„Törin!“ versetzte Rübezahl, „hast du nicht noch drei Kinder, die dir Last und Überdruß machen! Mußt sie kümmerlich nähren und dich mit ihnen plagen Tag und Nacht.“

„Wohl wahr, aber dafür bin ich Mutter und muß tun, was meines Berufes ist. Kinder machen Überlast, aber auch manche Freude.“

„Schöne Freude, sich mit den Bälgen tagtäglich zu schleppen, sie zu gängeln, zu säubern, ihre Unart und ihr Geschrei zu ertragen!“

„Wahrlich, Herr, Ihr kennt die Mutterfreuden wenig. Alle Arbeit und Mühe versüßt ein einziger freundlicher Anblick, das holde Lächeln und Lallen der kleinen unschuldigen Würmer. — Seht mir nur den Goldjungen da, wie er an mir hängt, der kleine Schmeichler! Nun ist er’s nicht gewesen, der geschrien hat. — Ach, hätte ich doch hundert Hände, die euch heben und tragen und für euch arbeiten könnten, ihr lieben Kleinen!“

„So! Hat denn dein Mann keine Hände, die arbeiten können?“

„O ja, die hat er! Er rührt sie auch, und ich fühl’s zuweilen.“

„Wie? Dein Mann erkühnt sich, die Hand gegen dich aufzuheben? Gegen solch ein Weib? Das Genick will ich ihm brechen, dem Mörder!“

„Da hättet Ihr traun viel Hälse zu brechen, wenn alle Männer mit dem Halse büßen sollten, die sich an der Frau vergreifen. Die Männer sind eine schlimme Nation; drum heißt’s: Eh’stand, Weh’stand; muß mich drein ergeben, warum hab’ ich gefreit.“

„Nun ja, wenn du wußtest, daß die Männer eine schlimme Nation sind, so war’s auch ein dummer Streich, daß du freitest.“

„Möglich! Aber Steffen war ein flinker Kerl, der guten Erwerb hatte und ich eine arme Dirne ohne Heiratsgut. Da kam er zu mir, begehrte mich zur Eh’, gab mir einen Wildemannstaler auf den Kauf und der Handel war gemacht. Nachher hat er mir den Taler wieder abgenommen, aber den wilden Mann hab’ ich noch.“