Da schritt auf der Landstraße ein hübsches Mädchen einher, dem Dorfe zu. Es mußte einen weiten Weg zurückgelegt haben und schien ermüdet zu sein. Unter dem Arme trug die Kleine ein Bündel Kleider.
Als sie sich der Hütte näherte, rief sie den beiden Alten zu: „Grüß Gott! Könnt ihr mir wohl sagen, wo in diesem Dorfe der alte Köhler Christoph wohnt?“
„Der bin ich selbst,“ antwortete der Alte und im nächsten Augenblicke lag das Mädchen an seinem Halse und schluchzte: „Ihr seid mein Oheim. Ich bin Eure Nichte, die Mutter ist vor einer Woche gestorben, ihr letzter Gruß galt Euch.“
Da trat Mutter Else herbei, streichelte dem Kinde die Wangen und sprach: „Sei uns herzlich willkommen, armes Kind, du bleibst von nun an bei uns. Wir wollen dich hegen und pflegen und lieben als unser eigenes Kind.“ Christoph gab dem Kinde treuherzig die Hand und sprach: „Gott segne dich.“
Nun mußte Susi — so war ihr Name — in die Hütte eintreten, daß sie sich ausruhe und erfrische. Else bereitete ihr ein Lager von Heu und Blättern und auf ihrem ärmlichen Lager ruhte Suschen so süß wie auf weichem Flaum und liebliche Träume umgaukelten sie während der Nacht.
Seit Susis Ankunft war es im Hause lebhafter geworden. Frühmorgens schon sang sie mit silberheller Stimme ihre Lieder und begleitete sie am Abend mit der Zither, fröhliche Geschichten erzählte sie dem Oheim, so daß ihm zuweilen ein Lächeln ankam; aber Mutter Else blieb still und gedrückt. Sie sann immer darüber nach, wie sie dem Mädchen Kleidungsstücke und ein besseres Lager schaffen könnte, zumal der Winter im Anzuge war. Doch das gute Mütterchen fand trotz allen Grübelns keinen Ausweg.
So war sie denn eines Morgens in den Wald gegangen, um dürres Holz zum Feuermachen zu sammeln, als sie plötzlich eine Männerstimme hinter sich vernahm. Es war ein Kräutersammler, welcher einen Kasten mit Salben und Kräutern für Kranke auf der Schulter trug. Er grüßte Else und bot ihr seine Waren an.
„Ach,“ erwiderte diese, „das Kräutlein, dessen ich bedarf, habt Ihr gewiß nicht in Eurem Kasten. Mein Mann ist schon jahrelang von der Gicht geplagt; ich würde für das Kraut, das ihm helfen könnte, mein liebstes Andenken, eine große Silbermünze, die mir mein Pate zur Einsegnung schenkte, mit Freuden daran geben.“
Der Fremde ging mit ihr zur Hütte. Dort hatte Susi schon fleißig gewirtschaftet, das Bett des Kranken gemacht, die Stube gefegt und die Fenster geöffnet. Der Kräutermann verwandte kein Auge von dem schmucken, flinken Mädchen.
„Ist das Eure Tochter?“ fragte er Else.