Für Britisch-Centralafrika, welches 1893 539 englische Pfund (33 Pf. Sterl.), 1894 noch 144 englische Pf. (6 Pf. Sterl.) exportierte, wird Kautschuk jetzt gar nicht mehr erwähnt, vom Niger Coast Protectorate kommt nur gelegentlich etwas Kautschuk. Portugiesisch-Guinea exportierte 1895 nur für 90287 Milrs. (1 Milrs. etwa 3 Mk.). Selbst in Lagos, welches infolge der Entdeckung des Silkrubber (des angeblichen Kickxia-Kautschuk) zu so plötzlicher Bedeutung gelangte, daß 1895, d. h. ein Jahr nach der Entdeckung, 5069504 englische Pfund im Werte von 269892 Pf. Sterl. exportiert wurden, ist seitdem infolge der maßlosen und ungeregelten Ausbeutung der dortigen Kautschukbäume die Gummigewinnung wieder auf einen kleinen Betrag zusammengeschmolzen. (Kolonialblatt 1897 S. 637.)
Ceara-Kautschukbaum in Gr. Batanga.
Die einzige große Zunahme zeigt der Congostaat, wie aus folgender Tabelle hervorgeht (Kolonialblatt 1895 S. 20):
| 1886 | 18069 | kg | im | Werte | von | Frcs. | |
| 1887 | 30050 | „ | „ | „ | „ | 116768 | „ |
| 1888 | 74294 | „ | „ | „ | „ | 260029 | „ |
| 1889 | 131113 | „ | „ | „ | „ | 458895 | „ |
| 1890 | 123666 | „ | „ | „ | „ | 556497 | „ |
| 1891 | 81680 | „ | „ | „ | „ | 326720 | „ |
| 1892 | 156339 | „ | „ | „ | „ | 625356 | „ |
Dann stieg der Export rapide, betrug 1895 schon über 500000 kg (im Werte von 2882585 Frcs.) und 1896 bereits 1195000 kg. Für 1897 wird der Export auf 1500000 kg (1500 Tonnen) geschätzt. Man erwartet sogar für die Zukunft einen Export von 4000 Tonnen pro Jahr aus dem Congostaat.[6]
Die Ursachen der auffälligen Erscheinung der Abnahme des Kautschuks in den meisten Teilen Afrikas gegenüber der Zunahme in Brasilien sind in der unvernünftigen Ausbeutung durch die Eingeborenen Afrikas zu suchen; wobei freilich zuzugeben ist, daß es viel schwieriger ist, Lianen (wie in Afrika) rationell anzuzapfen, als die großen, den Para-Kautschuk liefernden Bäume. Aber auch wo es sich um Bäume handelt, wie beim Silkrubber in Lagos, hat man in Afrika (ebenso wie in Centralamerika auch die Castilloa) die Bäume in kurzer Zeit vernichtet. Der Congostaat ist bisher von der Abnahme des Exportes an Kautschuk verschont geblieben, einerseits, weil die Ausbeutung dort noch zu jung ist und jetzt erst anfängt, weiter ins Land hinein vorzudringen; dann aber auch, weil die Regierung bemüht ist, durch Belehrung und Strafen eine rationelle Ausbeutung zu erzwingen. Namentlich ist hierdurch teilweise eine Güte des Produktes erzielt wie fast nirgends in Afrika, am allerwenigsten in unseren Schutzgebieten, so daß manche Kautschuksorten des Congo-Gebietes neuerdings dem guten Para-Kautschuk an Wert kaum nachstehen sollen.
Von welcher Bedeutung diese enorme Zunahme der Kautschukausfuhr des Congostaates für das belgische Mutterland ist, sieht man an dem zunehmenden Kautschukhandel Antwerpens, welcher Platz jetzt auch sogar schon beginnt, Kautschuk anderer Provinzen (z. B. der Goldküste und Angolas) an sich zu ziehen. Der Kautschukimport Antwerpens betrug
| 1889 | 5 | Tonnen |
| 1890 | 30 | „ |
| 1891 | 21 | „ |
| 1892 | 63 | „ |
| 1893 | 167 | „ |
| 1894 | 275 | „ |
| 1895 | 531 | „ |
| 1896 | 1116 | „ |
Nach Hamburg wurden an Kautschuk eingeführt: