Die Windverhältnisse der Rhede von Sta. Cruz sind einem Angriff unter Segel sehr ungünstig. Entweder weht ein unbeständiger Landwind, der angreifende Schiffe der Gefahr aussetzt, bekalmt[141] zu werden, oder eine gleichmäßige frische Seebrise, die wieder ein Abbrechen des Gefechts schwierig, für beschädigte Schiffe fast unmöglich macht. Um so kühner war Blakes Plan: Mit Seewind und Flut anzugreifen, die Schiffe zu zerstören und dann mit der Ebbe wieder das freie Wasser zu gewinnen. Er gelang. Der Admiral selber beschäftigte die Befestigungen nördlich und südlich von der feindlichen Flotte, sein Vizeadmiral ankerte querab der Galeonen, setzte diese außer Gefecht und enterte sie. Als nun die Forts ihr Feuer auf die Prisen richteten, ließ Blake diese und auch die kleineren Schiffe in Brand setzen. Das Glück begünstigte das Unternehmen. Als die Ebbe einsetzte, kam eine sonst seltene, stetige Landbrise auf und führte die englischen Schiffe sicher von der Rhede; sie hatten zwar nur 40 Tote und 110 Verwundete gehabt, waren aber doch stark beschädigt. Wenn auch keine Beute gemacht werden konnte, so war doch der Verlust der Spanier durch Vernichtung der ganzen Flotte groß.

Blake hatte hier wiederum gezeigt, daß Schiffe mit Erfolg Küstenbefestigungen bekämpfen konnten; schon Schriftsteller seiner Zeit bezeichnen ihn als den ersten Führer, der solches gewagt habe. Er starb, nachdem er noch bis zum Juli die Blockade an den spanischen Küsten geleitet hatte, auf der Rückreise nach England am 7. August 1657 unmittelbar vor dem Einlaufen in Plymouth.

Die Geschichte Englands bietet nun bis 1665 besonderes nicht mehr. Die spanischen Küsten wurden weiter blockiert. Die englische Flotte unterstützte durch Blockade die Wegnahme Dünkirchens durch die Franzosen 1658. Die Stadt fiel nach dem Pyrenäischen Frieden 1659 laut Vertrag an England, doch verkaufte sie Karl II. 1662 an Louis XIV.; ein ungeheurer Fehler, denn sie wurde ein wichtiger Stützpunkt für die Franzosen, besonders später für den Freibeuterkrieg gegen England.

Die Jahre 1658 und 1659 brachten Flottendemonstrationen nach der Ostsee, wo England, Holland und Frankreich bestrebt waren, weder Dänemarks noch Schwedens Macht zu groß werden zu lassen, sich aber auch gegenseitig eifersüchtig beobachteten (schwedisch-polnischer Krieg). Im Anfang der sechziger Jahre endlich wurden weitere Expeditionen gegen die Barbaresken sowie zur Einsetzung der englischen Macht in Tanger, das als Mitgift seiner portugiesischen Gemahlin an Karl II. (wie auch Bombay) gefallen war, übernommen. 1660 führte ein Geschwader unter Montagu den König Karl II. von Holland nach England hinüber; in der Marine waren Montagu, Lawson und Penn die Hauptförderer der königlichen Sache gewesen.

Holland.[142] Nachdem im ersten englisch-holländischen Kriege die Engländer das Mittelmeer geräumt hatten, waren auch die holländischen Seestreitkräfte dort sehr vermindert. Infolgedessen nahm der Seeraub durch die Barbareskenstaaten wieder überhand; kleinere Flotten derselben schlossen fast die Straße von Gibraltar und dehnten ihre Züge bis zur portugiesischen Küste aus. Nach dem Friedensschluß wandte sich auch Holland, wie England, gegen dieses Unwesen und Ruyter führte in den Jahren 1654–1657 mit Erfolg drei Züge dorthin.

1656 erklärte Holland den Krieg an Portugal, nachdem es vergeblich die Rückgabe seiner früheren Besitzungen in Brasilien und Westafrika sowie eine große Geldentschädigung verlangt hatte. Noch in demselben Jahre wurde eine Flotte unter dem Leutnantadmiral Wassenaer zur feindlichen Küste gesandt, die, als Ruyter vom Mittelmeer aus zu ihr gestoßen war, aus 28 Segeln bestand. In drei Geschwader geteilt, blockierte sie die Küsten und brachte viele reiche Kauffahrer, besonders Zuckerschiffe aus Brasilien, auf; 1658 führte Ruyter 22 Schiffe, alle von der Admiralität Amsterdam gestellt, zu gleichem Zweck dorthin. Zum Schlagen kam es nie, da die portugiesische Flotte die Häfen nicht verließ. — Dieser Krieg konnte jedoch überhaupt nicht mit voller Energie fortgeführt werden, da man bald die Seestreitkräfte im Norden nötiger brauchte; weitere Feindseligkeiten spielten sich nur in Indien ab, bis 1661 ein Frieden geschlossen wurde, in dem Holland gegen eine Zahlung von 8 Millionen Gulden und freien Handel in allen portugiesischen Kolonien auf Brasilien und die strittigen Punkte in Westafrika verzichtete.

Im Norden spielte sich seit 1655 der schwedisch-polnisch-brandenburg-dänische Krieg 1655–1660 ab, in den Holland tätig eingriff, weil es die Erfolge Schwedens mit Besorgnis für seinen so wichtigen Ostseehandel ansah. Wie immer ein Freund der schwächeren Macht in der Ostsee — wir sahen es auf seiten Dänemarks gegen die Hansa, dann auf seiten Schwedens gegen Dänemark —, trat Holland jetzt auf seiten Dänemarks.

Der schwedisch-polnische Krieg:[143] Die Kämpfe um die Herrschaft in der Ostsee, das Erstarken Schwedens in ihnen haben wir bis 1648 verfolgt (Seite [110]). 1655 griff Karl X. Gustav von Schweden den König Johann Kasimir von Polen, der Ansprüche auf die Thronfolge in Schweden erhob, von Pommern und Litauen aus[240] an. Da ein Teil der Polen zu ihm überging, hatte er zunächst großen Erfolg; nach kurzer Zeit war fast ganz Polen in seiner Hand, und der Kurfürst von Brandenburg zur Neutralität gezwungen. 1656 wurde auch Westpreußen bis auf die Stadt Danzig, die von einer holländischen Flotte geschützt wurde, erobert. Durch Wiederabfall der Polen gefährdet, gewann der Schwedenkönig sich den Beistand Brandenburgs und erfocht mit ihm den glänzenden Sieg bei Warschau 28./30. Juli 1656.

Nun aber trat ihm eine Liga von Rußland, dem Kaiser und Dänemark entgegen, der sich später auch Brandenburg anschloß. Dänemark glaubte, diese Gelegenheit benutzen zu können, um die Verluste des Friedens von Bromsebrö 1645 wieder gut zu machen.

Karl Gustav warf sich mit aller Kraft auf Dänemark. Seine Flotte wurde zwar zunächst von der dänischen in Schach gehalten, aber mit der Armee eroberte er über Pommern, Mecklenburg, Holstein, schließlich im Januar 1658 über die gefrorenen Belte vordringend, Fünen, Langeland, Laaland, Moen, ging nach Seeland über und belagerte, nun auch von der Flotte unterstützt, Kopenhagen.