Man baute aber nicht nur Schiffe mit größerer Kanonenzahl, auch die Armierung wurde noch in den Jahren vor und während des zweiten Krieges durch die zunehmende Verwendung schwererer Kaliber verstärkt; die schwere Artillerie (32-Pfünder) und die höheren Kaliber der Mittelartillerie (24- und 18-Pfünder) wurden fast verdoppelt. Auch strebte man dahin, auf gleich großen Schiffen dieselbe Armierung und in den einzelnen Batterien Geschütze gleichen Kalibers einzuführen; besonders seit 1666. 1665 standen auf den Schiffen einzelner Admiralitäten noch 3–4 Kaliber in einer Batterie. Die Admiralität von Amsterdam, die überhaupt den dritten Teil der Gesamtflotte stellte, ging hierin wie in allen Verbesserungen voran; ihre neueren Schlachtschiffe von 48–58 Kanonen waren schon nach englischem Vorbilde in dieser Beziehung armiert. Im allgemeinen ließ alles dies aber noch zu wünschen übrig, vor allem fehlte Gleichheit zwischen den Schiffen der verschiedenen Admiralitäten, und wie sehr die Stärke der Armierung der der englischen Flotte noch immer nachstand, werden die vergleichenden Angaben später zeigen.

Auch in der Bemannungsfrage hatten sich im zweiten Kriege die Verhältnisse für Holland weit günstiger gestaltet. Im Frieden war stets genügend Personal für die Flotte vorhanden gewesen; nach Beendigung der Kriege in der Ostsee fanden sich viele kriegserfahrene Seeleute in Holland ein: Holländer, die dort gedient, und auch Fremde, denn der Dienst in der Marine war im Lande sehr beliebt geworden. Da bei Ausbruch des Krieges Seefahrt und Hochseefischerei untersagt wurden, war reichlich Personal vorhanden. Nach der großen Niederlage im ersten Jahre schwand allerdings die Neigung zum Dienst, diesem Übelstande wurde aber durch höheren Sold, Aussetzung hoher Belohnungen für besondere Auszeichnungen und hoher Pensionen für Invalide usw. abgeholfen. Als endlich durch das Freigeben eines Teiles der Schiffahrt zu Ende des Jahres 1666 wieder die Gefahr des Mannschaftsmangels eintrat, wurde sie durch die Bestimmung abgewendet, daß jedes in See gehende Schiff ein Viertel seiner Besatzung zur Marine abgeben oder daß die Rhederei Mannschaften in dieser Höhe stellen mußte. Ferner wurde 1664 eine Seesoldatentruppe gegründet und bald stark vermehrt. So trat ein Mannschaftsmangel in diesem Kriege nicht ein, nötigenfalls wurden weiter Landsoldaten eingeschifft. Die Schiffe waren auch stärker bemannt als früher; daß aber auch hierin England noch immer besser stand, werden wir sehen, und auch in der Kopfzahl der Besatzungen herrschte keine Gleichmäßigkeit bei den Admiralitäten.

Endlich hatten sich auch die Verhältnisse bei den Kommandanten und Chargen gebessert. Die Maßregel der Admiralität Amsterdam (Seite [149]), sich einen Stamm von Kapitänen zu halten, war dadurch erweitert, daß man noch eine zweite Art Kapitäne schuf. Diese wurden zwar nicht im Dienst behalten, durften sich aber nur mit Erlaubnis der Admiralität auf Seereisen begeben und erhielten für diese Verpflichtung ebenfalls ein Jahrgeld. Dieselbe Behörde hatte ferner erlaubt, daß sich nach dem ersten Kriege andere obere Dienstgrade, die nicht verwendet werden konnten, überetatsmäßig auf indienstgestellten Fahrzeugen einschifften. Die Admiralität der Maas übernahm teilweise diese nützlichen Bestimmungen; so trat bei Ausbruch des Krieges kein Mangel an Kommandanten usw. ein, es war sogar eine Reserve vorhanden.

