»Nur der vermag das Sonnenlicht auf Erden zu ertragen, der in der Sonne geboren ist. Das Sonnenlicht hebt die Gedanken stolz und hoch zum Himmel und schafft ihnen höhere Gleichnisse. Darum taugt es nicht, daß die Unterirdischen die Macht auf Erden gewinnen, denn ihre Gedanken steigen in die Dunkelheit und zum wimmelnden Gewürm.«

Und Wodan warf seinen Sturmmantel um und entbot Hönir, den Gott des Waldes und der Heide, und Loki, den Heißen und Leuchtenden, dem das Feuer untertan war, und fuhr mit den Ratgesellen zur Erde.

Sie wanderten dahin im Licht der Sonne, die aus Muspelheims Funken am Himmel hing, und das Schweigen der Wälder umgab sie. Prüfend gingen ihre Augen über alles, was war. Und sinnend schritten die drei Götter dahin.

Da bot sich ihnen auf der Lichtung eines Hügels ein wunderbares Bild. Kraftvoll war es und lieblich zugleich. Vom Schatten des Waldes umkränzt, hob sich sonnenübergossen der blumige Hügel, und eine mächtige Esche reckte sich daraus und eine breitausladende Ulme, und beide streckten sie ihre Wipfel sehnsüchtig dem Himmel entgegen, und sehnsüchtig vermählte sich ihr starkes Untergeäst, als wollte ein Baum den anderen stützen und umschlingen, und ihre Wurzeln tranken tief aus der Erde, während ihre Wipfel hoch nach dem Himmel verlangten.

In lächelnder Gewähr blickte Allvater Wodan auf das Bild, segnend stand Hönir, der Wälder Gott, feurig und leidenschaftlich trat Loki heran.

Und Wodan nickte mit dem Haupt und strich mit leisen Händen über die Rinde der Bäume. Und von seinen Händen ging eine Kraft aus, die drang in das Mark der Esche und drang in das Mark der Ulme und erfüllte beide mit der göttlichen Seele.

Da ging ein Raunen und Rauschen durch die Bäume von der Wurzel bis zur Krone.

Und Hönir tat wie Wodan und streichelte liebkosend Stämme und Blätterdach und flüsterte mit ihnen.

»Da standen Esche und Ulme horchend und wurden sehend …«