„Juchhei,“ jubelte Hans, „nun bin ich ein reicher Mann, jetzt habe ich Geld zum Hauskauf, Hund und Katze und einen Vogel, der mir seine Lieder singt, und nun gar noch Pferde und Wagen und Getreide, das ich nicht einmal ausgesäet habe. Was wird die Mutter dazu sagen, wenn ich heimkomme!“
Er hatte gerade ausgeredet, da kam von einer andern Straße her ein Wagen, hochbepackt mit Hausgeräten aller Art, und folgte dem Zuge, der immer länger wurde. Da kamen Knechte und Mägde, den neuen Herrn grüßend, ein Hirt trieb eine stattliche Herde Rinder, ein Schäfer einen großen Stamm fetter Schafe einher. Außerdem folgten ihm alle Hühner, Enten, Gänse und Tauben, welche sich auf seinem Wege befanden, einige Pfauhühner marschierten vor ihm und ein Pfauhahn schlug ihm zu Ehren sein schillerndes, stolzes Rad.
Das war ein Blöken, Wiehern, Brüllen, Schnattern, Krähen, Singen, Zanken und Raufen, daß man sein eigenes Wort nicht verstehen konnte.
Jetzt wurde Hirschberg sichtbar, Hans ließ seinen Besitz an sich vorüberziehen; als blutarmer Bursche war er ausgezogen und als Großbauer und reicher Mann kehrte er in seine Heimat zurück. Wie das aber so oft im Menschenleben vorkommt, so erging es auch Hans: die Mahnung: „Wünsche nicht zuviel“ war in seinen Ohren verklungen. Das gesättigte Herz begehrte den Überfluß. Nun wollte er erst vor den Toren Hirschbergs umkehren, um alles zu gewinnen, was ihm bis dahin begegnen würde.
Unterwegs fand er noch einen funkelnden, goldenen Ring. Er steckte ihn an den Finger und blieb ein Weilchen vor dem Stadttore stehen, um zu sehen, ob nicht noch etwas käme. Da kam ein Mädchen auf ihn zu, häßlich wie die Nacht, alt, zahnlos, verwachsen, mit geröteten Augen und rief hell auflachend:
„Juchhei, jetzt kommt mein langersehnter Bräutigam. Und den Trauring hast du auch schon am Finger. Beeile dich nur, der Herr Pfarrer erwartet uns schon zur Trauung in der Kirche.“ Hans sträubte sich und dachte bei sich: „Wie kannst du ein Weib deiner Mutter zuführen, welches älter ist als diese?“ — Sie aber hielt seine Hand in der ihren, an der ein ganz ähnlicher Ring saß.
„Lieber Hans,“ sprach sie, „es ist gar nicht hübsch von dir, daß du so lange zögerst. Bin ich auch nicht hübsch, so bin ich doch eine tüchtige Wirtin. Du bist in den Besitz eines großen Hausrates gekommen und verstehst von der Bauernwirtschaft gar wenig. Deine kranke Mutter will ich hegen und pflegen und schaffen, daß unser Hausstand sich mehre.“
Hans stand eine Weile stumm da. Durch seinen Kopf ging die warnende Mahnung Rübezahls: „Wünsche nicht zuviel!“ Er hatte sie überhört und nun gab es kein Zurück mehr.
Er kratzte sich hinter dem Ohr, machte gute Miene zum bösen Spiel, gab seiner Zukünftigen die Hand und sprach:
„Wenn’s denn durchaus sein muß, so wollen wir den Pfarrer nicht länger warten lassen.“