Den englischen Handelskompagnien wurde es in allen Meeren schwer, neben den schon weit mächtigeren holländischen festen Fuß zu fassen; sie wandten sich oft Hilfe heischend an das Parlament. Solche Forderungen traten besonders 1663 auf. — Die englisch-ostindische Kompagnie beschwerte sich, daß die Holländer noch immer die laut Friedensschluß von 1654 abzutretende Bandainsel Polaroon in Besitz hätten, daß sie feindlich gegen die indischen Fürsten und Städte aufträten, die ihr die Anlage von Faktoreien gestattet hätten, daß sie in jeder Hinsicht selbst mit Waffengewalt den englischen Handel hinderten. Großer Schaden sei der Kompagnie, mittelbar und unmittelbar, schon zugefügt; ungeheure Summen wurden dafür vorgerechnet. Man war außerdem in England der Ansicht, daß der berüchtigte Vorfall in Amboina noch nicht genügend gesühnt sei. Ähnliche Klagen liefen gleichzeitig beim Parlament ein von der nach dem Mittelmeer fahrenden türkischen Kompagnie und von der 1662 gegründeten afrikanischen Kompagnie; auch bei dieser handelte es sich um Zurückgabe einiger Plätze, die — früher in englischem Besitz, dann aufgegeben — von Holland eingenommen waren, so z. B. Capecoastcastle.

Unberechtigt sind die Klagen wohl nicht gewesen. Wir haben den Verkehr auf dem Weltmeer genügend kennen gelernt, um zu wissen, wie gewalttätig der schon Mächtigere draußen dem Nachkommenden entgegentrat; jedoch ließ auch England nicht ruhig alles über sich ergehen, sondern antwortete, wo es ging, mit Vergeltungsmaßregeln, zu welchem Zweck z. B. 1661 ein kleines Geschwader an die Westküste Afrikas gesandt wurde. Zur Herbeiführung des Krieges waren diese Zusammenstöße aber nur ein Vorwand. Die öffentliche Meinung in England und damit der wirkliche Kriegsgrund finden deutlich ihren Ausdruck in den Monck zugeschriebenen Worten: „Was kommt es auf diesen oder jenen Kriegsgrund an? Was wir brauchen, ist ein Stück mehr von dem Handel, den die Holländer jetzt haben!“ Dementsprechend begann man in England zu rüsten — außergewöhnlich zahlreiche Indienststellungen, lebhafte Tätigkeit auf den Werften, Füllen der Magazine — und unternahm 1663–1664 eine größere Expedition gegen holländische Kolonien In Westafrika und Nordamerika, durch die die befestigte Insel Gorée am Kapverde, Capecoastcastle sowie einige andere Plätze an der Goldküste und vor allem Neuamsterdam (New York) den Holländern abgenommen wurden.

Die Expedition zählte 22 Segel, teils Schiffe der afrikanischen Kompagnie, teils königliche; letztere hatte der Herzog von York gestellt, der gleichzeitig Protektor der Kompagnie und Lordhighadmiral war. Sie segelte 1663 unter Admiral Holmes, der schon den Zug 1661 befehligt hatte. Holmes machte vom Januar 1664 an die aufgeführten Eroberungen in Afrika und brachte dort viele Schiffe auf. Dann ging er nach Nordamerika und nahm im August mit Hilfe der benachbarten englischen Kolonien Neu-Niederland in Besitz; dem Entsender der Expedition zu Ehren nannte Holmes Neu-Amsterdam jetzt Neu York.

Hollands Vorstellungen wegen der Gewalttat in Afrika fruchteten nichts. Die englische Regierung betrachtete den Zug als eine Privatangelegenheit, versprach Untersuchung, setzte aber ihre Rüstungen fort. Auch in Holland hatte man im Mai 1664 eine größere Flotte als sonst im Frühjahr unter Wassenaer zusammengezogen; wie man sagte, gegen die Barbaresken und spanischen Freibeuter. Sie wurde beständig verstärkt, und bald verlautete, daß sie Befehl habe, an der holländischen Küste zu bleiben, zu üben und durch leichte Schiffe die englische Flotte zu beobachten. Man fürchtete nämlich, diese würde gegen die heimkehrenden Ostindienfahrer vorgehen, die wie stets im Frühjahr von der Biscaya abgeholt wurden; übrigens hatte man die entgegengesandte Bedeckung auch wesentlich verstärkt und befohlen, um Schottland zurückzusegeln. Als nun Holmes' Zug bekannt geworden war, beschloß man zuerst, mit den Frühjahrsschiffen der westindischen Kompagnie eine Verstärkung der Kriegsschiffe nach Afrika zu senden. Da dies aber zu lange gedauert haben würde und auch nicht geheim gehalten werden konnte, gab man gleich darauf Befehl an Ruyter im Mittelmeer, nach Guinea zu gehen, die verlorenen Plätze wiederzunehmen und den englischen Handel „in außereuropäischen Gewässern“ zu schädigen. Dieser Befehl war streng geheim, damit man in England nicht aufmerksam würde und damit das englische Mittelmeergeschwader unter Lawson nicht folge. Die Geheimhaltung ging so weit, daß selbst einige Mitglieder des Rates, die den Befehl unterschrieben, ihn nicht kannten; er war ihnen nach einer sehr arbeitsreichen Sitzung zur Unterschrift mit untergeschoben worden.[149]

Ruyter gelang es, die afrikanischen Besitzungen zurückzuerobern und auch sonst den Engländern in Westindien und im Atlantik großen Schaden zuzufügen.

