„Nein, lieber Herr,“ antwortete diese, „sie ist meiner Schwägerin Kind aus dem Böhmerlande, eine Waise, und erst seit kurzer Zeit bei uns.“

Nun wandte sich der Kräutermann dem Kranken zu, fragte nach der Art seines Leidens und nahm aus seiner Kräuterbüchse einen Büschel grünen, stark riechenden Krautes. Das mußte Else kochen und mit dem Wasser die lahmen Glieder des Kranken waschen. Eine Bezahlung wies der freundliche Mann zurück und erklärte, er wolle nur ein Stündchen in der Hütte ausruhen.

Inzwischen war Susi mit ihren Morgenarbeiten fertig geworden und fragte die Base, was sie nun schaffen solle.

„Kannst du spinnen, mein Kind?“ erwiderte diese. Susi schüttelte den Kopf.

„Nun, so will ich es dich lehren. Siehe, mit der einen Hand ziehe ich den Faden, während die andere die Spindel dreht.“

Der Fremde aber trat dazwischen und sprach: „Ich habe ein neues Spinngerät zu Hause. Damit geht’s weit flinker und geschickter, ich will es holen und wette, daß Susi in kürzerer Zeit ihre Weife bezieht als Ihr, Mutter Else.“

Schon wenige Stunden später kam der Kräutermann mit einem Spinnrade zurück, dessen Gebrauch den alten Köhlersleuten noch ganz unbekannt war. Es war ein zierlich gedrechseltes Gerät, oben stak auf dem Wockenstock ein Bündel Flachs, welches von einem Wockenbrief gehalten wurde, auf welchem ein sinniger Spruch stand. Flink drehte der Fremde das Rädchen, daß es summte und brummte, und Susi sah aufmerksam zu, wie er mit den Füßen trat, den Faden zog, befeuchtete, bis sich die Spindel mit Garn füllte.

„Das Spinnrad schenke ich dir, Susi,“ sagte der Kräutermann, „du wirst viel Freude daran haben und mancher Gewinn wird deine Arbeit lohnen. Auch werde ich dir einen Garnhändler zuschicken, der dir deine Arbeit gut bezahlt.“

Nun spann das fröhliche Mädchen vom Morgen bis zum Abend, sang lustige Liedchen dazu und drehte das Rädchen so flink, daß Oheim und Base ihre helle Freude daran hatten. Der fremde Garnhändler kam jeden Sonnabend, um das Gespinst zu kaufen. Er lobte die feine, gleichmäßige Arbeit und zahlte reichlichen Lohn.

Auch mit dem kranken Christoph wurde es von Tag zu Tag besser, bald wurden die Glieder wieder gesund und kräftig und im nächsten Frühjahr hatte er seine völlige Gesundheit wiedererlangt.