Penn erhielt den Befehl über eine dieser Flotten: 18 Kriegsschiffe — 1 zu 60, 4 zu 54, 3 zu 44, 3 zu 40, 2 zu 36, 4 zu 30 Kanonen —, 20 Transporter. Die kleineren Kriegsschiffe und die Transporter waren vorzugsweise mit Soldaten bemannt, deren insgesamt 3000 Mann unter General Venables eingeschifft waren. Die Expedition segelte am Weihnachtstage 1654 nach Westindien, ihr Erfolg war die Eroberung Jamaicas.
Auf Barbados und anderen englischen Besitzungen wurde die Stärke der Landtruppen nahezu verdoppelt und ein Landungskorps von Matrosen unter dem Vizeadmiral der Flotte formiert. Am 31. März 1655 verließ die Expedition Barbados und landete am 13. und 14. April 7000 Mann auf Haiti in der Nähe der Stadt Domingo unter Venables[237] Befehl, Penn mit der Flotte als Rückhalt. Am 25. wurde jedoch das Landungskorps mit einem Verlust von 1700 Mann völlig geschlagen, die gänzliche Vernichtung soll nur das Matrosenkorps verhindert haben. Die Landoffiziere gaben nun weitere Unternehmungen hier auf, weil sie ihren Truppen, Strafgefangenen und unzuverlässigen königlichen Soldaten, nichts zutrauten.
Um nicht ganz ohne Erfolg heimzukehren, wandte sich die Expedition nach Jamaica und eroberte in wenig Tagen, 10.–17. Mai, die schwach kolonisierte und nur von einer Miliz verteidigte Insel. Diese blieb von jetzt an in englischem Besitz, wenn auch Spanien verschiedene Wiedereroberungsversuche machte und die in die Berge geflüchteten spanischen Kolonisten mit ihren Negersklaven lange noch einen Guerillakrieg gegen die Engländer führten.
Die Landtruppen auf der Insel und einige Schiffe auf der westindischen Station, behufs Schädigung der Spanier, zurücklassend, kehrte Penn nach England heim; er wie Venables kamen wegen des Mißerfolges auf Haiti trotz der wichtigen Eroberung Jamaicas auf kurze Zeit in den Tower.
Die zweite Flotte unter Blake segelte am 29. September 1654 nach dem Mittelmeer. Sie bestand aus 25 Segeln: 1 zu 60, 2 zu 54, 3 zu 50, 1 zu 46, 2 zu 40, 4 zu 36, 2 zu 34, 2 zu 32, 1 zu 30, 2 zu 22 Kanonen und 5 kleineren.
Blake hatte den Befehl, vorläufig nichts gegen Spanien zu unternehmen. Der Krieg war ja noch nicht erklärt und man wollte die Abfahrt der spanischen Silberflotte nicht stören, um sie womöglich in die Hände Penns fallen zu lassen — Penns Expedition geschah wieder einmal nach dem alten Grundsatz: „Kein Frieden gilt unter der Linie“, d.h. in außereuropäischen Gewässern —, im Gegenteil, es sollte den Anschein haben, als ob die Flotte Blakes nur zum Nutzen Spaniens wirke, indem sie gegen die Barbaresken vorging. Ihre erste Tat war auch die in ihrer Art berühmte Vernichtung einer tunesischen Flotte unter den Befestigungen von Tunis.
Blake machte zunächst eine Demonstration gegen den Papst und gegen den Herzog von Livorno wegen ihrer Unterstützungen des Prinzen Ruprecht nach der Revolution und der Holländer im ersten Kriege. Später ging er nach Tunis, wo eine Flotte für den Sultan ausgerüstet wurde. Am 4. April 1655 griff er diese, neun noch ungetakelte aber armierte Schiffe, unter den Kanonen der Forts von Porto Farina an, die erste große Tat dieser Art, wie er uns schon als erster Angreifer von Landbefestigungen aus den Operationen gegen die königstreuen Kanalinseln bekannt ist (Seite [198]). Er teilte seine Flotte in zwei Divisionen und schickte die leichten Schiffe gegen die feindlichen Fahrzeuge, die schweren gegen die Forts. Seine schweren Schiffe nahmen trotz des heftigsten Feuers in vollster Ordnung ihre Plätze ein und kämpften vermöge ihrer guten artilleristischen Ausbildung die Forts nieder, dann wurden die feindlichen Schiffe durch die armierten Boote genommen.
Mittlerweile war Penns Auftreten in Spanien bekannt geworden, und nun erhielt Blake den Befehl, die spanischen Küsten zu blockieren, um die Silberflotte abzufangen und das Entsenden von Verstärkungen nach Westindien zu hindern. Der Zustand der Schiffe und seine eigene Gesundheit zwangen ihn jedoch, im Oktober nach England zurückzukehren.
Dem Abschluß des Friedens und des Handelsvertrages mit Frankreich 1655 ließ England bald ein Bündnis mit diesem Staate, der im Kriege mit Spanien war, folgen. Nun wurde auch englischerseits der Krieg erklärt; er sollte die letzte große Tat Blakes, die Vernichtung der Silberflotte vor Teneriffa, 1656, bringen.
Im Frühjahr 1656 führte Blake eine große Flotte an die spanische Küste und hielt dort trotz seiner gebrochenen Gesundheit ein Jahr die Blockade aufrecht. Einige seiner Schiffe brachten zwei Fahrzeuge der spanisch-westindischen Flotte auf, so reich beladen, daß der Transport der Beute an Gold, Silber und Juwelen von Portsmouth nach London 38 Wagen erforderte. Im Frühjahr 1657 erhielt Blake die Nachricht von der Heimkehr einer neuen Silberflotte, er ging ihr entgegen und traf sie in Sta. Cruz auf Teneriffa. Die Spanier waren auf den Angriff vorbereitet, hatten die Schätze gelandet, die Befestigungen verstärkt und die Schiffe zur Rückfahrt nach Westindien klargemacht. Zur eigenen und der Stadt Verteidigung waren 10 Schiffe im Halbkreis längs der Bucht nördlich von der Stadt verankert, die 6 schwersten Galeonen dagegen vor diesen in Linie vermoort, was ein Fehler war, denn sie maskierten das Feuer der anderen 10 Schiffe.