Da traten die Götter zum Rate zusammen, und sie schwuren Loki, dem Verführer, furchtbare Rache auf ewige Zeit, wenn er den Vertrag, den er ihnen aufgeschwätzt, in letzter Stunde nicht hinfällig mache. Denn sie waren sich bewußt, daß ohne Freyas Wärme und ohne der Sonne und des Mondes Licht Himmel und Erde vereisen und verkümmern müsse. Sie packten Loki und schüttelten ihn im Zorn, daß ihm Feuer aus den Augen sprang und er in Todesängsten alles versprach, die Götter zu befreien.
Wohl hatte er gesehen, daß der fremde Baumeister seine Arbeit nur mit Hilfe seines Hengstes Swadilfari schaffen könne. Den Hengst mußte er ablenken. Und er nahm die Gestalt einer schönen Stute an und lief dem arbeitenden Hengst in den Weg. Der Hengst blieb stehen, schnob durch die Nüstern und stieß ein liebestrunkenes Wiehern aus. Alsbald tänzelte ihm die Stute vor der Nase herum, tat verliebt und vertraulich und stob von dannen, wenn der Hengst sie zu fassen glaubte. Dem Hengst stieg das Blut in die Augen. Das Liebesspiel brachte ihn um die Vernunft. Und als die Stute ihm wieder schmeichlerisch nahe kam, ließ er Arbeit Arbeit sein, warf das Geschirr ab und jagte hinter der gefallsüchtigen Schönen drein. Da flogen die Funken von ihren Hufen, und ganz Asgard erdröhnte von dem wilden Galopp. Drei Tage und drei Nächte ging die wilde Jagd, bis sich die Stute dem Hengst ergab, und der Baumeister stand in der Stunde, in der er die Burg übergeben sollte, vor dem unvollendeten Werk.
Zornbebend rief er die Götter herbei, schrie ihnen Lokis Verrat ins Gesicht und forderte sie auf, ihre Eidschwüre zu halten, wie es die Wahrhaftigkeit geböte.
Die Götter aber blieben kalt bei seinem Toben. Sie wiesen auf das unvollendete Werk und schickten Freya und die Jungfrauen Sonne und Mond in ihre Gemächer.
»Meineidige seid ihr!« brüllte der gewaltige Fremdling, griff seine Werkzeuge auf und holte aus, um die Burg und mit ihr die Götter zu zerschlagen.
In Todesnot riefen die Götter Thors, des Donnerers Namen. Und in selber Sekunde stand der Donnerer mitten unter ihnen, denn er fuhr mit dem Blitze. In der Hand wuchtete dem rotbärtigen Gotte der Hammer Mjolnir. Beim ersten Blick erkannte sein Auge, daß der ungetüme Baumeister ein Abgesandter des eisigen und dunklen Riesenreiches sei, das sich Freyas Wärme und das Licht von Sonne und Mond dienstbar machen wollte, und ohne auch nur ein Wort zu reden, lief er den Riesen an und schmetterte ihm den Hammer in den Schädel, daß der fürchterliche Unhold wie ein gefällter Baum tot zusammenbrach.
Der Donnerer wischte den Hammer ab und steckte ihn in den Gürtel. Er strich seinen gesträubten roten Bart zurück und sah sich schweigend im Kreise um.
Dann erst sprach er.
»Nicht Rat und Rat und wieder Rat erhält am Leben. Nicht bei Göttern und nicht bei Menschen. Am Leben erhält nur die Tat!«