Der Geist lächelte: „Vielleicht hast du ihn wild gemacht durch deinen Starrsinn.“

„Oh, den hat er mir schon ausgetrieben! Aber Steffen ist ein Knauser; wenn ich ihm einen Groschen abfordere, so rasaunt er im Hause ärger als Ihr zu Zeiten im Gebirge, wirft mir meine Armut vor und da muß ich schweigen. Wenn ich ihm eine Aussteuer zugebracht hätte, wollt’ ich ihm schon den Daumen aufs Auge halten.“

„Was treibt dein Mann für ein Gewerbe?“

„Er ist Glashändler, muß sich seinen Erwerb auch lassen sauer werden; schleppt da der arme Tropf die schwere Bürde aus Böhmen herüber jahraus, jahrein; wenn ihm nun unterwegs ein Glas zerbricht, muß ich’s und die armen Kinder freilich entgelten; aber ich ertrag’s.“

„Du kannst den Mann noch lieben, der dir so übel mitspielt?“

„Warum nicht lieben? Ist er nicht der Vater meiner Kinder? Die werden alles gut machen und uns wohl lohnen, wenn sie groß sind.“

„Leidiger Trost! Die Kinder danken auch der Eltern Müh’ und Sorgen! Die Jungen werden dir noch den letzten Heller auspressen, wenn sie der Kaiser zum Heere schickt ins ferne Ungarland, daß die Türken sie erschlagen.“

„Ei nun, das kümmert mich auch nicht; werden sie erschlagen, so sterben sie für den Kaiser und fürs Vaterland in ihrem Beruf; können aber auch Beute machen und die armen Eltern pflegen.“

Hierauf erneuerte der Geist den Knabenhandel nochmals; doch das Weib würdigte ihn keiner Antwort, raffte das Laub in den Korb, band oben drauf den kleinen Schreier mit der Leibschnur fest und Rübezahl wandte sich, als wollte er weitergehen. Weil aber die Bürde zu schwer war, daß das Weib nicht aufkommen konnte, rief sie ihn zurück: „Ich hab’ Euch einmal gerufen,“ sprach sie, „helft mir nun auch auf, und wenn Ihr ein übriges tun wollt, so schenkt dem Knaben, der Euch gefallen hat, ein Gutfreitagsgröschel[*)] zu einem Paar Semmeln; morgen kommt der Vater heim, der wird uns Weißbrot aus Böhmen mitbringen.“ Der Geist antwortete: „Aufhelfen will ich dir wohl; aber gibst du mir den Knaben nicht, so soll er auch keine Spende haben.“ „Auch gut!“ versetzte die Frau und ging ihres Weges.

[*)] Eine schlesische Münze, einen Dreier an Wert, welche ehedem die Fürsten von Liegnitz prägen und auf den Karfreitag an die Armen zum Almosen verteilen ließen.