Auch Karl II. zögerte noch mit der Kriegserklärung, wohl der vorgerückten Jahreszeit wegen und um die Rüstungen zu vollenden, zu denen das Parlament noch mehr Mittel bewilligen sollte. Da aber schlug eine letzte Gewalttat Englands dem Faß den Boden aus. Am 29. Dezember 1664 griff der Admiral Allin in der Straße von Gibraltar den heimkehrenden holländischen Smyrna-Convoi an.
Der Konvoi bestand aus 30 Kauffahrern mit nur 3 Kriegsschiffen Bedeckung. Allin überfiel ihn mit 7 Kriegsschiffen. Als der holländische Admiral van Brakel längsseit kam, um zu salutieren, wurde er mit einer scharfen Breitseite empfangen und dann der Konvoi angegriffen. Dank der tapferen Gegenwehr, auch der Handelsfahrzeuge, fielen nur 3 Schiffe in die Hände der Engländer — eines war im Kampf vernichtet; zwei versprengte, die ohne Befehl vorausgesegelt waren, wurden abgeschnitten —, die übrigen retteten sich in spanische Häfen, van Brakel fiel.
Nach diesem Gewaltakt „in europäischen Gewässern“ beschloß Holland den Krieg. Es erließ nun auch den Befehl, alle feindlichen Kriegs- und Handelsschiffe in europäischen Gewässern anzugreifen (24. Januar 1665) und brach die diplomatischen Beziehungen ab; der Krieg war erklärt. Die englische Kriegserklärung erfolgte im Februar; beide Staaten wetteiferten, ihre Schlachtflotten aufzustellen. — Frankreich trat erst im Januar 1666 durch förmliche Kriegserklärung auf die Seite Hollands, ebenso Dänemark. Es ist bereits darauf hingewiesen, daß die französische Flotte keinen tätigen Anteil an den Kriegsoperationen nahm; du Sein erwähnt in der Geschichte der französischen Marine diesen Krieg überhaupt nicht.
Auch Dänemark kam mit England nur zu kleinen Zusammenstößen in der Ostsee.
Holland sandte die englische Kriegserklärung an alle seefahrenden Mächte mit dem Hinweis darauf, daß auch deren Seehandel durch den von England heraufbeschworenen Krieg schwer leiden würde.
Die Streitmittel der Gegner.[151]
In Holland war es dem Wirken des Ratspensionärs de Witt zu danken, daß nach dem Frieden 1654 die Marine nicht wieder wie um 1648 in Verfall geriet. Er verstand es, in allen Provinzen seinen Einfluß geltend zu machen und die Bewilligung der nötigen Mittel zu erreichen. Die Unternehmungen in der Ostsee und im Süden hielten die Flotte in Übung.
Das Schiffsmaterial wurde wesentlich besser. Wir wissen, daß beim Friedensschluß 1654 70 Kriegsschiffe zu über 30 Kanonen vorhanden waren: 1 zu 60, 9 zu 50–58, 27 zu 40–48, 33 zu 30–38 Kanonen. Es wurden nun die während des ersten Krieges begonnenen (30) und zu bauen beschlossenen (30) Schiffe fertiggestellt; unmittelbar vor und dann während des zweiten Krieges ordnete man weitere Neubauten an: 1664 von 24, Juni 1665 von nochmals 24 und 1666 von 12 Schiffen. Anfangs wurden zwar nur wenige Fahrzeuge über 50 Kanonen gebaut, erst 1664 ging man an solche von 60 bis 80 Kanonen; in der 1665 aufgestellten Flotte waren nur 2 zu 70–80 und 5 zu 60–70 Kanonen, so daß man noch Schiffe dieser Größe von der ostindischen Kompagnie einstellen mußte, aber 1666 konnten schon 2 Schiffe über 80, 11 zu 70–78, 21 zu 60–68 Kanonen verwendet werden. Der Bestand war also an Zahl und Stärke der Schiffe wesentlich gewachsen; 1665 brauchte man nur auf etwa 20 Kauffahrer zurückzugreifen, 1666 war man ganz frei von ihnen. Eine Angabe über den Gesamtbestand zu irgend einem Zeitpunkt fehlt in den Quellen; zum Vergleich mit den englischen Streitkräften ist Seite [258] die Zahl der Schiffe aufgeführt, die an den Hauptschlachten der beiden ersten Kriegsjahre teilnahmen. Es hatten beide Gegner ihre Gesamtkraft aufgestellt, nur wenige Schiffe fehlten, die in fernen Gewässern sich aufhielten oder nicht gefechtsfähig waren. Die Angaben bieten also einen Anhalt über die Stärke der beiden Marinen überhaupt.
Die neueren Kriegsschiffe waren besser gebaut als im ersten Kriege; alle Schlachtschiffe (über 40 Kanonen) waren jetzt auch hier Zweidecker, Dreidecker besaß man jedoch noch nicht. Es ist ferner sehr bemerkenswert, daß man in Holland, wenn auch den Verbesserungen im Schiffbau — so auch in den Schiffsformen — im allgemeinen Rechnung getragen wurde, doch nicht zum „fregattenähnlichen“ Bau in demselben Maße übergegangen war wie in England. Man zog immer noch weniger tiefgehende, breitere und weniger scharfe Schlachtschiffe vor, teils der Hafenverhältnisse wegen, teils weil man annahm, so stabilere Geschützstände zu haben, wenn auch die Fahrzeuge weniger schnell waren. Dagegen baute man jetzt „fregattenähnlich“ eine größere Zahl von Schiffen zu 20–40 Kanonen, meist 26–36 Kanonen. Die Engländer hatten ja ihre größere Segelfähigkeit — fregattenähnlicher Bau selbst bis zu den mittleren Schlachtschiffen — des öfteren benutzt, um Schiffe abzuschneiden. Da man nun in Holland den Bau der Schlachtschiffe nicht dahin ändern wollte, sollten diese „Fregatten“ dem Übelstande bis zu einem gewissen Grade abhelfen. Sie sollten in gefährdeter Lage befindlichen Schiffen zu Hilfe kommen und zum Abfangen von Kauffahrern geeignet sein. Sie hatten (wahrscheinlich?) nur eine gedeckte Batterie, näherten sich also schon dem Begriff der späteren Fregatte. Der Schiffsbestand wurde endlich auch vervollständigt durch den Bau besonderer kleiner Fahrzeuge für Melde- und Aufklärungsdienst (Advijsjagten) und einiger Ruderfahrzeuge zu ähnlichen Zwecken (Roeijagten und Galeijen) sowie von Transportern für Proviant und Munition, Postschiffen für die Flotten und zahlreichen Brandern.