„Mir wär’s schon recht, daß es einen Rübezahl gäbe,“ brach Hans das Gespräch ab, „wenn nur der alte Knabe schnell für uns hier oben ein Wirtshaus baute, denn es ist ein wahres Elend, hier unter den Strahlen der glühendsten Sonnenhitze einherstapfen zu müssen, ohne einen Trank oder einen Imbiß zu finden. Mir ist unbegreiflich, daß sich hier kein Wirt anbaut; er würde bei dem lebhaften Wanderverkehr sicherlich sein Geschäft machen.“

„Weil,“ sagte Philipp, „wie ich bereits erwähnte, die Leute Furcht vor dem Herrn des Gebirges haben.“

„Nun höre mir aber endlich mit dem Popanz, dem Rübezahl, auf, lieber Freund,“ rief Hans ärgerlich.

„Na — wer sagt’s denn,“ jubelte da plötzlich Georg auf, „dort steht ja das ersehnte Wirtshaus!“

Die beiden andern Studenten trauten kaum ihren Augen, denn vor ihnen lag in der Tat ein stattliches Gebäude, aus dessen Schornstein der Rauch über die Tannen wirbelte. Vor dem Hause war ein Blumengarten angelegt, in welchem Rosen, Nelken, Rittersporn, Astern und Sonnenblumen blühten, und eine Kegelbahn lud zum Kegelspiel ein. Vor dem Hause stand der behäbige Wirt mit kurzem Rock, kurzen, schwarzen Samthosen, roten Strümpfen und glänzenden Schuhen. Ehrerbietig zog er sein Käppchen, verneigte sich vor den Studenten und erklärte ihnen, daß es ihm eine besondere Ehre sein würde, die Herrschaften in seinem bescheidenen Gasthof bewirten zu dürfen. Er würde alles aufbieten, um ihren Ansprüchen in jeder Weise gerecht zu werden.

„Nun, allzu lang wird Euer Speisezettel wohl nicht sein,“ meinte Hans, den die Anrede des Wirtes ein wenig übermütig gemacht hatte.

„Befehlt nur, ihr Herren,“ erwiderte der Wirt, „was Küche und Keller bieten, soll euch werden.“

„Wohlan,“ sagte Hans, „so bringt uns drei gebratene Feldhühner in Savoyerkohl, eine Schüssel schöngesottener Krebse und dazu eine Flasche des ältesten Landweins, je älter desto besser.“

Hierauf traten die Studenten ins Herrenstübchen ein, legten ihr Ränzel ab und machten sich’s bequem, während der Wirt in Küche und Keller eilte, das Bestellte zu besorgen.

Nach Verlauf einer Viertelstunde kehrte er zurück, deckte den Tisch mit einem kostbaren Tischtuch, legte silberne Bestecke auf und tat so, als ob er fürstliche Herrschaften zu bedienen habe. Während er alles ordnete, meinte er: „Es hält jetzt schwer, Feldhühner zu bekommen und auch von den Krebsen bringe ich heute die ersten auf den Tisch. Aber für gutes Geld wird alles geschafft.“ Er tat gar nicht, als ob er die Verlegenheit der jungen Herren bemerkte, sondern brachte außer dem Landwein noch eine Flasche Tokaier.