Klaus Kreuzer hielt den Atem an und staunte auf das Bild.

»Ach, Klaus, es braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Nur den Mut braucht es.«

»Aber leben muß man doch können, wenigstens leben!«

»Einmal war er Privatsekretär, ein andermal ordnete er Bibliotheken, zuletzt war er Fechtmeister in Heidelberg. Und wenn er nach Hause kam und sich ein wenig schämte, daß der Verdienst gar so mager ausgefallen war, machte ich ihm meine strahlendsten Augen – weißt du: so! – als ob ich ihn zum ersten Male sähe, und sagte nur immer: ›Kerl, was für ein Kerl bist du! Ach, du holst mir ja doch noch einmal den Mond und die Sterne vom Himmel!‹ Und dann – ja, was tut ein Mann dann wohl? Er gibt sich eine Haltung vor seiner Frau und sucht schleunigst das Beste hervor, was er hat, seine allerdankbarste Liebe, damit die Frau nicht merken soll, was für ein armer Teufel er im Grunde ist. Und siehst du, Klaus, um dieser Haltung willen, die für eine Frau etwas Rührendes hat, liebte ich ihn.«

»Und ist in diesem Wunderglauben gestorben …«

Sie nickte und ließ immer noch das Gold der Ginsterblüten durch ihre Finger rieseln.

»Fünf Jahre sind es. Und wie er mir sagte, starb er mitten aus dem Glück heraus, obwohl kaum ein Stück Brot im Schranke war. Marianne sagt: ein Dornenweg, kein Rosenpflücken. Marianne irrt sich. Wenn man genauer hinblickt, sieht man auch am Dorn die Heckenrosen blühen.«

Er antwortete nichts, und plötzlich fühlte sie das Schweigen. Und sie hob den Kopf und sah, daß er auf ihre Hände starrte, die mit den goldenen Frühlingsblüten dicht gefüllt waren, und daß seine Gedanken erst weitere und immer engere Kreise zogen. Und mit rascher Bewegung hob sie die Arme und schüttelte die Hände voll Blütengoldes über ihn aus.

»Klaus, Klaus! Ich verzaubere dich! Nun stehst du mitten im Frühling, und im allergoldensten, du Sonntagskind!«

»Sonntagskind,« ahmte er ihr nach.