Philipp wurde es unheimlich; ihm stieg eine Ahnung auf, daß das Wirtshaus ein bezaubertes und der Wirt kein anderer sei als Rübezahl.
Als dieser auf einige Zeit das Zimmer verließ, teilte er seine Befürchtungen seinen Kommilitonen mit. Diese aber lachten ihn aus, der Wein machte ihre Zunge immer geläufiger und ihr Herz mutiger. Hans rief den Wirt und forderte ihn auf, für sich ein Glas mitzubringen, um mit ihnen anstoßen zu können. Das geschah und Georg erhob sein Glas und sprach: „Ich will eine Gesundheit ausbringen. Daß wir hier auf einsamer Höhe mit Speise und Trank so vortrefflich erquickt wurden, verdanken wir gewiß dem Herrn des Berges, er lebe hoch, hoch, hoch!“ Der Wirt stieß mit den Studenten an. Aber sofort saß Georg wieder der Schalk im Nacken und er rief noch einmal: „Ja, der alte, gute Rübezahl soll leben, hoch!“
Philipp stieß diesmal nicht mit seinen Gefährten an und auch der Wirt zog seine Stirne kraus, machte eine gar ernste Miene, stellte sein Glas auf den Tisch und sagte: „Wie Euer Genosse, so habe ich wohl auf die Gesundheit des Herrn vom Berge angestoßen, nicht aber in das Hoch auf Rübezahl eingestimmt, wie er auch tat, und zwar mit Recht. Ihr nennt ihn bei seinem Spottnamen, auf diesen stoße ich nicht an, denn ich weiß, daß er sich an denen rächt, die ihn damit an jene traurige Geschichte erinnern. Euer Genosse scheint auch darum zu wissen.“
Lautes Gelächter war die Antwort der beiden angeheiterten Studenten auf die Mahnung des Wirtes.
„Nun, Philipp,“ meinte Hans, „da hast du ja einen Gesinnungsgenossen gefunden, zu glauben, jenen Ammenmärchen von einem neckenden Kobold, der auf dem Riesengebirge sein Unwesen treiben soll. Ich wünschte nichts sehnlicher, als ihm in höchsteigener Person zu begegnen. Das wird aber nie der Fall sein, weil es eben keinen Rübezahl gibt. Wir, mein lieber Herr Wirt, von der hohen Schule atmen eine freie Luft und belächeln jene Torheiten, die sich nur im Aberglauben des Volkes finden.“
Der Wirt wollte antworten, aber es kam ihm ein besserer Gedanke in den Kopf und er trat vor die Studenten mit der freundlichen Aufforderung: „Wollen die Herren nicht vielleicht sich ein wenig im Freien Bewegung machen und einen Stamm kegeln? Den Kegeljungen will ich selbst machen.“
Der Vorschlag fand freudige Zustimmung. Hans und Georg begannen zu schieben, aber merkwürdig: entweder kam ein „Sandhase“ heraus, d. h. die Kugel ging an den Kegeln vorbei, oder sie trafen eine „Methode“, d. h. die zwei Gassenkegel. Besseren Erfolg hatte Philipp. Er warf dreimal hintereinander acht um den König, was für den besten Wurf galt. Ärgerlich brachen Hans und Georg das Spiel ab.
Nun kam aber das Schlimmste, das Zahlen. Verlegen fragte Hans nach der Schuld. Der Wirt rechnete nach, dann sprach er zu Philipp:
„Von Euch, junger Herr, nehme ich nichts. Ihr habt Euch frei gekegelt, da Ihr dreimal den König allein habt stehen lassen. Die Zeche der anderen Herren beträgt vier Taler, zwei Taler auf jeden.“
Da wurde die Barschaft noch einmal überrechnet und die beiden Studenten brachten gerade noch die geforderte Summe zusammen.