Ruyters Zug 1664–1665 nach Westafrika und Amerika ist bemerkenswert, weil er die schwierige Aufgabe mit großem Geschick löste.[150] Ruyter war im Mittelmeer gegen die Barbaresken stationiert, englischerseits befand sich Admiral Lawson zu gleichem Zwecke dort. Als Ruyter den Befehl erhalten hatte, nahm er unter allerlei Vorwänden an der spanischen Küste Proviant für ein Jahr. Es gelang ihm, Lawson über seine Bestimmungen zu täuschen, und so erschien er ungehindert und unerwartet Ende Oktober an der westafrikanischen Küste. Hier eroberte er zunächst Gorée zurück, dann, auf die holländische Station Elmina gestützt, die an der Goldküste verlorenen Punkte und auch das englische Cormantyne; Capecoastcastle widerstand mit Erfolg. Im Februar 1665 ging er, 12 Schiffe und 1 Brander stark, nach Westindien. Nach einem vergeblichen Angriff (29. April) auf eine große Zahl englischer Kauffahrer unter dem Schutz der Batterien auf Barbados verproviantierte er sich auf holländischen und französischen Inseln und ging dann nach Neufundland. Vor Guinea, in Westindien und in den nördlichen Gewässern brachte er viele Schiffe auf, die teils verkauft, teils heimgesandt wurden, so daß der Zug reiche Beute eintrug. Ende Juni trat er die Rückreise nach Holland an.

Schon in Westindien hatte er vom Ausbruch des Krieges gehört; er beabsichtigte deshalb, durch die Nordsee zu segeln und gab als Treffpunkt die Faröer Inseln und dann die Küste Norwegens (Stadtland) an. Wohlbehalten hier angekommen, erhielt er die Nachricht von der unglücklichen Schlacht bei Lowestoft (14. Juni). Da er nun die Engländer in der Nordsee vermutete, um ihn abzufangen — dies war in der Tat der Fall —, steuerte er mit allen Vorsichtsmaßregeln längs den Küsten der deutschen Bucht und lief am 6. August 1665 in die Westerems ein.

Sobald man in England das Auftreten Ruyters in Afrika erfuhr, ließ man die Maske fallen. Die in den englischen Häfen liegenden holländischen Schiffe wurden mit Beschlag belegt, englische Kriegsschiffe und Freibeuter brachten in kurzer Zeit an 130 feindliche Schiffe auf.

Holland antwortete mit Beschlagnahme von Fahrzeugen, ließ aber den Befehl, feindliche Schiffe auf See aufzubringen, noch nicht in Kraft treten. Immer noch hoffte man, den Frieden erhalten zu können, wobei man besonders auf die Vermittlung Frankreichs rechnete. Die Rüstungen wurden aber ununterbrochen fortgesetzt. Anfangs hatten die Generalstaaten den Provinzen hierfür noch andere Gründe angeben müssen, um sie geneigt zu machen: es würde nötig sein, die Konvois — z. B. den schon erwähnten nach Guinea — mit starken Flotten durch den Kanal zu führen; bald aber wurde doch von allen Stellen der Krieg selbst ins Auge gefaßt — der Konvoi nach Guinea segelte tatsächlich nur mit gewöhnlicher Bedeckung, weil eine Verstärkung der westafrikanischen Station nach Ruyters Erfolg nicht mehr nötig war —, und nun rüsteten alle Admiralitäten mit einer seltenen Einmütigkeit und unter Aufbietung aller Mittel. Es wurde beschlossen, 24 Kriegsschiffe erster Klasse zu bauen, für das kommende Jahr (1665) die Indienststellung aller Schiffe vorzubereiten und dazu die Mannschaften der Flotte von 1664 im Dienst zu behalten. Wassenaers Flotte hatte man auf Wunsch Louis' XIV. während der Verhandlungen wie alljährlich mit Beginn des Winters zurückgezogen, es war jedoch ein größerer Teil der Schiffe als sonst im Winter in Dienst belassen. Am 23. Dezember 1664 wurde ferner sämtlichen Kauffahrern und Fischern das Auslaufen verboten, um sie nicht der Gefahr aufgebracht zu werden, auszusetzen und um die Leute für die Bemannung der Flotte zu haben.