Als es zum Abschied ging, überreichte der höfliche Wirt Georg und Hans ein Päckchen und meinte: „Bis zum nächsten Gasthause ist’s noch weit, darum habe ich den Herren einen kleinen Imbiß für den Weg eingewickelt. Euch aber, junger Herr, schenke ich, da Ihr so vortrefflich gekegelt habt, den Kegelkönig.“

Dankend steckte Philipp den Kegel in die Tasche und die drei Burschen zogen weiter ihres Wegs. Unterwegs mußte Philipp noch manchen Spott seiner Kameraden hinnehmen, daß der Wirt ihm einen Kegel zur Zehrung auf den Weg gegeben habe.

„Laßt’s gut sein,“ meinte er, „ich habe so meine Gedanken über das Geschenk und will es tragen als Andenken an unser Abenteuer im Gebirge.“

„Der hat den Rübezahl immer noch im Kopf,“ höhnte Hans. „Wir wollen uns lieber in das Gras setzen und unser Vesperbrot verzehren. Du, Philipp, magst ein Stück vom Kopfe deines Kegelkönigs abbeißen.“ Als sie aber ihre Päckchen öffnen wollten, sprang aus dem einen ein Frosch, aus dem andern eine Eidechse heraus, so daß sie entsetzt zurückfuhren. So zogen sie hungrig weiter und jeglicher Spott und Zweifel an dem Dasein des Berggeistes verstummte. Philipps Kegel wurde immer schwerer und schwerer, er zog ihn aus seiner Tasche, sieh! da leuchtete er wunderbar im Mondschein. Er sah ihn näher an — der Kegel war lauteres Gold, darum war er auch so schwer. Philipp verkaufte den Kegel, konnte nun ohne Not seine Studien vollenden und ist ein gelehrter Mann geworden.

11.
Der Hexenstab.

Wer einmal jetzt im Riesengebirge reist, findet fast bei jedem bemerkenswerten Punkte auf den Bergen und in den Tälern, besonders wo gastliche Häuser den Wanderern zur Erholung und Erfrischung einladen, Verkaufsstände, welche Andenken an das Gebirge feilhalten. In großer Auswahl auf Bechern, Tassen, Karten, Bildern, Pfeifen und anderen Dingen wird besonders auch Rübezahls gedacht. Man findet da manche seiner Geschichten abgebildet und auf mancherlei Art seine äußere Erscheinung dargestellt. Mit Vorliebe kaufen die Reisenden lange Bergstöcke mit einer tüchtigen Spitze daran, die ihnen das Gehen erleichtern. Auf vielen steht der Name „Rübezahl“ und man nennt sie deshalb „Rübezahlstöcke“. Diese Bezeichnung ist aber keine willkürliche, sondern steht im Zusammenhange mit vielen Rübezahlmärchen, in welchen Wanderstäbe eine gewisse Rolle spielen. Eins der schönsten will ich euch erzählen.

In den Zeiten, wo die meisten unserer Geschichten spielen, gab es noch keine Briefträger, welche Briefe und Pakete aus der Stadt auf das Land trugen. Da hielt jedes Dorf seinen Botenmann, welcher in gewissen Zeiträumen den Verkehr zwischen Dorf und Stadt vermittelte. Als solcher war auch der alte Leopold aus Schreiberhau weit und breit im Gebirge bekannt. Es wurde ihm nicht leicht, jahraus, jahrein bei Wind und Wetter unter der Last des Gepäckes die gebirgigen Pfade zu gehen, aber die Herrschaften der Rittersitze und die Kaufleute in der Stadt bezahlten ihm seine Mühe so gut, daß er hätte zufrieden sein können. Aber das Pflänzlein Zufriedenheit ist rar und auch von Leopold konnte man sagen: „Je mehr er hat, je mehr er will.“

Einst hatte er sich um die Mittagszeit in einer Baude niedergelassen und war vor Ermüdung eingenickt. Da erschien ihm Rübezahl im Traume und führte ihn zu seiner großen Braupfanne im Gestein, wo Gold- und Silberstücke ihm entgegenfunkelten. Eben wollte er auf des Berggeists Geheiß zugreifen, da war der Traum zu Ende — und das Glück verflogen.

„Rübezahl, Schabernacker,“ rief er ärgerlich aus, „kannst du mir nicht einmal helfen, damit ich Ruhe habe und meine letzten Lebenstage nicht in Unruhe und den Beschwerden meiner Botenwege verbringen muß!“ Damit ergriff er seinen langen Botenstock und verließ mürrisch die Baude.

Keine zwanzig Schritte war er gegangen, als ihm sein Stock entglitt, gerade als er über einen kleinen Bach sich schwingen wollte. Da lag er, so lang er war, und es war ein Glück, daß er nicht in den Bach gefallen war. Sein Fall machte ihn noch verdrießlicher und unmutiger. Da flog ein Raubvogel vor ihm auf und als er ihm nachsah, stieß sein Fuß an einen Stein, sein Stab geriet ihm zwischen die Füße — und pardauz! da machte er wieder mit dem Erdboden Bekanntschaft. Schließlich geriet er am Bergesabhang durch Abgleiten so ins Straucheln, daß er mit dem Kinn auf einen Stein aufschlug und ihm Wange und Lippen bluteten. Da nahm er wütend seinen Stab, der ein Stück abwärts gerollt war, und versuchte ihn am Felsen zu zerschmettern.