Wie kommt mein alter Flügelmann

In solche Kompanie?!«

»Jawoll! In Darmstadt! Dort sitzt er! Unter den braven Schöppleinschlürfern, die um acht Uhr in die Federn kriechen! Naus da! ’naus aus dem Haus da! O Horn und Sporn und Zorn! O Rodenstein! O Maienwein! Noch bin ich nicht verlor’n! Christoph, daß du’s weißt, zum Oktober treten wir ein bei den Pionieren in Mainz, und gefällt’s dir in Darmstadt besser, so geh’ ich allein!«

»Einstweilen geht’s nach Jugenheim und von dort zur Bahn. Der Tag ist zu End’.«

Das war für lange Zeit das letzte Mal, daß sie miteinander wanderten. —

Ein Jahr lang dienten Martin Opterberg und Christoph Attermann bei den Mainzer Pionieren und fuhren den goldenen Rheingau stromauf und stromab. Heiß war der Dienst, heißer der Wein und am heißesten die braunen Mädchenaugen. Aber der Dienst ward geschafft, der Wein vertragen, und nach den Mädchenaugen fragte Christoph Attermann den Freund nicht mehr. Als sie übers Jahr, in der letzten Septemberwoche, das lustige Mainz verließen, hatten sie beide die Offiziersprüfung mit Auszeichnung bestanden. Herr Arnold Opterberg aber war zum Empfang nach Rüdesheim gekommen.

Herr Arnold Opterberg war grau geworden, aber unter dem künstlerisch wuschligen Grauhaar leuchtete weinfroh sein schmales Gesicht.

»Zwei Fliegen schlag’ ich hier mit einer Klappe,« rief er den stolzen Buben entgegen, die er vom Schiff holte und auf dem Laufsteg stürmisch umarmte. »Was sag’ ich? Zwei? Ein halbes Dutzend fast! Der Professor Barthelmeß ist hier mit Frau und Tochter, und die Weine haben wir geprobt zu Kloster Eberbach, Kiedrich und Eltville, zu Oestrich und Winkel und Geisenheim seit drei Tagen und Nächten! Herr Jesus, welche Tropfen! Der Barthelmeß hat’s gut. Der kommt, wo er arbeitet, von den Kirchen in die Keller. Das ist der alte Mönchsweg. Kinder, und heute wollen wir einen Rüdesheimer Abend feiern.«

»Wie geht’s der Mutter?«

»Königlich wie immer, Kinder. Aber nun kommt zu den Barthelmeß! Hinein in die Weinlaube!«