Die Flotte setzte sich zusammen aus: 1 Schiff zu 72 Kanonen; 1 zu 59; 1 zu 50 — die drei Flaggschiffe —; 10 zu 40–42; 12 zu 30–38; 8 zu 26–28; 2 zu 22–23 Kanonen. Hierzu traten 6 Transporter zu 16–24 Kanonen mit 2000 Soldaten, 28 Transporter mit Proviant usw. für die Flotte und für Kopenhagen. Die Vorhut — 11 Schiffe, 1 Brander — führte Admiralleutnant de Witt; das Zentrum — 13 Schiffe, 2 Brander — der Flottenchef, die Nachhut — 11 Schiffe, 1 Brander — Vizeadmiral Floriszoon.

Wassenaer erschien am 3. November 1658 vor dem Sunde und mußte hier wegen widriger Winde zu Anker gehen. Kronenburg war bereits gefallen und der Sund hinter der Linie Kronenburg-Helsingborg durch die schwedische Flotte gesperrt. Diese unter dem Admiral Karl Gustav Wrangel war in vier gleichstarke Geschwader geteilt und bestand aus 38 (44?) Kriegsschiffen, die den holländischen mindestens gewachsen waren, wahrscheinlich waren sogar mehr schwerere darunter; ein großer Teil der Schiffsbesatzungen bestand aus englischen und deutschen Seeleuten, viele der Schweden hatten in Holland gedient.

Am 8. November kam frischer Nordwind auf, Wassenaer lichtete mit Tagesanbruch Anker und passierte zwischen den beiden Befestigungen, wider Erwarten ohne von ihrem Feuer zu leiden, da die meisten Kugeln die Mitte des Fahrwassers nicht erreichten — Karl Gustav befand sich auf Kronenburg und soll eigenhändig das erste Geschütz abgefeuert haben. Zwischen 10 und 11 Uhr vormittags stieß die holländische Flotte auf die schwedische. Der Verlauf der Schlacht im Sunde ist aus den sonst ausführlichen Quellen nicht zu ersehen; sie geben wie üblich nur die Erlebnisse einzelner Schiffe, besonders der Flaggschiffe (Gruppentaktik).

Anzunehmen ist, daß beide Flotten in Kiellinie waren, die Schweden „beim Winde“ den Feind erwartend, und daß die Holländer durch Einbrechen in die feindliche Linie sofort die Melee herbeiführten, wie wir es meist bei ihnen sahen. Kurze Andeutungen scheinen dies zu bestätigen: de Witt läuft bei der feindlichen Vorhut vorbei, ohne ihr Feuer zu erwidern, und greift den feindlichen Oberbefehlshaber an. Gleich darauf erscheint Wassenaer an derselben Stelle, und de Witt finden wir im Kampf mit dem feindlichen Vizeadmiral. Diese beiden Gegner treiben mit dem Strom auf Grund, de Witt wird von einer Anzahl Feinde umringt, enfiliert, geentert, ohne Hilfe zu erhalten, und fällt mit dem Degen in der Faust. Wassenaer setzt Wrangel außer Gefecht (Ruderhavarie), der sich unter Kronenburg zurückziehen muß, wird aber selbst hart bedrängt und erhält erst später Entsatz. Besonders hervorgehoben wird, daß überall die holländischen Flaggschiffe am kräftigsten angegriffen werden; auch Floriszoons Schiff ist längere Zeit in großer Gefahr, er selber fällt. Es scheint also, als ob die Schweden ihre Ordnung besser bewahrt, ihre Schiffe besser zusammengehalten haben, vielleicht unterstützt durch Kenntnis des Fahrwassers und der Stromverhältnisse. Schließlich muß aber doch die größere Kriegstüchtigkeit der Holländer den Ausschlag zu ihren Gunsten gegeben haben.

Der Kampf endete mit dem Siege der Holländer. Der Verlust der Schweden war: 3 Schiffe genommen, 8 vernichtet, 1000 Tote, 450 Gefangene; die Holländer verloren nur das Schiff de Witts (die alte berühmte „Brederode“; sie wurde geentert, sank aber später), 400 Tote, 3 Brander. Obgleich die Schweden nach etwa 5–6 Stunden zu Luward standen und die Holländer mit Wind und Strom südlich getrieben waren, brechen jene das Gefecht ab und gehen unter den Schutz von Kronenburg. Sie gaben also den holländischen Kriegsschiffen und den mit Proviant versehenen Transportern den Weg nach Kopenhagen frei und standen zur See von der Belagerung der Stadt ab. Von Kronenburg aus ging die schwedische Flotte, mit dem König an Bord, bald darauf nach Landskrona, allerdings ihrerseits nun auch unbelästigt durch die holländische oder dänische Flotte.

