»Es ist besser, ich habe dich bei mir, als daß du in Asgard Schabernack treibst.« Und Loki, dem das Schicksal seiner Brut vor ängstlichen Augen stand, sagte ihm gute Reisekameradschaft zu.

Gen Utgard ging die Fahrt, und am Abend des ersten Tages hatten sie den Rand der bewohnten Erde am Meeresstrande erreicht und luden sich bei einem Bauern zur Nacht ein. Schwer hatten die Felder des Bauern mit den unwirtlichen Mächten aus dem jenseitigen Utgard zu kämpfen, und um die Armut des Mannes zu schonen, schlachtete Thor seine Böcke zur Abendmahlzeit, gebot aber jedem in der Familie, die Knochen fein säuberlich zu behandeln und unversehrt auf die Bockfelle zu legen. So sättigten sich alle und dankten dem gütigen Spender. Loki aber trieb es schon wieder, dem starken Gott Verlegenheiten zu schaffen, und er beschwatzte den Sohn des Bauern, ein Schenkelknöchlein zu öffnen und das leckere Mark herauszusaugen.

In der Morgenfrühe stand der Donnerer zur Weiterfahrt bereit. Er beschrieb mit dem Hammer sein Zeichen über Felle und Knochen, und augenblicks standen die Böcke fahrtbereit im Geschirr. Der eine Bock aber lahmte ein wenig und hinderte die schnelle Fahrt.

Thor griff nach seinem Hammer. Seine Augen blitzten vor Zorn und sein Rotbart sträubte sich. Da erkannten ihn die Bauersleute als den Gewaltigen, der ihre Äcker und ihr Leben schützte, und sie umfaßten seine Knie und blickten ihn aus treuen Augen an.

»Asathor, es ist nicht unsere Schuld. Der, den du bei dir führst, erlaubte unserem Sohne Thjalfi, den Knochen zu öffnen und das Mark zu saugen. Nimm unseren Sohn Thjalfi zur Sühne als deinen Diener mit dir. Keinen schnelleren im Lauf findest du unter den Menschen.«

Der Donnerer nahm die Sühne an und reichte die Hand freundlich zum Abschied. Und zu Loki gewandt, meinte er lächelnd: »Ich sehe, daß du lieber läufst, als fährst. Es wird ein beschwerlicher Marsch werden, der Schweiß kostet und Blasen unter den Füßen, aber du hast es gewollt. Auf, Thjalfi!«

Und er ließ das Bockgespann bei dem Bauern, daß er es bis zu seiner Rückkehr gut verpflege und den Schaden heile.

Durch das Meer schwamm Thor mit Loki und Thjalfi, und er wanderte mit ihnen durch die Wälderwildnis von Utgard, daß Loki oft erseufzte. Und sie fanden nichts Lebendiges und keine Herberge. Erst in dunkler Nacht stießen sie auf eine Behausung. Aber statt durch eine Tür mußten sie durch eine Art großen Schuppens kriechen und zählten vier langgestreckte Hallen mit einer fünften gekrümmten als Nebengelaß. Todmüde sanken sie in Schlaf. Plötzlich fuhren sie wieder empor. Das Haus schwankte unter einem greulichen Sturmgezeter wie ein Schiff, das kieloben zu gehen droht, und sie retteten sich eilends ins Freie und wachten den Morgen heran.

Am Morgen machte sich Thor auf Kundschaft. Er ging dem Sturmgezeter nach und stieß bald auf einen Riesen, der den Wald mit seinem Schnarchen füllte wie die Sturmtrompeten die Luft, und Thor nahm seinen Hammer. Im selben Augenblicke sprang der Riese auf und war so bergehoch, daß Thor kaum zu seinem Haupte hinaufzusehen vermochte und den Hammerwurf unterließ. »Ich suche meinen Handschuh,« knurrte der Riese, spähte umher und hob die Behausung auf mit den vier langgestreckten Sälen und dem fünften als Nebengelaß. Thor machte runde Augen. Im Handschuh des Riesen hatte er mit seinen Gesellen genächtigt.