»Nur wer mein Gemahl wäre, dürfte mich so anschauen. Und es gibt keinen Mann auf Erden, der so stark ist, daß er mich bezwänge.«

»Wehr' dich,« lachte Siegfried, trat auf sie zu und schloß sie in seine Arme, daß sie sich nicht regen [33] konnte. Aber der Zorn flammte aus ihren Augen und färbte ihre Wangen.

»Gib mich frei,« stieß sie hervor, »oder es könnte dich reuen.«

»Hab' nimmer gelernt, was Furcht ist,« lachte der Held und küßte sie auf den zornigen Mund.

»Du Unband,« stöhnte sie, aber nun lachte auch sie.

»Siehst du wohl,« sagte Siegfried, »es geht schon an. Nun küsse auch du mich einmal.«

Sie glaubte seine Arme gelockert und sprang plötzlich gegen ihn an, daß es ihn fast umgeworfen hätte. Aber nun umschlang er sie, daß sich ihr Panzer bog und ihr der Atem in der Kehle stockte. »Ist das dein Kuß, du Wilde? So will ich dich wohl auf deine Weise wieder küssen, wenn dir das eher gefällt.«

Da hob sie, von seiner Kraft und seinem Lachen bezwungen, den Kopf und küßte ihn.

Und allsogleich ließ er von ihr ab, bog das Knie und huldigte ihr ritterlich.

[34] Das Blitzen ihrer Augen schwand, und ihr Blick wurde weich und frauenhaft. Ihre Hand spielte in seinen Locken.