Ob es angebracht ist, beim Kochen etwaige Koagulationsmittel, wie den Saft der Bossassangapflanze, oder Säuren hinzuzufügen, muß später die Praxis lehren. Die von mir nach Zusatz derartiger Koagulationsmittel angefertigten Proben unterschieden sich an Güte in keiner Weise von denjenigen, welche einfach durch Kochen hergestellt worden waren. Bei meinen Versuchen fand ich dagegen, daß es besser sei, möglichst viel Wasser der Milch beizusetzen, bevor sie gekocht wird. Der Kautschukgehalt bleibt ja dessenungeachtet in der Masse derselbe, und die koagulierenden Kautschukflocken sind weniger der Gefahr ausgesetzt, anzubrennen.
Eine zweite Methode der Bereitung des Kickxia-Kautschuks, welche sich vielleicht bewähren dürfte, ist die folgende: Auf möglichst große Schalen, welche von unten gleichmäßig warm gehalten werden könnten, gieße man die Kautschukmilch aus und lasse die darin enthaltenen Wassermengen allmählich verdunsten. Natürlich dürfen diese Schalen nie derartig erhitzt werden, daß sie die Milch zum Kochen bringen würden, da sonst sofort der sich bildende Kautschuk verbrennen würde. Auch in dieser Weise würde man dünne Kautschukfelle erhalten, welche dann schnell durchgetrocknet werden könnten.
Dieser letzteren ist eine Methode verwandt, für welche sich insofern einiges sagen läßt, da nur wenig Arbeitskräfte dazu nötig sind, doch ist sie ebenso wie die eben beschriebene langwieriger als die des Einkochens der Milch. Ein größeres Gefäß mit trichterförmigem Boden, welcher durch einen Abflußhahn geöffnet werden kann, fülle man mit der frischen Kickxiamilch und lasse es dann einige Tage ruhig stehen. Nach etwa acht Tagen werden sich dann die in der Milch enthaltenen Kautschukkügelchen nach der Oberfläche der Flüssigkeit zusammendrängen, und allmählich kann man das am Grunde des Gefäßes fast reine Wasser durch das verschließbare Abzugrohr herausfließen lassen, so daß man nach etwa zwei Wochen nur die mehr oder minder zusammenhängende Kautschukmasse zurückbehält, welche dann durch Pressen von dem größeren Teile der sich darin noch befindenden Wassermengen befreit werden kann. Die sich zuerst an der Oberfläche bildende Kautschukhaut scheint einen großen Teil der Kautschukharze zu enthalten und könnte deshalb, vielleicht gesondert, als andere Qualität in den Handel gebracht werden. Leider ist es ohne Laboratorium nicht möglich, in Westafrika die Berechtigung dieser meiner Vermutung zu prüfen und festzustellen, wie weit die Kautschukmasse von Harzen befreit ist, nachdem die sich zuerst bildende obere Schicht entfernt worden ist. Auch mit Wasser kann man die Milch verdünnen, doch scheint dadurch das Abscheiden der Kautschukkügelchen nicht eher vor sich zu gehen.
Während meines Aufenthaltes auf der Ngoko-Station in Südost-Kamerun machte ich auch Versuche, Kickxia-Kautschuk nach der Para-Räuchermethode herzustellen. Ich ließ mir zu diesem Zwecke aus hartem Holze eine ruderförmige Spatel anfertigen, ähnlich wie sie in Para gebräuchlich ist. Leider standen mir damals keine Palmennüsse zur Verfügung, so daß ich gezwungen war, über einem einfachen Holzfeuer die Räucherversuche zu machen. Dieselben fielen durchaus nicht zu meiner Zufriedenheit aus. Die Milch der Kickxia koaguliert offenbar zu langsam, um sich für diese Methode zu eignen. Ich war trotz eifriger Arbeit nach mehreren Stunden erst im stande, eine kaum 4 mm dicke Kautschukschicht um die Spatel herumzulegen. Die Eingeborenen, welche ich dann mit dieser Arbeit betraute, hatten schon gar keine Lust dazu, da eine solche mühsame Methode ihnen von Natur aus zuwider ist. Selbst wenn man die Leute zu dieser Arbeit fände, dürfte sich doch das Resultat in kein Verhältnis zu dem Kostenaufwand an Arbeitermaterial stellen. Es ist wissenschaftlich interessant, daß sich der Kickxia-Kautschuk in dieser Weise anfertigen läßt und auch von brauchbarer Qualität ist, doch befürchte ich, daß wir uns mit diesem Resultat zufriedenstellen müssen. Nach meinen Erfahrungen ist also diese Methode für Westafrika nicht angebracht. Ob eventuell über einem Feuer von Palmennüssen ein besseres Resultat herbeigeführt werden kann, muß ich noch dahingestellt sein lassen, doch glaube ich, daß ein solches auch nicht besonders zu einer schnelleren Koagulation führen wird, da die Kickxiamilch, abweichend von den Milchsäften der meisten anderen Kautschukarten, gegen Einfluß von den gewöhnlichen Koagulationsmitteln vollständig unverändert bleibt, solange nicht ein gewisser Wärmegrad hinzutritt.
