Die zärtliche, treue Mutter erlebte noch im Alter große Freude an ihren Kindern und Rübezahls Günstling wurde gar ein wackerer Mann, diente im Heer des Kaisers lange Zeit unter Wallenstein im Dreißigjährigen Kriege.
8.
Susi und der Kräutermann.
Der alte Köhler Christoph saß mit seinem Weibe Else an einem lauen Sommermorgen vor seinem Hüttchen. Vor ihnen führten Kinder ihren Ringelreigen auf, aber die Alten achteten nicht auf das Kinderspiel, sondern schienen einen schweren Kummer auf dem Herzen zu tragen. Vater Christophs Glieder waren seit Jahren gelähmt, so daß es wenig Verdienst gab und Armut und Entbehrung waren die ständigen Gäste in der armen, baufälligen Hütte. Oft konnte die Frau tagelang nicht arbeiten und für den Haushalt Geld schaffen, weil sie sich der Pflege ihres Mannes widmen mußte. Auch ihre kleinen Einnahmen aus dem gesponnenen Garn waren ausgeblieben, da Mutter Else bei ihrer Armut nicht imstande war, Flachs zu kaufen.
Vater Christoph stöhnte ob all des Kreuzes und Tränen rannen ihm über die Wangen.
„Vater,“ hob da Else an, „laß deinen Mut und deine Freudigkeit nicht sinken. Kennst du nicht den herrlichen Liedervers aus dem Gesangbuche, der mit den Worten beginnt:
Denk nicht in deiner Drangsalshitze,
Daß du von Gott verlassen seist.
Siehe, der Dichter des Liedes, aus welchem jener Vers stammt: ‚Wer nur den lieben Gott läßt walten‘, Georg Neumark, war, wie mir neulich unser lieber Herr Pfarrer, der dich so oft in deiner Krankheit besucht und tröstet, erzählte, in so bittere Not geraten, daß er seine liebe Geige versetzen mußte. Da fand er in seiner Herzensangst, wie von Gott gesandt, einen reichen Gönner, der ihm half. Aus Freude darüber sang er sein Lied: ‚Wer nur den lieben Gott läßt walten‘. Das hat seither schon manche Träne getrocknet und manchen Kreuzesträger gestärkt.“ Vater Christoph wurde ruhig und in frommer Ergebung sprachen seine zitternden Lippen:
„Denn welcher seine Zuversicht
Auf Gott setzt, den verläßt er nicht.“