Die Nebel brodelten auf, zerfetzten sich in den Kronen der Bäume und ließen den dämmernden Tag in den Wald hinein. Siegfried schaute sich um. Er mußte über die Grenze in ein fremdes Land geraten sein, denn er fand sich nicht mehr zurecht. Das machte ihn noch einmal von Herzen lachen, denn nun konnte er wohl seine Tapferkeit vor den Menschen beweisen. Aber wie er weiter und weiter durch Dickicht und Gestrüpp den Weg sich bahnte, verspürte er plötzlich einen Hunger, der immer grimmiger in ihm wütete. Da lugte [7] er, wo er den höchsten Baum fände, und kletterte bis in den Wipfel, Ausschau nach einer Menschensiedelung zu halten, und seine scharfen Augen entdeckten bald den Rauch einer Hütte, die an einem fließenden Wasser in einer Waldlichtung lag. Dorthin sprang er in weiten Sätzen.

Es stand ein Schmied vor der Tür, und Siegfried staunte ihn an. Denn der Mann hatte einen schweren, kurzgefügten Körper mit einem großen Höcker zwischen den Schultern und einen verwitterten Kopf. Daß ein Mensch so häßlich sein konnte, tat dem schönen Knaben leid, und er wünschte dem verwachsenen Schmied recht fröhlich einen guten Morgen.

Gerade hatte der Kleine mit Armen, die stark waren wie Hebebäume, einen Eisenbalken auf den Amboß gewälzt, als Siegfried ihn anrief. Er richtete sein wirrbärtiges Gesicht auf, packte einen ungefügen Hammer und fragte: »Was willst du hier?«

»Ei,« rief Siegfried, »was wird ein nüchterner [8] Magen wollen? Eine Morgensuppe will er, wie sie dort auf Eurem Herde so appetitlich duftet.«

»Hand weg,« sagte drohend der Schmied. »Müßiggänger brauchen nicht zu essen.«

»Ich will's Euch wohl beweisen, ob ich das Essen verdiene,« zürnte Siegfried. »Habt Ihr was zu schaffen für mich?«

Der Schmied reichte ihm den ungefügen Hammer und wies auf den Eisenbalken, der über dem Amboß lag.

»Wenn dein Arm so stark ist wie dein Mundwerk —«

Da hob Siegfried wütend den Hammer und ließ ihn auf den Eisenbalken niedersausen, daß der in Stücken durch die Lüfte flog und der Amboß eine Klafter tief in die Erde fuhr.

»Was ist das für ein Kinderspielzeug?« rief der starke Siegfried. »Gebt mir Männerarbeit!«