»Wollt ihr euch einem salomonischen Urteil unterwerfen, ihr fröhlichen Frühlingskinder?«

»Ja, ja, Herr Professor!« Und sie knieten ihm zu beiden Seiten und machten ihre lieblichsten Augen.

»Das Schönste an der Frau,« sagte Klaus Kreuzer, »ist das Unsichtbare, die Seele. Und die Gelehrten streiten sich, wo der Sitz der Seele sei. Ich streite mich nicht, denn ich weiß, sie liegt auf den Lippen. Dort in euren rosigen Mundwinkeln kauert sie und wartet darauf, Gutes zu tun. Wer die wohltätigste Seele hat, ist die allerschönste auf der Welt! Vorwärts, ihr Mädchen, jetzt will ich entscheiden!«

Da flatterten sie auf wie erschreckte Singvögel, und die weißen Röcke stoben um sie her wie der Flaum des Nestrandes, und sie jagten mit purpurnen Gesichtern ins junge Volk hinein, das die Arme nach ihnen ausbreitete und durcheinander schrie: »Seelenkunde! Seelenkunde! Fort mit allen Fakultäten! Wir wollen nur noch Seelenkunde treiben!«

»Nun hast du ihnen den Himmel aufgestoßen, Klaus! Ist das nicht die fröhlichste Wissenschaft?«

»Traud, sie kommt von dir. Aufgeschlossen hast du!«

»Ich bin nur der Torhüter.«

»Und wenn der Torhüter Feierabend macht?«

»Gott, Klaus, ein Torhüter ist doch auch nur ein Mensch und muß Stunden haben, in denen er sich mal gründlich um das Wohl der lieben Seinen bekümmert.«