Ich möchte gerade die Kickxia zum Anbau in Westafrika besonders empfehlen, da sie im Lande heimisch ist und deshalb sicher mehr Aussicht auf Erfolg zu bieten scheint, als die verschiedenen Kautschukbäume anderer Erdteile.
Bei Gelegenheit der Schilderung meiner Togo-Reise habe ich bereits des Manihot Glaziovii Erwähnung gethan und Vorschläge für seine Anpflanzung gemacht. Die Pflanze ist meiner Ansicht nach mit Unrecht in letzterer Zeit häufig als wertlos bezeichnet worden. Wenn sie nur richtig angepflanzt und ausgebeutet wird, dann wäre eine größere mit Manihot Glaziovii bedeckte Fläche eine durchaus nicht zu verachtende Besitzung, welche sicher mehr einbringen dürfte, als viele der afrikanischen Kaffeeplantagen, deren Unterhaltung ganz bedeutende Kosten verursacht. Ich möchte hier noch einmal betonen, daß ich nur dann für die Anpflanzung des Manihot Glaziovii eintrete, wenn diese sowohl wie das Abernten der Bestände in der von mir vorgeschlagenen Weise betrieben wird. Sobald die Anlage größere Kosten verursacht, kann Manihot Glaziovii nicht als Kulturpflanze in Betracht kommen, denn bei den geringen Mengen Kautschuk, welche der Baum liefert, würde sich ein regelrechter Plantagenbetrieb nie lohnen. Für die sehr regenreichen Gebiete am Kamerun-Gebirge würde ich den Baum, welcher in seiner Heimat eine Steppenpflanze ist, nicht empfehlen. In den Gegenden, wo, wie z. B. in den Steppen Togos, die Eingeborenen alljährlich das Gras niederbrennen, müßten die Brände natürlich in der Nähe solcher Manihotbestände verboten und im Falle der Übertretung die den Brand verursachenden Eingeborenen bestraft werden. Überhaupt wäre es sehr wünschenswert, daß diese vollständig nutzlosen Grasbrände, die besonders in Togo, wo schon an und für sich die Bewaldung des Gebietes eine sehr spärliche ist, in den Baumbeständen riesige Verheerungen anrichten, verboten oder doch bedeutend erschwert würden. Es wäre doch ein großer Triumph europäischer Kultur, wenn es uns gelänge, die sonst vollständig wertlosen immensen Steppengebiete durch Bepflanzung mit nützlichen Gewächsen wertvoll machen zu können. Manihot Glaziovii ist eine Pflanze, die bei dieser Frage große Beachtung verdient. Auch in anderer Hinsicht wäre ein Bepflanzen der Steppen mit diesem Kautschukbaume von Wichtigkeit. Da bekanntlich der Baum ziemlich große Laubblätter besitzt, die, wenn sie herabfallen, allmählich den Boden mit einer Humusschicht überdecken würden, so würde mit der Zeit der Steppencharakter der mit diesem bepflanzten Gebiete vollständig verloren gehen und schon dadurch der Wert der Gebiete bedeutend erhöht werden.
Auch der Ficus elastica habe ich bereits Erwähnung gethan. Entgegen der Manihot Glaziovii haben wir in ihr eine Pflanze vor uns, welche zu ihrem Gedeihen einer feuchteren Atmosphäre bedarf. Dennoch ist es merkwürdig, daß die bisher in Kamerun vorhandenen Exemplare einen recht minderwertigen Kautschuk liefern, obgleich auch dort der Baum vorzüglich gedeiht. Sollte dieses etwa in der chemischen Zusammensetzung des Bodens liegen? Oder sollten die im Victoria-Garten vorhandenen Exemplare von einer bereits degenerierten Pflanze abstammen? Es wird nötig sein, um dieser Frage auf den Grund zu gehen, mit möglichst guten Spielarten neue Versuche zu machen. Schlagen auch diese nicht ein, dann dürfte wohl erwiesen sein, daß die Pflanze in Kamerun nur einen minderwertigen Kautschuk hervorzubringen im stande ist. Wie einige aus Kairo entstammende, von Herrn Prof. Schweinfurth angefertigte Proben beweisen, liefern die dort angezapften Bäume ein wirklich vorzügliches Produkt, das wohl mit den besten Penang-Qualitäten konkurrieren könnte. Sollten sich Spielarten dieser Ficus finden lassen, welche auch in Kamerun ein wirklich gutes Produkt erzeugen. so sollte mit ihrer Anpflanzung nicht gezögert werden.
