Schlachtschiffe müssen wir von jetzt ab allgemein über 40 Kanonen stark rechnen, dann zählte die holländische Flotte bei Solebay an solchen „Linienschiffen“ 61, die englische 45. — Die Holländer hatten beabsichtigt, noch 18 Linienschiffe (meist kleinere?) in Dienst zu stellen, damit kommen wir als Gesamtbestand auf etwa 80, was der Stärke im zweiten Kriege entspricht; auch die Größe der Schiffe ist ziemlich dieselbe. Bei den Engländern sind mehrere ganz neue Schiffe der schwersten Klasse hinzugetreten, dagegen fehlt gegen 1666 eine große Zahl mittlerer und kleiner Schlachtschiffe, die jedoch sicher vorhanden waren.

Vermutlich war man infolge der schlechter gewordenen Verwaltung nicht imstande, seine ganze Kraft zu entfalten; man rechnete auf die Franzosen, die gerade Schiffe dieser Größen stellten. Einige solcher Fahrzeuge waren auch in den Häfen, besonders der Themse, stationiert. Daß die Zahl der 40–50 Kanonenschiffe so heruntergegangen, hatte wohl auch seinen Grund darin, daß man sie nicht mehr als vollwertige Schlachtschiffe ansah; wir finden dasselbe bei Holland.

Ungefähr dieselbe Stärke zeigen die Flotten bei den späteren Aktionen dieses Krieges, doch erscheinen dann die Holländer mit 5–7 Schiffen zu 80–90 Kanonen. Bemerkenswert ist die große Zunahme an „kleinen Fahrzeugen“ in den Flotten für den Melde- und Sicherheitsdienst.

Über die Armierung ist schon gesagt, daß die Angaben und Auslassungen für die Zeit des zweiten Krieges auch jetzt noch zutreffen; zu beachten ist aber, daß mit der Vermehrung der Schiffe über 90 Kanonen das Übergewicht der Engländer an „schwerstem“ Kaliber noch gewachsen ist. Auf beiden Seiten sehen wir in noch größerem Maße als zu Ende des zweiten Krieges eine Zunahme der Brander.

Das Personal. Der Verlauf des Krieges wird zeigen, wie schwierig es dieses Mal infolge des gleichzeitigen Landkrieges den Holländern wurde, große Flotten aufzustellen und sie zu bemannen. Um so bewundernswerter ist es, daß die Republik dem vereinigten England und Frankreich doch zur See mit Erfolg gegenüberstand. Es ist ferner fraglos, daß die holländische Marine in militärischer Beziehung große Fortschritte gemacht hatte. Alle Quellen bezeugen die größere Disziplin in ihren Flotten im dritten Kriege. Wenn auch Reibungen zwischen den höheren Befehlshabern vorkommen, so hört man doch nichts mehr von groben Verstößen gegen Disziplin und Taktik von den Kommandanten und von Unzuverlässigkeit der Mannschaften; die Leistung ihrer Artillerie ist besser als die der Engländer. Dies alles und die Fortschritte in der Taktik sind zweifellos das Verdienst Ruyters, der dabei von hervorragenden Flaggoffizieren, wie z. B. Ghent, den beiden van Nes, Bankers, Liefde u. a. m., unterstützt wurde. Auch eine wichtige Organisationsänderung trug dazu bei. Im Jahre 1672 übernahm der Prinz von Oranien durch seine Einsetzung als Statthalter auch wieder die Würde des Generaladmirals mit den alten Befugnissen (Seite [149]), er entfernte mit Ruyters Hilfe ungeeignete Kapitäne und hob die Stellung des tatsächlichen Oberbefehlshabers, durch Ernennung Ruyters zum Leutnantadmiralgeneral, den anderen Leutnantadmiralen gegenüber.

Auch in England vollzog sich während des Krieges eine wichtige organisatorische Änderung. Als 1673 die „Testakte“ im Parlament durchging — wonach kein Katholik ein Staatsamt bekleiden durfte —, mußte der Herzog von York seine Stellung als Lordhighadmiral niederlegen. Karl II. besetzte die Stellung nicht wieder. Er ernannte den Prinzen Rupert zum Oberbefehlshaber der Flotte, gab ihm zwar manche der Befugnisse, die später dem ersten Lord der Admiralität zufielen, behielt sich aber selbst den größten Einfluß im Marinedepartement vor. Diese Teilung soll nach englischen Quellen ungünstig für den Dienst, besonders für die Verwaltung (Ausrüstung der Flotten!) gewesen sein. Das Personal hatte hier an Güte eingebüßt. Die geringere Sorgfalt und Zuverlässigkeit in der Verwaltung haben wir schon im zweiten Kriege kennen gelernt. Jetzt zeigte sich der verderbliche Einfluß eines ausschweifenden Hofes mit Günstlingswirtschaft und des Parteiwesens im Lande auch beim Offizierkorps. Die Cromwellsche Zucht läßt immer mehr nach; die sonst tüchtigen Führer, die Kavaliere York und Rupert, ersetzen doch nicht den alten Soldaten Monck († 1670) in der Aufrechterhaltung der Disziplin. Alles wird schlimmer, je mehr sich das Verhältnis zwischen Volk und König zuspitzt. Als Rupert den Befehl übernahm, erhielt der tüchtige Admiral Holmes, obgleich Rupert selbst es wünschte, keine Stelle in der Flotte, weil er ein Liebling Yorks gewesen war. Anderseits machten jetzt Offiziere der Hofpartei dem protestantischen Prinzen Opposition, und es ereignen sich ähnliche Fälle von Eigenmächtigkeit wie früher bei den Holländern. Die Mannschaft endlich war nicht mehr so gut wie ehemals. Bei der Unpopularität des Krieges mußte der Bedarf größtenteils durch Pressen gedeckt werden. Diese Maßnahme lieferte aber weder genügend noch gutes Material; Auffüllen mit Soldaten war nötig, denn gute kriegserfahrene Seeleute fehlten sehr.

Zum ersten Male müssen wir die französische Marine, ihre Entwicklung und Bestand[176] um diese Zeit in den Kreis unserer Betrachtungen ziehen.

Wir haben gesehen (Seite [152]), daß in Frankreich verschiedene Versuche, eine Marine zu gründen, ohne dauernden Erfolg blieben. Die letzte und größte Schöpfung dieser Art, die Richelieus, verfiel schon unter Mazarin wegen Geldmangels, besonders während der Fronde; Colbert belebte sie wieder nach dem Pyrenäischen Frieden (1659). Wenn Richelieu, als eigentlicher Regent Frankreichs, die Marine mehr als Werkzeug der äußeren Politik begünstigt hatte, wandte Colbert ihr seine Sorgfalt besonders als Handelsminister zu. Es ist bekannt, daß Colbert an der Spitze der Verwaltung dahin strebte, Frankreich aus finanzieller Zerrüttung herauszubringen und seine Wirtschaft auf der festen Grundlage nationalen Wohlstandes sicherzustellen. Zu diesem Zweck wollte er sein Vaterland auch zu einer Seehandelsmacht ersten Ranges machen und hierzu bedurfte er einer starken Marine.

Es liegt natürlich außerhalb unserer Aufgabe, auf die Tätigkeit Colberts näher einzugehen, es seien aber doch einige Worte über seine Maßnahmen zur Förderung des arbeitenden Volkes, zur Durchführung seiner Wohlfahrtspolitik gesagt: