» Mein willigen Dienst sampt alles lybs und gutes tzuvor.

» Ehebarer strenger lyber Junker!

» Als der Kurfürst vestiglich beschlossen hat vf morgen Sundages nach der frumeß gein Lyptgk tzu wegfarten mitt den meresten Hofelüten, och Muntag vfe Abendt der Cantzler yn engelebete in synen Huse vsrichdten wirdet, samer mögen deheby mannichveltige Höfelinge wesen, vndt vffs Schloß pflege daczumalen allye der oldte Eßmus Drabandten Dynst, wellicher ast yngeschleffert wagk werden, der Pforthyner ist lagerigkrank, kan ich Uch nicht pregin, gelubener truwe Uch selbir gegewertiglich tzu dynen vndt Uwer Anstaltungk gewartin. Datum Aldenburg, am Samstag nach Vnser Frawentage. A. lv.

Hans Schwalbe. «

» Dem Ehrbaren strengen Jungker Cunradt von Kawfungen vf Kalenberg. Meinen gynstiglichen lyben Jungker tzutzustellen tzu ainegen Handen. « –[14]

Dieser Brief war 9 Tage nach dem Termine, den Kunz mit dem Kurfürsten in Altenburg gehabt hatte, geschrieben.

Eine bessere Gelegenheit zur Ausführung seiner Plane konnte wohl nicht kommen und Kunz hatte nichts eiligeres zu thun, als solches seinen Verschworenen zu benachrichtigen. Die Strickleitern[15], die zu diesem Behufe nöthig waren, wurden nicht weit von Kahlenberg oder Callenberg, (bei Waldenburg, gehörte seinem Bruder Dietrich ) in einer Scheune, die ebenfalls seinem Bruder Dietrich von Kauffungen gehörte, gefertiget. – Kunz selbst hielt sich[16] zu der Zeit im Geheimen auf dem Schlosse Kohren auf und ging von hier aus des Nachts vor Altenburg[17], wo er den Prinzenraub vollführte. Das Schloß Kohren gehörte damals der Familie von Meckau.

Geschichtlich merkwürdig ist noch, daß die Kurfürstin Margaretha die Nacht vorher, ehe ihr Gemahl nach Leipzig reiste, folgenden Traum hatte: Sie sah ein großes Schwein in einem schönen Garten alles umwülen und besonders neben den Reben die schöne junge Raute. Endlich stürzte ein Bär darauf los und jagt das Schwein mit seiner Tatze fort. Die Kurfürstin erzählte diesen Traum, der ihr auf eine entsetzliche Art die ganze Nacht ängstigte, sogleich ihrem Gemahl, der jedoch, weil er Träumen nicht glaubte, seine Reise deswegen nicht aufschob und mit großem Gefolge den 7. Juli (d. 19. Juli) nach Leipzig reiste.

So war denn Niemand zur Aufsicht der Prinzen da, als ihr Hofmeister, Graf von Barby.