Um auch die Biffensche Centrifugiermethode anwenden zu können, hatte ich auf der Expedition eine kleine Rahm-Centrifuge mitgeführt. Mit dieser Centrifuge stellte ich auf der Ngoko-Station auch Versuche an. Ich fand, daß sich die Kickxiamilch leicht centrifugieren läßt, aber nur bis zu einem gewissen Grade. Man hatte die sich oben an den Tuben sammelnde flockige Masse stets wieder zu entfernen, um eine einigermaßen gute Scheidung der Kautschukkügelchen zu erzielen, und dennoch enthielt schließlich der Rückstand noch so viel Kautschuk, daß ich gezwungen war, die letzten Reste durch Kochen auszuziehen. Man hatte also trotz langwieriger Arbeit nachher noch die zuerst geschilderte Methode zu wiederholen, um das zu erreichen, was man durch Abkochen in wenigen Minuten erreicht hätte. Es scheint also, als ob das Centrifugieren praktisch von geringem Werte und nur als wissenschaftliches Experiment interessant ist, da durchaus nicht alle Milchsäfte durch Centrifugieren in dieser Weise sich behandeln lassen. Ich muß hier allerdings erwähnen, daß meine Centrifuge zu klein war, um Experimente in größerem Maßstabe zuzulassen, doch ist kaum zu erwarten, daß hier, wo sich die Koagulation in dieser Weise nicht einmal im kleinen lohnt, eine solche in größerem Maßstabe betrieben, zu anderen Resultaten führen würde.
Aus dem oben Gesagten scheint also hervorzugehen, daß die Methode des Einkochens der Kickxiamilch zur Koagulation derselben die empfehlenswerteste ist. Ich würde ihr jedenfalls vor jeder anderen den Vorzug geben. Inwieweit die Methode des Eintrocknens sich bewähren wird, müssen weitere Versuche feststellen.
Ich habe bereits wiederholt Vorschläge über Anlagen von Kickxiaplantagen und deren Instandhaltung gemacht und bin stets dafür eingetreten, daß man möglichst bald dieser Frage nähertreten solle. Es ist mir ja gelungen, im Victoria-Gebiete in Kamerun einige Plantagenleiter für eine solche Unternehmung günstig zu stimmen und sie zur Inangriffnahme des Planes zu bewegen. Doch bis jetzt sind solche Pflanzungen nur am Kamerun-Gebirge entstanden, obgleich die Regionen südlich des Kamerun-Flusses für derartige Unternehmungen auch durchaus günstig, wenn nicht sogar infolge ihres weniger schweren Bodens noch günstiger sind. Jedenfalls müßte das Projekt eine viel weitere Verbreitung finden.
