Es war der fröhliche Priester, der ein lustiges Lied trällernd seinen Vormittagsspaziergang machte.
„Meinen Appetitsspaziergang für den Lunch“, erklärte er. Darauf stellte er fest, daß er heute bereits drei Meilen gegangen sei.
Nachmittags hatten Carlos und Nicolás nochmals Unterricht. Den Rest der Zeit verbrachten sie spielend auf Deck und in Gesellschaft des Priesters.
Abends nach Tisch hörten Carlos und Nicolás den Schiffsarzt über den Herrn mit der fahlen Glatze reden. Er sei ein italienischer Handlungsreisender in Konserven, ein harmloser Herr, der seine phantastischen Grillen habe, niemand nehme ihn ernst.
So vergingen die Tage, das Wetter war gut, der fröhliche Priester aß mit Appetit, der Herr mit der Glatze fuhr fort in seiner düsteren Freude an allem Ungemach, und Herr Dr. Bürstenfeger gab seinen Unterricht, aber jetzt auf Deck, weil die Hitze in der Kabine zu drückend wurde.
In der Bai von Rio
Am fünften Tage frühmorgens fuhr die Lombardia in die Bai von Rio ein. Der Himmel war heiter, die Luft schwül.
Herr Dr. Bürstenfeger stand mit Carlos und Nicolás auf Deck.
Er rief begeistert aus: „Unsäglich lang habe ich mich auf diesen Anblick gefreut, Karl und Nikolaus. Herrlicheres bietet die Natur nicht oft! — Bai von Rio de Janeiro, seit Entdeckung Amerikas gepriesen von den hehrsten Reisenden aller Nationen, sei mir gegrüßt!“
Eine Weile verharrte er stumm in Betrachtung der Ufer; dann bemerkte er: „Schaut hin, Karl und Nikolaus, rechts von uns haben wir jetzt das Fort Santa Cruz und links den weltberühmten Zuckerhut — Pao d’Azuka. Der Meerbusen — gerade fahren wir hinein — ist einer der inselreichsten der Welt und hat die erstaunliche Breite von mehr als zwanzig Kilometer! — Betrachtet diese Hügel, diese Berge! Noch sind wir ihnen freilich zu fern, als daß wir uns ein Bild machen könnten ihrer über alle Begriffe göttlichen Vegetation!“