Wassenaer war nach der Schlacht sundaufwärts gegangen, traf bei der Insel Hven einen Teil der dänischen Flotte unter Admiral Bielke, der durch den Nordwind am Erscheinen in der Schlacht verhindert worden war, und ankerte an der Küste Seelands nördlich von Kopenhagen; verschiedene Schiffe mußten zur Ausbesserung nach der Stadt. Am 9. trafen dort auch die Transporter mit den Soldaten und Lebensmitteln ein, wodurch die Verteidigung der Stadt wesentlich unterstützt wurde.

An einem der nächsten Tage ging Bielke mit seinen und einigen holländischen Schiffen nach Hven, um die schwedische Flotte abzufangen oder doch in Landskrona durch Versenken von Fahrzeugen einzuschließen. Zum Abfangen kam man aber zu spät und das Einschließen wurde auch nur unvollkommen erreicht; ein Angriff mit Brandern wurde abgeschlagen.

Wassenaer führte in seinem Berichte an, viele der Kommandanten hätten nur lau gefochten und die Admirale im Stich gelassen, wenigstens nicht genügend unterstützt — eine Klage, die wir bereits aus dem ersten großen Kriege kennen. Es erregte diese Äußerung Ärgernis in den Provinzen von Holland, besonders in Amsterdam, da doch bei etwa gleichen Kräften ein großer Erfolg erzielt war. Wassenaer wurde deshalb nach seiner Rückkehr zur Rede gestellt und ihm dabei vorgehalten, er habe vor der Schlacht, wie doch vorgeschrieben oder üblich, keinen Kriegsrat gehalten; seine Unterführer hätten keine Instruktionen gehabt, andernfalls würden seine Schiffe nicht so bald nach dem Zusammenstoß über den ganzen Sund zerstreut gewesen sein und die Niederlage der Feinde wäre eine noch weit größere geworden.

Man nahm auch die Gelegenheit wahr, ihm eine nicht genügende Ausnützung des Sieges vorzuwerfen; er habe ein zweites Mal angreifen oder doch dem Feinde den Weg nach Landskrona verlegen müssen; wenigstens habe er später die Operationen gegen genannten Hafen energischer betreiben und selbst leiten müssen, anstatt sogar holländische Schiffe einem dänischen Admiral zu unterstellen. Die Angelegenheit verlief im Sande, vielleicht durch den Einfluß der Generalstaaten, aber auch die Untersuchung gegen die angeklagten Kapitäne wurde niedergeschlagen.

Man muß wohl zugeben, daß die holländische Flotte mehr hätte leisten können. Aber lag dies in der Politik der Generalstaaten? Der Wunsch, Schweden nicht ganz niederzuwerfen, zeigt sich während des ganzen Krieges, wie wir noch sehen werden; auch Dänemark sollte nicht zu mächtig werden, nur Frieden und Gleichgewicht wollte man in der Ostsee haben. So erhielt Wassenaer jetzt schon den Befehl, die genommenen Kriegsschiffe an Dänemark auszuliefern, aufgebrachte Kauffahrer aber an Schweden zurückzugeben, falls von dort das Gleiche geschähe. Im Sinne dieser Politik war es auch, daß man nach der Schlacht den Beschluß faßte, zwar noch mehr Truppen unter Bedeckung einiger Kriegsschiffe nach Kopenhagen zu werfen, den größten Teil der Flotte jedoch aus Sparsamkeitsgründen zurückzuziehen. Diese Absicht wurde scheinbar nur aufgegeben, da auch England die Entsendung einer großen Flotte vorbereitete. Der Transport erschien hierdurch gefährdet, die weitere Anwesenheit starker Kräfte anderseits nötig. England war, wie auch Frankreich, argwöhnisch auf den in der Ostsee erlangten Einfluß Hollands geworden; schon 1658 hatte sich dort ein englisches Geschwader gezeigt und 1659 ging in der Tat wiederum eine starke Flotte (42 Segel) unter Montagu dahin ab, die wohl in erster Linie die Aufgabe hatte, die Holländer zu beobachten und gegebenenfalls in Schach zu halten.