Der 8. Juli (20. Juli) war von Kunz von Kauffungen dazu bestimmt den Prinzenraub auszuführen. Die Hauptverschwornen waren mit ihren Knechten folgende:[18] Kunz von Kauffungen, sein Reißiger: Johann Schweinitz, sein Knecht: Albrecht Adolph; Wilhelm von Schönfels, sein Knecht: Geveller; Hans Wilhelm von Mosen, sein Knecht: Hensel Herdin; Hans von Rußwurm; Dietrich von Kauffungen; Nikol vom Forst; Bernhardt von Trebin; Dix von Trebin; Barthol von Trebin, beide letztere: Söhne von Wenzel von Trebin. Der ganze Zug bestand aus 37 Reitern, dessen Pferden die Hufeisen verkehrt aufgeschlagen worden waren, und 10 Fußknechte, welche also den 7. Juli (19. Juli) Montags vor Kiliani 1455 Nachts zwischen 11 und 12 Uhr aus einem dichten Walde bei Altenburg, die Leine genannt, hervorbrachen. Nur Johann Schweinitz, Kunzens Reißiger, wurde vorausgeschickt, um mit Hilfe des Küchenjungen Schwalbe die Strickleitern an einem hohen Fenster, neben der Küche zu befestigen. – Kunz, bekannt im Schlosse, stieg zuerst hinauf, dann folgte Wilhelm von Mosen. Niemand störte dieselben, denn in dem Schlafgemache der Prinzen schlief niemand, als eine alte Kammerfrau und der Sohn des Hofmeisters des Prinzen, Graf von Barby. Kunz entführte den ältern Prinz Ernst und Wilhelm von Mosen sollte Prinz Albrecht entführen, doch in der Eile fand eine Verwechselung statt, indem er den jungen Graf Barby, welcher in denselben Alter war als die Prinzen, entführte. Kunz, der den Irrthum erkannte, übergab Wilhelm von Mosen den Prinz Ernst mit dem Befehl immer fort zu reiten, indem er durch das Schloßthor, welches Schwalbe vorher geöffnet hatte, den jungen Graf Barby wieder zurückbrachte und dafür Prinz Albrecht, welcher aus Angst sich unter das Bette versteckt hatte, nahm. So wie Kunz diesen Prinzen über dem Schloßhofe brachte, öffnete die Kurfürstin das Fenster und rufte: » Lieber Kunz, thue nicht so übel an mir und meinen lieben Herrn, verschone meine Kinder, es sollen alle Deine Sachen noch gut werden. « Allein Kunz achtete die Stimme einer liebenden Mutter nicht, sondern setzte den Prinzen Albrecht auf ein Pferd, das er führte und sprengte, begleitet von seinem Reißiger Johann Schweinitz und seinen Knecht Albrecht Adolph mit verhängten Zügeln davon. Seinen Weg nahm er durch die Leine[19], wo er schon hergekommen war, und gelangte dann durch die Rabensteiner[20] und nachher die damals noch anstoßenden Thalheimischen Waldungen und zwar in letzteren auf einem von Leukersdorf aus bis Elterlein führenden Fußsteig, wodurch weder die Stadt Stollberg, noch die Stadt Zwönitz berührt wird. Dieser Fußsteig und jetzt Holz- und Kalkfuhrweg kommt auf der Höhe des Glasberges bei Elterlein über die Grünhainer Straße[21] nicht weit von Elterlein schon in die Gegend[22] des Grünhainer Klosters.[23] Dieser Weg war für sein Vorhaben der passendste, indem die Gegend um Grünhain namentlich bei Schwarzenberg und Waschleute nichts als Wald war und durch den verheerenden Hussitenkrieg, der 1427 das Kloster zu Grünhain zerstörte,[24] ganz von Einwohnern entblößt sein mußte, indem bis 1455 die Volksmenge zur damaligen Zeit noch nicht so gewachsen sein konnte, wie es vielleicht in den jetzigen Zeiten geschehen dürfte. Auch war Kunz von einem Grünhainer Mönch unterrichtet[25], so daß er schnell aus der Gegend von Waschleute nach Schwarzenberg kommen konnte, welches damals ein böhmisches Städtchen war[26], mithin durfte ihm Niemand mehr etwas anhaben, indem er den König von Böhmen auf seiner Seite hatte; und dann schaffte er die Prinzen auf sein Schloß Isenburg, und wollte sie so lange in Verwahrung behalten, bis er vom Kurfürsten die Versicherung erhalten hätte, die Vitzthumschen Güter rechtmäßig behalten zu können und vielleicht ein ansehnliches Lösegeld für ihn und seine Mitgenossen erhalten hätte. Allein seine Plane waren wohl gut ausgedacht, aber noch nicht vollführt. Denn der anstrengende Marsch, den er ohne auszuruhen zurückgelegt hatte, indem er von Mitternacht bis gegen Mittag geritten war, mußte vorzüglich den 12jährigen Prinzen bedeutend anstrengen und so kam es denn auch, daß der Prinz vor Hunger und Durst in der Gegend von Grünhain[27] Kunzen bat es zu erlauben vom Pferde abzusteigen und auszuruhen.[28] Da nun die Gegend durchaus nicht bewohnt war, so glaubte er ohne seine Sicherheit zu gefährten, es erlauben zu dürfen. –