Da wurden ihm die Trinkhörner zugereicht, die nur Asathor allein zu leeren verstand, und der Riese stürzte den Met so hastig durch den Hals, daß er trunken wurde und in der Trunkenheit alle Götter des Himmels bedrohte. »Dieses Walhall nehm ich in die hohle Hand und trag es nach Jotunheim. Das ganze Asgard schmeiß ich ins Meer. Das ganze Göttergesindel prügle ich zu Tode. Nein – doch nicht das ganze. Diese da, die mir den Met einschenkt, die liebliche Freya, und diese da, die die Farbe des reifen Kornfelds im Goldhaar trägt, die üppige Sif, sie nehme ich beide zu Frauen. Beide miteinander. Wer wagt und widerspricht?«
Die Götter wichen zurück vor dem Wilden. Nur Freya schenkte ihm lächelnd weiter ein. Aber das trunkene Toben des Riesen wurde so lästerlich und sein Drohen so handgreiflich, daß einer der Asen des Donnerers Namen rief. »Wäre doch Thor hier und lehrte ihn Anstand!«
Im selben Augenblick fuhr der Donnerer, der seinen Namensruf bis ans Ende der Welt zu hören vermochte, wie der Blitz in den Saal und stand vor des staunenden Hrungnirs Füßen.
»Fort, Freya,« gebot er, »es war gut gemeint, aber für Scheusale bist du kein Schenkenmädchen.« Er wandte sich an den staunenden Riesen. »Was saugst du mit deinem ungewaschnen Maul an meinen Methörnern, trunkener Schuft?« Und er schlug ihm die Trinkhörner mit gewaltigem Schlage aus den Händen, daß der Riese vom Met ganz übergossen saß. Dann holte der Donnerer mit dem Hammer aus. »Jetzt aber sollst du die Zeche bezahlen.«
In des Riesen Hirn wurde es licht. Er sprang vom Sitz und hob die Hände hoch.
»Gastrecht genieß ich in Walhall. Wodan selber lud mich zu Gast! Willst du Asgards heiliges Gastrecht schänden?«
»Ich lud dich nicht!« donnerte Thor. »Mach mir nicht lange Umstände!«
»Feigling!« schrie der Riese. »Du wagst dich an den waffenlosen Mann? Vor allen Göttern fordere ich dich zum Zweikampf zu gegebener Frist, wenn du Mut im Leibe hast!«
Da ließ Thor den Hammer sinken.