Auf dem Schlosse zu Altenburg war durch die Entführung der beiden Prinzen alles aufgeboten und dem große Belohnung versprochen worden, welcher zur Entdeckung des Prinzenraubes behilflich sein könnte. Der Kurfürst bekam auch sogleich einen Eilboten zugeschickt und ließ deshalb folgendes Schreiben und Aufforderung in alle Gegenden des Landes durch reitende Boten austheilen:
» Friedrich, Hertzog zu Sachsen, Churfürst! liebe getreuen, uns ist Cuntz und seine Helffers uff hind in unser Schloß Altenburgk gestiegen, und haben unser beyden Söhne, das Gott geklaget sey, weggebracht – ist es versicherlich, Sie werden mit Ihnen aus unsere Landen nicht eylen, sondern sie etliche Tage uff den Wäldern und Höltzern enthalten, und sie zu Fuß fueder schicken. Begehren wir von Euch – daß ihr mit reisiger Gezeug und Fuhren, so stark ihr immer werden möget, uff den Walden, Höltzern und sonst, wo ihr für das Beste erkennet, suchen und suchen lassen, und fleißiges Aufsehen haben, uff dieselben unsre Feinde und unsre Söhne, daß ihnen die wieder abgedrungen, und aus ihren Händen wieder zu uns bracht werden. In dem Euch so beweisen, als wir uns alles guten zu Euch versehen, das wollen wir in allen guten umb Euch erkennen. Geben Altenburg, tertia Kyliani Anno L. quinta. «[29]
In allen Orten wurden die Glocken geläutet, und so wurde es denn bald in allen Gegenden des Landes verbreitet. In der erzgebirgischen Stadt Geier, 3 Stunden von Grünhain zersprang die große Glocke.[30] –
Kunz, der durch das Stürmen wohl wußte, daß es ihm galt, glaubte dennoch sicher zu sein, da er bereits selbst bei Waschleute glücklich vorbei geritten, also dem ersten Ziele ganz nahe, nur etwa ¾ Stunde noch von Schwarzenberg entfernt war, ließ also den jungen Prinz Albrecht absteigen, um Waldbeere pflücken zu dürfen.[31] Auch Kunz stieg ab und suchte dem Prinzen Albrecht Waldbeere, indem er sein Pferd am Zügel hielt. Indessen Kunz immer tiefer in dem Walde Waldbeere suchte, nährten sie sich einem Köhler, Namens Georg Schmidt, der mit seinem Hunde sein Mittagsbrod theilte.
Dieser Köhler hatte früh seinen Lehrburschen, Urban Schmidt, seines Bruders Sohn, nach Geier[32] geschickt, um Lebensmittel zu holen, welcher denn daselbst gehört hatte, daß auf dem Altenburger Schlosse ein großer Raub statt gefunden hätte. Köhler Schmidt, der nun in jenem Walde, wo damals blos eine Köhlerstraße hindurch führte, diesen Ritter erblickte, vermuthete deshalb, daß das der Räuber mit dem Raube wäre, er fragte ihn daher: »Woher und wohin mit diesem Knaben?« Kunz entgegnete: »Ein böser Bube, der seinem Herrn entlaufen ist, den ich ihm wieder zuführen muß.« – Doch in diesem Augenblicke verwickelte Kunz sich mit seinen Sporen im dicken Dorngestrüppe und stürzte nieder. Schnell wollte er wieder aufspringen, allein sein Panzerhemde hinderte ihn dazu. Diese Gelegenheit benutzte der Prinz und raunte dem Köhler ins Ohr: » Ich bin ein Fürst von Sachsen und bin gefangen, mache mich los, mein Vater soll dirs wohl vergelten! «
Dieses hörte Kunzens Reißiger, sein treuer Schweinitz,[33] erhob sein Schwerdt, und wollte den Prinzen, weil dadurch alles verrathen war, tödten. Allein der Köhler Schmidt fing den Hieb durch seinen Schürbaum auf. Seinen Hund nun hetzte er sogleich auf Schweinitzen und er selbst lief zu Kunzen, der immer noch dalag und schlug ihn mit dem Schürbaum, daß er ihn todtgeschlagen hätte, wenn nicht Prinz Albrecht für ihn gebeten hätte. Durch das Hundegebell und übrigen Lärm war des Köhlers Frau, geborne Marie Wälderin, herzugekommen. Als sie aber sah, daß ihr Mann sich mit Räubern herumschlug, gab sie das gewöhnliche Waldzeichen, was bei Gefahren alle Köhler zusammenruft.[34] Dadurch waren in einem kurzen Zeitraume viele Köhler versammelt,[35] so daß sich bald Kunz mit seinem treuen Diener Schweinitz gefangen geben mußte.
Sein Knecht Albrecht Adolph war entflohen, wurde jedoch noch eingeholt.
Kunz, der sich nun für verloren sah, bot dem Köhler Schmidt, eine ansehnliche Belohnung, allein dem Köhler war Kunzens Gold nicht so lieb als seine eigne Person und er mußte sein Gefangner bleiben.
Prinz Albrechten führte er in seine nahe gelegene Köhlerhütte, stärkte ihn durch ein einfaches Mahl und gab ihm aus der Quelle, die jetzt durch das Denkmal eingefaßt ist, zu trinken. –
Kunz von Kauffungen mit seinem Genossen führten sie aber zu ihrer Obrigkeit, in das ¾ Stunden davon entfernte Cistercienser-Kloster Grünhain, zum damaligen Abt Liborius,[36] noch an dem nämlichen Dienstage. Kunz, im Kloster angekommen, wurde in dem Gefängnisse daselbst festgehalten, was jetzt noch steht, und den Namen Fuchsthurm führt. Es befindet sich mitten im Klostergarten, wird aber bald, weil es nicht im baulichen Stande erhalten wird, einer Ruine ähnlich sehen. Hier blieb Kunz nur einige Stunden,[37] indem er vom Abte Liborius unter hinreichender Bedeckung, nach Zwickau zum damaligen Amtshauptmann oder Voigt Veit von Schönburg, abgeliefert wurde.[38] Dieser Veit von Schönburg erstattete wahrscheinlich schon am folgenden Tage, den 9. Juli, Bericht an den Kurfürsten, um sich Verhaltungsbefehle zu erbitten. Der Kurfürst ließ Kunzen nicht nach Altenburg bringen, sondern nach Freiberg, welches wahrscheinlich den 12. Juli geschah, wo er dem dortigen Rathe zu sicherer Verwahrung übergeben wurde. – Prinz Albrecht wurde aber in Begleitung des Köhlers Schmidt, nachdem er beim Abt Liborius in der sogenannten Schösserwohnung[39] im Kloster zu Grünhain übernachtet hatte, mit einer sicheren Bedeckung nach Altenburg gebracht. Der Einzug ähnelte einem Triumphzuge in Altenburg. Eine große Anzahl Bewohner Altenburgs kam dem Zuge entgegen und begegneten dem Hauptanführer des Zugs, den Köhler Georg Schmidt, mit wahrer Achtung, so daß sie sich nicht scheuten zum Zeugen der Dankbarkeit seine schwarzen Hände zu küssen.