Da bis jetzt das Beschaffen großer Quantitäten von Samen noch immer mit einigen Schwierigkeiten verknüpft ist, so hatte ich bisher vorgeschlagen, dieselben erst in Saatbeeten auszusäen, damit möglichst wenig verloren gehen können; doch wenn wir erst Verbindungen besitzen, durch welche die Samen in größeren Quantitäten leicht zu erhalten sind, so wäre es vielleicht ratsam, an Ort und Stelle einige derselben auszusäen, um dann die kräftigste Pflanze der aufgegangenen stehen zu lassen, die anderen könnten dann ja zum Ausfüllen etwaiger Lücken verwendet werden. Sind die Pflanzen in Saatbeeten ausgesät, so müssen sie, anfangs beschattet, in denselben verbleiben, bis sie vier bis sechs Blättchen entwickelt haben. Dann könnten sie im Walde ausgepflanzt werden. Um den Pflänzchen in ihrer Jugend genügend Luft und Licht angedeihen zu lassen, muß der Wald zu diesem Zwecke etwas gelichtet, d. h. das Unterholz und die jüngeren Stämme, soweit sie mit wenigen Axtschlägen zu fällen sind, entfernt werden. Eine solche Lichtung des Waldes zum Zwecke von Kickxiaplantagen würde also nicht mit sehr großen Kosten verknüpft sein. Zusammen mit Herrn Stammler, dem Leiter der Moliwe-Pflanzung, berechnete ich die dadurch entstehenden Unkosten. Er hatte gefunden, daß er mit fünfzig guten Arbeitern in der oben vorgeschlagenen Weise ein Hektar zur Aufnahme der jungen Pflänzchen in einem Tage herrichten konnte. Da er zu diesem Zwecke die teuren Togo-Arbeiter verwendet hatte, welche alles in allem 1,35 Mk. pro Tag kosteten, so würden sich die Ausgaben für die Arbeiter selbst auf 67 Mk. 50 Pf. belaufen. Da zur Aufsicht dieser Arbeiter ein Europäer nötig ist, der einschließlich seiner Beköstigung ungefähr 12 Mk. pro Tag kosten würde, so ergäbe sich als Endresultat eines Kostenanschlages für die Lichtung eines Hektars die Summe von 79 Mk. 50 Pf., also rund 80 Mk. In Abständen von etwa fünf Metern könnten die Pflänzchen in den so gelichteten Wald eingepflanzt werden, da die Kickxia ein Baum ist, der nur eine kleine aufrechte Krone besitzt. Es wäre vielleicht sehr angebracht, wenn man die einzelnen Samen in tütenförmig aufgerollte, mit Erde gefüllte Kakaoblätter oder in kleine Körbchen aus Ölpalmen-Blattfiedern, in deren Anfertigung die Eingeborenen eine große Geschicklichkeit besitzen, aussäen würde, in denen sie dann an Ort und Stelle übertragen werden könnten, sobald sie das nötige Alter erreicht haben. Da das Kakaoblatt oder das Körbchen aus Palmen-Blattfiedern im Boden bald verfaulen würde, würden die Wurzeln keinen Widerstand an der ehemaligen Wandung finden und somit gar keine Wachstumsstörung eintreten. Bei Kakao habe ich diese Methode mit großem Erfolge zur Anwendung bringen sehen. Herr Stammler teilte mir mit, daß zum Bepflanzen eines Hektares des so gelichteten Waldes auch wieder fünfzig Leute unter Aufsicht eines Europäers einen Tag thätig sein würden. Die Bepflanzungskosten würden sich mithin also auch auf 79 Mk. 50 Pf., also rund 80 Mk. belaufen. Ein eben mit Kickxia elastica bepflanzter Hektar würde somit also eine Auslage von 159 bezw. 160 Mk. erfordern. Da bei einem Abstande von fünf Metern auf einem Hektar Landes 400 Pflänzchen stehen würden, so würde eine Pflanze 40 Pf. kosten. Wenn man bedenkt, welche riesigen Unkosten das Urbarmachen des Landes bei Anlage einer Kakaoplantage erfordert, da nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der stärkeren Urwaldbäume stehen bleiben kann, so ist es leicht erklärlich, daß eine Kakaopflanze, an Ort und Stelle ausgepflanzt, bedeutend mehr kosten muß. Bis die so ausgepflanzten Kickxien eine genügende Stärke erreicht haben, um sich selbst überlassen zu werden, d. h. bis zu Beginn ihres dritten Lebensjahres, müßte die Pflanzung in der Nähe der jungen Bäumchen genügend rein gehalten werden, damit dieselben nicht von den aufsprießenden Unkräutern überwuchert und erstickt werden. In einem nur mäßig gelichteten Urwalde wird der Kampf gegen etwa aufsprießende Unkräuter ein nicht so schwieriger sein als in einem offenen, sonnigen Terrain, daher dürfte eine Reinigung der Plantage nur drei- oder viermal im Jahre nötig sein. Also auch hier wären die Unkosten nur geringe, denn zur Reinigung des Hektars würden nach Herrn Stammler etwa zehn Leute einen Tag lang beschäftigt werden müssen.
Vorausgesetzt nun, daß der Baum erst nach sechs Jahren angezapft werden kann, so stände der Bruttoertrag desselben, wenn er nur ein Kilo Kautschuk lieferte, in einem so hohen Verhältnisse zu den geringen Ausgaben, daß man die Kickxiakultur nur als eine ungeheuer lohnende bezeichnen könnte.
Wenn wir dann erst einmal so weit gekommen sind, daß wir in den Plantagen Kautschuk gewinnen können, dann werden sich auch noch viele Verbesserungen in der rationellen Anzapfungsmethode der Bäume und in der Bereitung eines guten Kautschuks finden, denn dann können an Ort und Stelle wichtige Versuche gemacht werden, für welche der Reisende nicht genügend Zeit hat.