Wichtig vor allem ist das wachsende Verständnis für die Führung der Flotten, die Taktik. In England erließ der Herzog von York 1665 eingehende Instruktionen über das Segeln und das Fechten im Flottenverbande, Verbesserungen der Instruktion von 1655, durch die besonders Aufrechterhaltung der Ordnung im Gefecht — enggeschlossene Kiellinie beim Winde — angestrebt wird. Im allgemeinen wird beabsichtigt, den eignen Angriff stets gleichzeitig auf die ganze Linie des Feindes zu richten, doch ist auch schon ein Fall vorgesehen, die feindliche Linie zu durchbrechen und an einer Stelle dann mit Übermacht aufzutreten.
Colomb, Seite [89–90], gibt wörtlich die Artikel dieser „instructions for the better ordering of the fleet in sailing and in fighting“, die sich auf die verschiedenen Gefechtslagen beim Zusammenstoß beziehen; sie folgen hier im Auszuge:
Ist die eigene Flotte zu Luward und der Feind erwartet den Angriff über denselben Bug liegend, soll die Flotte so an den Feind geführt werden, daß Schiff gegen Schiff steht. Liegt der Feind über den andern Bug, so soll die Flotte (außer Schußweite) bis etwa querab der feindlichen geführt, dann „zugleich“ gewendet und zum Gefecht herangegangen werden, so daß also wieder Schiff gegen Schiff steht. In beiden Fällen soll während des Kampfes die Luvstellung gehalten werden; zu diesem Zwecke müssen etwaige Manöver des Feindes — Wenden im Kontremarsch,[156] Wenden zugleich oder Wenden einzelner Geschwader — in derselben Weise ausgeführt werden.
Steht der Feind zu Luward und greift an, so soll er in guter, enggeschlossener Linie erwartet werden. Greift die eigene Flotte von Lee aus an, was ja bei besseren Segeleigenschaften oder infolge leichter Windänderungen möglich ist, so soll die Vorhut versuchen, die[261] feindliche Linie zu durchbrechen und dann die abgeschnittenen hinteren Schiffe des Feindes von Luward aus angreifen; Mitte und Nachhut sollen das Manöver durch Dublieren der abgeschnittenen Schiffe von Lee her unterstützen, dabei aber die Bewegungen der vorderen Schiffe des Feindes im Auge behalten.
Hervorzuheben ist, daß in der neuen englischen Instruktion im Gefecht stets von der ganzen Flotte die Rede ist, während in der alten von dem Verhalten der Geschwader gesprochen wurde. Es ist ferner bemerkenswert, daß den Schiffen befohlen wird, „Linie“ mit ihrem Geschwaderchef zu halten, falls ein Geschwaderchef ausgefallen ist, mit dem Oberbefehlshaber oder mit dem vorn segelnden Flaggoffizier.
Auch in Holland ist der Fortschritt in der Taktik zu bemerken. Gleich nach der unglücklichen Schlacht 1665 wurden auch hier Bestimmungen über das Segeln in der Flotte, besonders bei Annäherung an den Feind, erlassen.[157]
Vor der genannten Schlacht war die Flotte in 7 Geschwader geteilt, ein jedes mit 3 Flaggoffizieren; der Grund soll die Anwesenheit so vieler Admirale gewesen sein. Es ist wohl möglich, da man Unzufriedenheit bei ihnen vermeiden wollte, sollte es aber nicht auch eine Folge der älteren Gruppentaktik sein? Tromp der Ältere teilte auch in so viele Abteilungen, und damals lag der andere Grund nicht vor. Nach der Schlacht teilte man die Flotten nun stets wie in England in 3 Geschwader (selten 4) und diese wieder bei großer Schiffszahl in 3 Divisionen. Jetzt befanden sich bei jedem Geschwader viele Flaggoffiziere und zwar bis zu je 2 Leutnantadmiralen, Vize- und Kontreadmiralen. Ruyter vervollständigte diese Instruktionen, sie enthielten in der Hauptsache aber eigentlich nur Bestimmungen, die auf die Ordnung beim Marsch und beim Eintritt ins Gefecht hinzielten.
Im „Leben Ruyters“, Seite [305], [315], [361] und auch „Vie de Tromp“, findet man genaue Vorschriften über die Positionen der Geschwader und Divisionen in der Flotte, auch auf dem Marsche strenge innezuhalten; Befehle an die Geschwaderchefs, den Brandern und Fregatten ihre Posten für das Gefecht genau anzuweisen; das strenge Verbot von Manövern oder Angriffen ohne Befehl, dagegen Signale, auf die die einzelnen Geschwader, oder das Ganze, anzugreifen hätten. Es wird ferner befohlen, daß jedes Geschwader täglich einige Fregatten zum Erkunden des Feindes auszusenden hätte; im Gefecht sollten diese Fahrzeuge so postiert werden, daß sie beschädigten oder bedrohten Schiffen Hilfe leisten und die Branderangriffe unterstützen könnten.
Es fehlten jedoch, wie es scheint, eigentliche Dispositionen für die verschiedenen Gefechtslagen. Der Chef will zwar die Teile seiner Flotte in der Hand behalten, die Angriffe scheinen jedoch noch immer vorzugsweise geschwaderweise und mit Einbrechen in den Feind gedacht zu sein. Es ist ferner auffallend, daß in den Instruktionen nie das Wort „Linie“ vorkommt. Die Einzelschiffe werden nur angewiesen, „sich bei ihrem Divisionschef zu halten, sich nicht gegenseitig in den Weg zu kommen oder im Feuer zu hindern.“ Ein Ausrichten auf den Flottenchef wie in England wird nicht erwähnt.[158]
In beiden Ländern führte der Fortschritt in der Taktik begreiflicherweise zur Vervollständigung des Signalsystems.