Es zeigt sich mithin bei den Schlachtschiffen eine große Überlegenheit auf englischer Seite, nur die Nichtschlachtschiffe zwischen 30 und 40 Kanonen stehen in Holland sehr viel besser da; es sind dies wohl die erwähnten „Fregatten“.
Nach oberflächlicher Berechnung führten die für das Jahr 1666 angeführten Schiffe über 60 Kanonen in Summe:
| 42-Pfdr. | 32-Pfdr. | 24-Pfdr. | 18-Pfdr. | 12-Pfdr. | |
| Auf 25 englischen Schiffen | 26 | 256 | 372 | 48 | 518 |
| Auf 34 holländischen Schiffen | — | 12 (36-Pfdr.) | 276 | 586 | 354 |
Die Hauptkraft lag bei den Engländern also in 42-Pfündern — deren wahrscheinlich noch 56 mehr vorhanden waren, die dann von den 32-Pfündern abgehen —, in 32-Pfündern und 24-Pfündern, bei den Holländern in 18-Pfündern; dem englischen 12-Pfünder steht dann wieder an Zahl der holländische 8-Pfünder etwa gleich. Die holländische Schwäche wird dadurch ein wenig verringert, daß die englischen Kaliberangaben den holländischen gegenüber etwas zu verkleinern sind, weil das englische Pfund leichter war: der 42-Pfünder würde ein 38-Pfünder, der 24- ein 22-Pfünder usw. werden (vgl. de Jonge, Teil I, Seite 626).
Auch die bessere Bedienung der englischen Artillerie wird weiter gerühmt, und es kommt hinzu, daß die englischen Schiffe stärker bemannt waren. 1666 hatten Schiffe genannter Größen eine Besatzung von Köpfen:
| England | 700 | 600 | 520–650 | 450 | 320 | 200–250 | 150 | 130 |
| Holland | — | — | 470 | 330 | 260 | 200–250 | 200 | 120–200 |
Es konnten also die englischen Geschütze, namentlich bei gleichzeitigen Schiffsmanövern, besser bedient werden und die Schiffe waren beim Enterkampf überlegen; nur die holländischen „Fregatten“ stehen in dieser Hinsicht besser da, sie waren ja auch gleichzeitig zum Manövrieren und Fechten gebaut. Wie im ersten Kriege, so scheint auch im zweiten in England im allgemeinen kein Mangel an Personal eingetreten zu sein; auch hier waren jetzt Seesoldaten vorhanden, von einem Auffüllen mit Landsoldaten verlautet nichts mehr.
Die bessere Segel- und Manövrierfähigkeit der englischen Schlachtschiffe infolge schärferer Formen, vielleicht mit Ausnahme der schwersten, ist uns schon bekannt; der nach holländischer Ansicht damit verbundene Nachteil, daß man bei Wind und Seegang die untersten Batterien nicht gebrauchen konnte, tritt allerdings in diesem Kriege mehrfach hervor.
Von sonstigen Einrichtungen in der englischen Marine ist noch hervorzuheben, daß Karl II. die Stelle des Lordhighadmiral wieder besetzte, und zwar mit seinem Bruder, dem Herzog von York. Dieser soll manche Verbesserungen in der Verwaltung bewirkt haben. Er kommandierte 1665; 1666 wurde das Kommando über die mobile Flotte wieder in die Hände zweier Admirale — Prinz Ruprecht von der Pfalz und Herzog von Albemarle (Monck) — gelegt.
In beiden Marinen begann in der Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Kriege (vgl. Seite [181]) die Entwicklung eines ständigen Kriegsschiffpersonals. Es fällt in diese Zeit die Vermehrung der Dienstgrade für die verschiedenen Dienstzweige und auch schon die erste Vermehrung der Leutnants sowie der Beginn des besseren Ersatzes dieser eigentlichen Offiziere. Die Anstellung von Offiziersaspiranten wird allgemeiner; gerade in Holland treten Personen aus den höchsten Ständen ein, einige von ihnen tun schon im zweiten Kriege als zweite selbst als erste Leutnants Dienst. Die Bauten — Werften und Magazine — wurden wesentlich verbessert; York verwandte in England Sorgfalt darauf, in Holland wurden — besonders wieder in Amsterdam — die Einrichtungen zum Selbstbau und zum Docken weit größerer Kriegsschiffe als bisher getroffen.