Die Götter aber und Göttinnen schmausten wie Ausgehungerte von Iduns Äpfeln; ihre Haut wurde wieder straff, ihre Körper schlank und stark, ihre Augen glänzend und ihre Lippen rot. Und es war an dem Abend eitel Liebesgirren in allen Kammern Asgards. –

Nur des Donnerers Hammer ruhte nicht. Wo die Menschen auf Erden von Riesengewalten bedroht wurden, riefen sie nach dem Gott mit seiner malmenden Waffe, wie die Asen selbst es taten, und Thor erschien wie der Gewitterblitz und reinigte Land und Luft von den Unholden. Nie war er daheim zu treffen, immer stand er irgendwo im Kampf, und so machte sich Allvater Wodan einst allein auf den Weg, um einen Blick auf die Kräfte des Riesenreiches zu gewinnen.

Auf seinem achtfüßigen Hengst Sleipnir jagte er hinaus nach Jotunheim, und als er mancherlei gesehen hatte, kam er an dem Reiche Hrungnirs, des mächtigsten und stärksten der Steinriesen, vorübergeritten, der ihn anrief.

»Was reitest du für ein Roß, du Mann im Goldhelm? Es scheint mir kein schlechtes.«

»Glaub's dir,« rief Wodan zurück. »Kein Roß im Riesenreich kommt ihm im Wettlauf ans Schwanzhaar.«

»Hoho,« prahlte der Riese, »mein Hengst Gullfaxi wird es dem deinen zeigen. Gib acht, ich fange dich ein wie eine Fliege.«

Und er warf sich auf den Hengst und jagte hinter Wodan drein, der ihm lachend entkam.

In Asgard sprang Wodan vom Rossesrücken, Hrungnir aber war so tollen Rittes, daß er die Grenzmark übersah und wie Wodan in Asgard landete, von den Göttern umringt.

»Fürchte dich nicht,« riefen sie ihm zu, »du sollst unser Gast sein und dich gesättigt heimwärts trollen.«

»Seh ich wie das Fürchten aus?« höhnte Hrungnir und schritt unverschämten Ganges zur Halle. »Bringt mir die größte Kanne Met, daß ich in etwa meinen Groll ersäufe.«