, ein Viehstapel war auf eine Weide getrieben, ein paar Wagen zur Verpflegung der Begleitmannschaften entladen. Er kam zur rechten Zeit, denn gerade war der Befehl eingelaufen, am nächsten Morgen die Weiterfahrt anzutreten. Unwillig nur gingen die Leute an das mühsame Geschäft des Neuverladens.
Martin Opterberg suchte den Intendanten auf und wies sich in seiner militärischen und bürgerlichen Stellung aus. Er berichtete von der Not seiner Gemeinde, die durch die Verpflegung der rückwärts flutenden Truppen in ihrem Lebensmittelbestand schwer gelitten hätte, und machte sich anheischig, die ausgeladenen Güter und die sechs Stück Weidevieh im Bausch zu übernehmen und gegen Bankscheck zu verrechnen.