Bei der Quelle banden sie ihre Maultiere an die Weide und stiegen auf den Pfirsichbaum hinauf. Singvögel stoben kreischend auseinander.

Nun pflückte jeder von ihnen vier der schönsten Pfirsiche, und sie wollten schon wieder herabsteigen, als Carlos den Vorschlag machte, sie oben zu essen, weil es ihm schien, daß sie dann besser schmeckten; und so saßen sie sich denn gegenüber, jeder auf einem dicken Ast, lautlos und beobachteten sich gegenseitig aufmerksam, und wenn einer einen Biß tat, wartete der andere eine Weile und biß ein etwas kleineres Stück ab; denn jeder wollte, um einen längeren Genuß zu haben, der letzte sein. Bei diesem stummen Ringen verhielten sie sich so mäuschenstill, daß sämtliche verscheuchten Vögel sich wieder zurückwagten, und es war ganz still bis weithin. Unten nur hörte man die Quelle murmeln, und oben war ein Kauen und Picken.

Als nun Carlos seine vier Pfirsiche verzehrt hatte, hatte Nicolás noch einen, den wollte er auf dem Heimweg essen. Sie kletterten wieder herab und stiegen auf ihre Maultiere, Nicolás in etwas gedrückter Stimmung, Carlos tief melancholisch.

Stumm ritten sie nebeneinander her. Nicolás hielt seinen Pfirsich in der Hand, strich mit den Fingerspitzen darüber hin, manchmal roch er daran, einmal wollte er hineinbeißen, besann sich aber und steckte ihn wieder in die Tasche.

Carlos schaute zu, seine Augen füllten sich mit Tränen, er wollte sich zur Resignation zwingen, aber der innere Kampf dauerte fort.

Plötzlich hielt er sein Maultier an, stieß einen schweren Seufzer aus und sagte zu seinem Bruder: „Ich reite zu Bernabé, dem Ziegenhirten, sage Herrn Dr. Bürstenfeger, ich werde in einer Stunde nachkommen.“ Dann wandte er sein Maultier, ritt zum Pfirsichbaum zurück und setzte sich auf den Ast, auf dem er vorhin gesessen war. Beschämt und zaghaft biß er in den ersten Pfirsich, dann aber wurde er kühner, und bald dachte er an nichts weniger, als an Herrn Dr. Bürstenfeger und seine inständige Bitte.

Als er endlich genug hatte, stieg er hinunter, setzte sich faul an den Baumstamm und war in kurzer Zeit, ohne daß er wußte wie, eingeschlafen.

Als er erwachte, verschwand gerade die Sonne hinter den Bergen, langsam krochen die Schatten die Ebene hinab.

Sein erster Gedanke war, daß er Herrn Dr. Bürstenfeger jämmerlich hintergangen hatte, und eine tiefe Traurigkeit erfüllte ihn. Er saß da, den Kopf an den Baum gelehnt, und weinte vor Reue.

Aber es war schon spät, und er mußte an die Rückkehr denken.