„Ach, Herr,“ flehte der arme Junge, „erbarmt Euch diesmal meines armen Vaters, er liegt an der Ruhr krank danieder. Nehmt mir die Leinwand, ich muß wieder heim.“

„Was, ansteckende Krankheiten bringt mir die Brut noch ins Haus, hinaus, auf der Stelle!“ schrie aufs höchste erregt der gefühllose Mann und befahl dem Diener, den Jungen hinauszuführen. Dann warf er sich in seinen Reisewagen und fuhr fort. Der Diener empfand Mitleid mit dem abgehärmten, erschöpften Kinde und reichte ihm ein Stück Brot und ein wenig Wein. Dann gab er ihm zwei Groschen, damit er auch für den Vater etwas Brot kaufen könne.

Der Wein hatte den Knaben gestärkt und so unternahm er es, die schwere Last wieder auf den Rücken zu laden und den mühseligen Rückweg wieder anzutreten. Am Abend nahm die Kälte zu, kleine scharfe Eisnadeln trug der Wind über den Schnee; sie stachen dem kleinen Gottlieb in die Augen, daß er kaum zu sehen vermochte. Da wurden seine Füße matter, seine Kraft erlahmte, und stöhnend warf er sich auf einen beschneiten Baumstamm.

„Hier werde ich sterben müssen,“ murmelten seine Lippen. Da kam ihm plötzlich der Gedanke an die vielen wunderbaren Geschichten, die man sich von Rübezahls Freundlichkeit gegen die Kinder erzählte.

Mag er mich umbringen oder mir helfen, ich wage es: „Rübezahl, Rübezahl! Hilf du mir, die Menschen haben mich verlassen.“ So rief er laut mit Aufbietung aller Kräfte hinein in die beschneiten Bäume, Berge und Täler und schaurig gab das Echo seinen Ruf zurück.

Im nächsten Augenblick erhob sich ein starker Schneesturm, dem der Knabe nicht standhalten konnte, er ward zurückgeworfen und vom Schnee überschüttet. Da ward er von einer behaglichen Wärme durchströmt und süße Träume gingen durch seine Gedanken. Es war Christabend. In der Dorfkirche hielt man Christvesper. Die Kirche war hell erleuchtet, aus den Augen der Kinder strahlte lichte Weihnachtsfreude. Der Pfarrer verkündigte der atemlos lauschenden Menge die alte liebliche Geschichte von der Geburt des Christkindleins auf Bethlehems Flur. Die Gemeinde sang: „Dies ist die Nacht, da mir erschienen des großen Gottes Freundlichkeit“ und nun war Gottlieb an der Reihe, mit seinem hellen Stimmchen allein vor der Gemeinde zu singen. So nahm er das lange Wachslicht in die Hand, trat vor das Lesepult auf der Orgelbrüstung und begann erst leise, dann kräftiger und mutiger:

O du fröhliche, o du selige,

Gnadenbringende Weihnachtszeit.

Welt ging verloren,

Christ ist geboren,