»Ich fürchte mich vor nichts,« grollte er, »aber ihr könntet mich bös verzaubern, während ich beschäftigt bin, die Fesseln zu sprengen. Lege mir also einer von euch die rechte Hand in den Rachen, damit das Wagestück ordnungsmäßig vonstatten geht. Ich beiße sie ab, wenn ihr Zaubereien treibt.«
Verblüfft sahen sich die Götter an. Die Schwerthand wünschte nicht einer zu opfern. Da trat heißen Angesichtes der tapfere Ziu vor, den die Nordmänner Tyr nannten und dem die jungen Krieger als ihrem Schlachtengott in blanken Schwertertänzen huldigten; er schob dem Untier wortlos die Rechte in den Rachen. Nun ließ der Fenriswolf das Abenteuer geschehen. Aber als ihn die Fessel Gleipnir wie mit Schlangenarmen umwand, daß ihm der ohnmächtige Schweiß aus allen Poren brach und er spürte, daß seine Kraft überwältigt sei, als die Götter die Fessel im Grunde der Erde verankerten, so daß er nimmer los konnte, schnappte er zornwütig zu und biß Tyr, der nicht mit der Wimper zuckte, die rechte Hand ab. So gab der Gott selber seine Buße. Dem Wolf aber, der alles um sich her zu verschlingen drohte und mit seinem durchdringenden Geheul Lebende und Tote erschreckte, stießen die Asen ein Schwert zwischen die aufgerissenen Kiefern, daß das Geheul erstarb und nur der Geifer des Wütenden in Strömen hervorschoß. Dann ließen sie ihn in der Einsamkeit. –
Wieder saß in Asgard Wodan, der Odin der Nordmänner, und lange währte sein Gespräch mit Donar, dem donnernden Thor, der nach ihm der mächtigste war, der Mann der Tat. Ernst blickte Thor, und er nickte zu allem, was Allvater sprach.
»Das Schicksal der Götter,« sprach Allvater, »liegt in der Götter eigener Hand. Mut schreckt es zurück.«
»Es ist wie bei den Menschen,« sprach Thor. »Jeder ist Herr seines Schicksals, solange er um sich schlägt.«
»Herrscher und Führer,« sprach Allvater, »sitzen auf weithin sichtbaren Stühlen. All ihr Tun ist leicht zu übersehen, und es ist leicht darum, sie anzugreifen.«
»So sollen sie,« sprach Thor, »nicht auf den Angriff warten, sondern den Angriff vorantragen.«
»Du bist des Vaters echter Sohn,« schloß Allvater. »So gehe denn hin und forsche den Feind in seinem Lager aus.«
Asathor schirrte seine Böcke in den Wagen. Er schnallte den Stärkegürtel um, der seine Kraft verdreifachte, und legte die Eisenhandschuhe an, mit denen er den Stiel seines Hammers Mjolnir fassen konnte, wenn der Hammer mitsamt dem Stiel glühend geworden war in der Hitze des Kampfes. Den Hammer selbst barg er am Busen. Dann lud er Loki zum Fahrtgenossen.