Asen nannten sie sich, die »göttlichen«. Ihr Haupt und Held war Wodan. –
Immer noch lag die Erdenwelt wie eine wüste Wildnis. Ymir, der Fresser und Säufer, lastete mit seiner zahllosen Sippe zu schwer auf ihr, als daß sie hätte atmen und gedeihen können. Über ihre ganze Länge und Breite schob sich schon sein Leib. Sein Blick aber ging nicht weiter als bis zu der tückischen Geisterschar, die ihn mit blödem Blendwerk umgaukelte und ihn und seine Sippe billigen Zauber lehrte statt fruchtbringende Arbeit. Dreimal hatten sich die erhabenen Götter umgeschaffen, um immer vollkommener zu werden für die Größe ihrer Sendung und ihrer Aufgabe. Das ungeschlachte Riesengeschlecht hielt sich für vollkommen, wie es roh aus dem Reife stieg, und griff mit tölpelhaften Händen nach den Erzeugungen der Erdenwelt, um sie zu vertilgen, statt zu vermehren und zu veredeln. So verschwand die Erdenwelt im unersättlichen Bauche Ymirs und seiner Sippe, und alles Weiterwerden drohte zu vergehen.
Wodan, der junge, sah es, und er rief Wili und We, seine Brüder, und sie gingen zu Ymir, als er auf dem Rücken lag und verdaute. Das war sein einzig Tagewerk.
»Wozu bist du hier?« fragte ihn Wodan.
»Ich bin hier, um zu leben«, knurrte Ymir böse. »Die Erde sorgt, daß ich wachse.«
»Nein,« sagte der Ase, »du lebst, damit die Erde wachse. Kannst du weiteres verstehn? Steh auf und schaffe.«
Da drehte sich der Riese wie ein Flegel auf den Bauch und wies die Kehrseite, daß die Männer und Weiber seiner Sippe vor Vergnügen brüllten und sich das Mißgunstvolk der Maren und Schrate, der Truden und Alben meckernd in der Luft überschlug.
Wodan lachte über die Welt hin.
»Packt an,« gebot er den Brüdern. Und sie packten den ungefügen Erdenkloß, den Erdaussauger, zu dritt, hoben ihn hoch und zertrümmerten ihn an dem Felseneis.