Eine große organisatorische Veränderung vollzog sich bei den Flaggoffizieren. Bis gegen das Ende des ersten Krieges hatten die Niederlande nur einen Leutnantadmiral von Holland und Westfriesland, der beim Zusammentreten der Gesamtstreitkräfte der Republik den Oberbefehl führte, und je einen Vizeadmiral sowie je einen Kontreadmiral von Holland und von Seeland. Dann setzten die Staaten von Holland, deren Seemacht außerordentlich gewachsen war, durch, daß ein Vize- und ein Kontreadmiral für jede ihrer drei Admiralitäten (Maas, Amsterdam, Norderquartier [Westfriesland]) ernannt wurde; es gab also jetzt 1 Leutnantadmiral, 4 Vize- und 4 Kontreadmirale. Vor Ausbruch des zweiten Krieges (Dezember 1664) nahm Seeland sein altes Recht wieder auf und ernannte einen Leutnantadmiral von Seeland; sofort verlangte und erreichte Holland dasselbe für jede seiner Admiralitäten; Friesland, dessen früher sehr unbedeutende Kräfte auch gewachsen waren, folgte bald. So hatten die Niederlande 1665: 1 Admiralleutnant von Holland und Westfriesland, 5 Leutnantadmirale, 5 Vize-, 5 Kontreadmirale für die 5 Admiralitäten. Bei der Eifersucht der Provinzen sollte dies zu manchen Reibungen führen; auch sonst war die Anwesenheit so vieler Flaggoffiziere, teilweise vom höchsten Range, bei der Flotte öfters von großem Nachteil.

Die Entwicklung dieser Verhältnisse findet man in de Jonge, Teil I, Seite 527; 687. Für die Generalstaaten war es schwer, die Anciennität festzusetzen; es führte zu scheinbar verwickelten Bestimmungen. Den Oberbefehl über die vereinigten Kontingente führte weiter der Leutnantadmiral von Holland und Westfriesland. Die zweite Stimme im Kriegsrat stand dem Leutnantadmiral von Seeland zu, die Vertretung des Oberbefehlshabers im Kommando übernahm aber der Leutnantadmiral der Maas. Seeland war die älteste Admiralität, sein ältester Admiral führte stets die aus Seelandschiffen bestehende Vorhut; er war also der zweitälteste Offizier der Gesamtflotte. Den Höchstkommandierenden stellte aber seit langer Zeit (Seite [149]) die Admiralität der Maas; daraus wurde gefolgert, daß sie auch den Stellvertreter stellen müsse.

Der Streit über Anciennität der Flaggoffiziere führte zu Verwirrung in Schlachten; er ging soweit, daß Seeland einmal erklärte, sein Kontingent nicht eher auslaufen zu lassen, bis eine Frage zugunsten seines Chefs entschieden sei.

In England hatte man unter Cromwell auch nach dem ersten Kriege weiter gebaut, zu seiner Zeit wurde mehr als die Hälfte des Staatseinkommens auf die Marine verwendet. Die Republik fand England schwach zur See vor und übertraf es schon als die stärkste Seemacht, was das Material anbetrifft. Auch Karl II. hatte Interesse für die Marine, besonders aber sein Bruder, der Herzog von York, der von Jugend auf für sie bestimmt war. So stand auch die englische Flotte bei Beginn des zweiten Krieges weit mächtiger da als zu Ende des ersten. Leider fehlt auch hier eine Bestandsliste[152] für diese Jahre, und man muß deshalb wie bei Holland als Anhalt die Stärke der zu den Schlachten zusammengezogenen Flotten nehmen; ich führe also die Angaben für Holland zum Vergleich hier mit auf:

1654 hatte England (Holland vergl. S. [255]) Schiffe zu

Kanonen:10086–9070–8060–7050–6040–5030–4020–306–16
Zahl der Schiffe:1181632431614