So sandte man denn trotz des in der Heimat auftretenden Mannschaftsmangels — die Hochseefischerei mußte teilweise eingestellt werden — eine zweite starke Macht von 39 Kriegsschiffen, 3 Brandern mit 1743 Geschützen und 7700 Mann unter Ruyter, der eben aus dem Mittelmeer zurückgekehrt war, zur Verstärkung Wassenaers ab. 4000 Mann, auf einigen Transportern meist aber auf den Kriegsschiffen eingeschifft, waren zur Verstärkung Kopenhagens bestimmt; ein Konvoi von Kauffahrern schloß sich an. Als Ruyter im Juni 1659 zu Wassenaer gestoßen war, zählte die Gesamtflotte 80 Kriegsschiffe mit 12 900 Mann, ausschließlich der erwähnten 4000 Soldaten; sie war stark genug, wenn erforderlich, der eingetroffenen englischen Macht entgegenzutreten. Vorläufig sollte jedoch die Flotte nicht eingreifen und auch die Truppen durften nicht ausgeschifft werden. Im Haager Konzert war unmittelbar nach Ruyters Abfahrt vereinbart, daß zunächst nichts unternommen, sondern nur durch die Anwesenheit der Flotten auf einen Frieden — mit den Bedingungen von Roeskild, aber ohne die Sundsperre — hingewirkt werden solle. Die Frist der Waffenruhe für die holländischen Streitkräfte wurde in der Folge immer weiter verlängert, und es ist interessant, ihre Bewegungen[145] unter steter Beobachtung der englischen zu verfolgen. Die französischen Diplomaten wirkten in demselben Sinne. Die Friedensverhandlungen kamen aber nicht vorwärts. Vor allem wollte Karl Gustav die Sundschließung nicht aufgeben, obgleich der holländische Gesandte auf die Nutzlosigkeit dieser Maßnahme hinwies, indem er sagte: „Ich habe die Schlüssel zum Sunde (die holländischen Kriegsschiffe) doch schon in Amsterdam liegen sehen.“
Erst als am 5. September 1659 Montagu mit der englischen Flotte nach der Heimat abging — unter dem Vorwande, neu ausrüsten zu müssen, in Wahrheit aber, um Monck bei Einsetzung Karls II. zu unterstützen —, kam die holländische Flotte wieder in Tätigkeit. Es folgen nun Operationen an der Küste Schwedens und der Teile Dänemarks, die noch in schwedischem Besitze waren. Sie werden größtenteils geleitet von Ruyter, unter ihm Cornelis Evertsen jun., da Wassenaer Anfang November nach Abgang der Engländer gleichfalls mit etwa 20 Schiffen zurückgezogen war, wie denn auch ein weiterer Teil der Flotte zum Handelsschutz abgezweigt wurde.
Die erste und Hauptaktion war die Unterstützung des Angriffs der festländischen Verbündeten Dänemarks von Deutschland aus, der Haupterfolg die Eroberung Fünens mit der Stadt Nyborg 1659.
Ruyter führte auf seinen und den dänischen Schiffen ein dänisches Heer von 5200 Reitern und 4600 Mann Fußvolk unter General Schack von Kiel nach dem stark besetzten Fünen. Ein Teil seiner Schiffe war nach dem kleinen Belt gesandt worden, um die Aufmerksamkeit der Schweden dorthin zu ziehen und um den Übergang eines brandenburgisch-kaiserlich-polnischen Heeres — General von Eberstein mit 4000 Reitern und wenig Fußvolk[146] — nach Fünen bei Middelfart zu unterstützen.
Auf Fünen standen etwas über 7000 Schweden, davon 4500 Reiter, unter dem General Steenbock und dem Prinzen von Sulzbach. Ruyter und Schack versuchten am 8. November vergeblich, die Landung bei Nyborg zu erzwingen, aber am 10. gelang es unter Ruyters persönlicher Führung, bei Kerteminde trotz schwedischer Schützengräben Fuß zu fassen und in zwei Tagen auch die ganze Reiterei auszuschiffen. Am 14. war Eberstein nach Fünen hinübergegangen, und beide Heere vereinigten sich am 19. bei Odense. Die Schweden wurden auf Nyborg gedrängt und am 22. unter schweren Verlusten aus ihrer starken Stellung eine Meile vor der Stadt in diese hineingeworfen; bei dem Treffen sollen sich besonders die Holländer ausgezeichnet haben. Bei der nun folgenden Belagerung Nyborgs bringt die holländische Flotte die, Stadt und Hafeneinfahrt, deckenden Werke zum Schweigen, legt sich zum Teil in den inneren Hafen und bombardiert, so daß die Stadt am 25. auf Gnade und Ungnade übergeben werden muß und die Insel für die Schweden verloren ist. Die Schweden verloren 2000 Tote und 5000 Gefangene, die Verbündeten nur 500 Tote.
Ruyter ging dann zum Ausrüsten nach Lübeck und von dort nach Kopenhagen. Die naheliegende weitere Unterstützung, die Truppen nach Seeland zum Entsatze der Hauptstadt überzuführen, scheint wiederum unterblieben zu sein, um Schweden nicht zu sehr niederzuwerfen, England und Frankreich nicht zu reizen, wenn auch als Grund die vorgerückte Jahreszeit angegeben wurde.
Im Winter 1659/60 fror die Flotte vor Kopenhagen ein, und nun unterstützte Ruyter die Verteidigung, da mit dem Falle der Stadt auch seine Flotte arg gefährdet gewesen wäre; er sandte Soldaten und Matrosen in die Werke und ließ die Schiffe durch Aufhauen des Eises gegen Entern schützen. Vom Aufgehen des Eises bis zum Friedensschlusse erfolgten nur noch kleinere Bewegungen zur Überwachung der schwedischen Flotte, da sich mit dem Tode Karl Gustavs die Friedensaussichten sofort günstiger stellten.
Die Erfolge in der Ostsee hatten den alten Ruf der holländischen Marine, der durch den unglücklichen englisch-holländischen Krieg gelitten hatte, wieder hergestellt.
In den Jahren 1661–1663 und auch 1664 wurde Ruyter, einmal auch Tromp jun., ins Mittelmeer gesandt. Während Holland im Norden beschäftigt war, hatten die Seeräubereien der Barbaresken aufs neue überhand genommen. Verschiedentlich wurden zwar Verträge abgeschlossen oder Verträge erzwungen, doch wurden diese immer wieder von den Barbaresken gebrochen. Im ersten Jahre hatte der Admiral noch den geheimen Befehl, Spaniens Silberflotten zu schützen, als England und Portugal mit Spanien im Kriege waren. Es ist dies wieder ein bemerkenswertes Kennzeichen damaliger Verhältnisse, denn eben hatte Holland mit Portugal Frieden geschlossen. Dieser Friede wurde aber erst 1662 ratifiziert und gegenseitige Schädigungen, sowie dadurch hervorgerufene Gewaltmaßregeln hörten selbst dann noch nicht auf. In den späteren Jahren kam es in den spanischen Gewässern, sogar bei gemeinsamem Vorgehen gegen die Barbaresken, schon zu Reibungen mit England, oft nur wegen Etikettenfragen. 1664 erfolgte ein Zusammenstoß ernsterer Art an der Westküste Afrikas, der mit Anlaß zum zweiten Kriege gab (vergl. Seite [252]).