»Trolle dich schleunigst. Ich nehme die Herausforderung an. Auf der Grenzscheide zwischen Asgard und Jotunheim treffe ich dich heute in dreien Tagen.«
Pünktlich nach dreien Tagen war der Donnerer zur Stelle, und sein Diener Thjalfi war als Zeuge bei ihm. Die Freunde Hrungnirs aber hatten einen neun Meilen hohen Riesen aus Lehm aufgebaut, ihm das Herz einer Stute eingesetzt und ihn mit fürchterlichen Waffen versehen, als Beistand Hrungnirs.
Thjalfi lief dem Donnerer voraus.
»Wahre dich, Hrungnir,« schrie er. »Der Ase kommt unter der Erde her und haut dir die Füße weg.«
Da warf der Riese schnell den Schild nieder und sprang mit den Füßen drauf, um sich zu schützen. Aber der Donnerer kam durch die Luft und schwang den Hammer, und der Riese warf ihm mit wilder Wucht einen felsengroßen Wetzstein entgegen, der den sausenden Hammer traf. Doch war der Hammer so unwiderstehlich geschleudert, daß der Wetzstein in tausend Stücke splitterte und der Steinkopf Hrungnirs zermalmt durch die Lüfte flog. Von einem Steinsplitter war auch Thor in der Stirn getroffen, so daß er vornüber stürzte, und als Hrungnir sank, wälzte sich ein Bein des Erschlagenen über des Donnerers Hals.
Der neun Meilen lange Lehmriese mit dem Stutenherz wollte Fersengeld geben, aber der wackere Thjalfi, der Schnelläufer, holte ihn ein und haute ihn in die Kniekehlen, daß er stürzte und zerbarst. Vergebens jedoch mühte sich Thjalfi, das ungetüme Bein des erschlagenen Hrungnir von seines Herrn Hals zu wälzen, und die Götter, die er zur Hilfe rief, vermochten es nicht besser.
Es war aber zu der Zeit, daß dem Donnerer der Sohn Magni geboren war. Der kam herbeigelaufen, obwohl er erst drei Nächte zählte, und warf das Riesenbein zornig von des Vaters Hals. »Schade, mein Vater, daß ich nicht früher zur Stelle sein konnte. Ich hätte dir den Kerl mit der nackten Faust erschlagen.«
Da erhob sich Thor und nahm seinen Sohn ungestüm in die Arme.
»Mein Blut wird im Himmel und auf Erden nicht untergehen. Immer wieder werden Männer erstehen. Männer in der Not. Männer der Tat!« –