Zur Zeit meiner Anwesenheit in Westafrika waren von Castilhoa elastica in Kamerun nur einige wenige, sehr junge Exemplare vorhanden, aus deren Alter natürlich gar nicht zu schließen war, ob sie sich gut bewähren würden oder nicht. Nach den letzthin von Kamerun eingetroffenen Nachrichten sollen sich die Exemplare sehr gut entwickeln. Inwieweit sich ein Kautschukertrag späterhin rentieren wird, muß natürlich der Zukunft überlassen werden zu entscheiden.
Im botanischen Garten zu Victoria standen die einzigen Bäume von Hevea, welche bereits anzapfbar waren. Der Boden, in dem diese Exemplare wuchsen, war ziemlich trocken, und diesem Umstande ist es wohl zuzuschreiben, daß die Stämme auffallend wenig Kautschuk gaben. Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß die Pflanze in feuchterer Lage oder in höherem Alter, wie es sich in Ceylon zeigte, einen bedeutend besseren Ertrag bringen und sich dann bezahlt machen würde. Außerdem ist es noch nicht erwiesen, daß die in Victoria stehenden Bäume wirklich einer besseren Hevea-Art angehören, die auch in der Heimat größere Erträge liefert. Also auch über sie läßt sich, soweit Kamerun in Betracht kommt, noch nicht viel sagen.
Anhang I.
Denkschrift des Herrn Prof. O. Warburg zur Begründung der Kautschuk-Expedition.[2]
Eine wie große Bedeutung der Kautschukhandel namentlich infolge der Entwickelung der Elektrotechnik und des Radsports erreicht hat, ist bekannt genug. Es braucht nur darauf hingewiesen zu werden, daß, während 1830 erst 230 Tons nach Europa eingeführt wurden und 1840 (im Jahre der Entdeckung der Vulkanisation des Kautschuks) 400 Tons (von Para kommend) den gesamten Weltbedarf deckten, der Konsum im Jahre 1896 schon auf 31541 Tons gestiegen ist, welche Summe einen Wert von 200 Millionen Mark repräsentiert.
Nacheinander wurden sämtliche tropische Gegenden für die Gewinnung von Kautschuk in Anspruch genommen, in den meisten Gegenden freilich in derart ruchloser Weise, daß nach wenigen Jahren steigender Ausbeute die natürlichen Bestände so gut wie vernichtet waren. Centralamerika, die Heimat des schönen Castilloa-Kautschuks, liefert nur noch ganz geringe Mengen, so daß man sich daselbst jetzt mit Energie auf die Kultur dieser Bäume zu werfen beginnt. Der gesamte Export Süd- und Mittelamerikas, abgesehen von Brasilien, betrug 1896 mir 1773 Tons, d. h. nur 5.6 pCt. der Totalproduktion. Der nie sehr bedeutend gewesene Kautschukexport Südasiens befindet sich seit Jahren in Abnahme und betrug 1896 etwa 1393 Tons, d. h. 4.4 pCt. der Weltproduktion. Für Brasilien liegen die Verhältnisse insofern günstig, als im Amazonas-Gebiet den feinen Para-Kautschuk große Bäume (Hevea) liefern, die recht widerstandsfähig sind; außerdem hat sich daselbst eine immer mehr vervollkommnete Methode des Anzapfens ausgebildet, so daß die Produktion dieses gewaltigen, zwei Drittel Europas gleichkommenden Gebietes stets wächst und von 10018 Tons 1882/83 auf 22290 Tons (etwa 140 Millionen Mark) im Jahre 1896 gestiegen ist. Die im Amazonas-Gebiet lebenden Sachverständigen sind allgemein der Ansicht, daß von einer Erschöpfung des Vorrates noch für lange hinaus keine Rede sein kann.
In aufsteigender Richtung bewegt sich augenblicklich auch noch die Kautschukausfuhr Afrikas, die aber 1896 erst 9111 Tons, das sind 28.9 pCt. Gesamtproduktion betrug, wovon nicht weniger als 6933 Tons nach Liverpool gingen, und zwar 1890 Tons von der Nordwestküste (Senegambien, Liberia, Gold-, Elfenbein- und Sklavenküste), 2352 Tons aus Lagos, 975 Tons aus Sierra Leone, 1716 Tons von Madagaskar und Mozambique. Dazu kommen 501 Tons vom Congostaat, meist nach Antwerpen gehend, und 675 Tons der deutschen Schutzgebiete, meist nach Hamburg gehend.