»Der Walter ist gesund wie ein Fisch im Wasser und vergnügt wie ein Vogel in der Luft. Das Beste, was man für ein junges Gemüt nur wünschen kann.«
»Traud,« sagte er nach einer Pause, »Traud, du versprachst mir, auf den Jungen zu achten, so – als ob du seine Mutter wärst. Meinetwegen und seinetwegen. Sonst – sonst wäre das, was uns zusammenführte, unser Frühlingsglaube, doch nur ein – ein mit hübschen Unwahrheiten aufgeputzter Egoismus. Sag selber, Traud.«
Die mädchenhafte Röte war längst aus ihrem Gesicht geschwunden. Sie sah ihn an und fand sich nicht zurecht in ihm und in seinen Worten.
Aber sie sah, daß er litt, und das genügte ihr, um über ihre Enttäuschung hinwegzukommen.
»Klaus,« und es war der alte, lustige Ton, mit dem sie zu ihm sprach, »Klaus, meinst du, weil sich der Walter geschlagen hat? Ja, du hast recht, es war eine törichte Geschichte, aber gerade deshalb war sie so lieb. Bedenke doch selbst, ein Füchslein, das sich für seine Tanzdame schlägt. Ein Erlanger Student war ihr unhöflich begegnet. Der Walter gab ihm Lebensregeln, der Junge, und die Couleur stellte ihn auf seine Bitten vorzeitig heraus, weil er sich in der Fechtstunde als firmer Schläger erwiesen hatte. Da stach der Walter zur höheren Ehre seiner Dame den Erlanger auf ein paar fürchterliche Gesichtsquarten ab.«
»Würdest du,« sagte Klaus Kreuzer, »würdest du, ohne mir böse zu sein, wohl etwas weniger studentisch sprechen?«
Sie hob den Kopf. Ihr frohes Lachen war zerflattert. Ihre Augen blickten mit einem Male ernst und fest.
»Nein,« erwiderte sie ruhig. »Nein, das werde ich nicht, bevor du nicht offen erklärt hast, was dich hergeführt hat.«
»Es ist ein Brief eingetroffen, von der Frau des Dekans. Marianne erhielt ihn, und mich hattest du nicht vorbereitet. In dem Briefe stand, daß Walter im Kolleg nicht zu sehen sei. Ist das wahr?«