„Du wirst es, aber da müssen wir uns zuerst verloben, und du mußt mir einen Kuß geben.“

„Ich kann mich ja mit dir verloben und dir einen Kuß geben, aber alles, was du erzählst, ist ja Lüge“, meinte sie, die Nase rümpfend.

„Wenn du glaubst, daß ich lüge, gehen wir zu José und fragen wir ihn. José war König von England, früher, als es ihm noch gut ging und er nicht Knecht zu sein brauchte.“

„Meinetwegen, gehen wir zu ihm“, sagte sie und lächelte ziemlich überlegen.

José, ein geborener Neapolitaner, aber seit langem eingewandert, stand dicht beim Galpon und wusch den Schecken des Verwalters. Er goß Eimer auf Eimer über Bauch und Rücken des Pferdes, das bebend auswich; dazu fluchte er, denn jede Arbeit war ihm verhaßt. Unter den Pferden haßte er aber den Schecken, seiner heiklen Hautfarbe wegen, und weil er die schlechte Gewohnheit hatte, sobald er freigelassen war, sich auf der Erde zu wälzen.

Nicolás trat mit Juanita an ihn heran und sagte laut und in einem Tone, der keine Widerrede litt: „Nicht wahr, José, du warst früher König von England?“

Zuerst erstaunte José, dann aber antwortete er mit wildhumoristischem Auflachen: „Natürlich war ich König von England, corpo di Dio, war das eine fröhliche Zeit, damals, als ich noch König von England war!“ Bei diesen Worten gab er dem Schecken einen Fußtritt, als wollte er ihn den grausamen Umschwung der Dinge vergelten lassen.

„Siehst du, Juanita“, sagte Nicolás, „José war König von England. Gehen wir jetzt.“

Als sie einige Schritte gegangen waren, sagte er: „Jetzt müssen wir uns verloben“ und faßte sie bei der Hand; sie folgte ihm kichernd, und als sie an die Stelle gelangt waren, von wo sie gekommen waren, küßte er sie feierlich auf den Mund.

„Jetzt bist du meine Braut und wirst Königin von Paris“, sagte er. Er sah sie leuchtend an, tat einen Schritt zurück, wie vorhin sein Bruder, und stieg zu Pferd.