Es ist beachtenswert, daß sich in der französischen Marine das eigentliche Seeoffizierkorps — die Verschmelzung von Soldat und Seemann — frühzeitig stärker ausbildet als anderswo. Schon zu Richelieus Zeiten hatten die Schiffe 1 Kapitän, 1 Leutnant, 1 Unterleutnant, und 1672 findet man auf einem 60-Kanonenschiff schon 1 Kapitän, 1 zweiten Kapitän, 2 Leutnants, 2 Unterleutnants; die Offiziere scheinen um diese Zeit den Dienst der Maîtres, die seemännische Führung des Schiffes, schon völlig übernommen zu haben. Diesem frühzeitig erstarkten Seeoffizierkorps gab nun die Art seines Ersatzes — hauptsächlich aus dem Adel, einer damals gerade in Frankreich hervorragend militärischen Kaste stammend —, die hier sorgfältigere Erziehung für den Seekriegsdienst und auch wohl die Eigentümlichkeiten des Volkes den Charakter, den es stets beibehalten hat. Es überwiegt beim französischen Seeoffizier der Soldat gegenüber dem Seemann. In England gewann bei der Verschmelzung der Seemann die Überhand; der englische Seeoffizier des nächsten Jahrhunderts suchte seinen Stolz mehr in geschickten Segelmanövern als in der Entwicklung der militärischen Leistungsfähigkeit seines Schiffes. Dieser Umstand sollte besonders die Leistungen der französischen Flotten in taktischen Beziehungen eine Zeitlang — in den Kriegen des nächsten Abschnittes — sehr begünstigen.
Die Verwendung der drei Marinen von 1867–1672. Die Seestreitkräfte Hollands und Englands fanden in den wenigen Friedensjahren zwischen dem zweiten und dem dritten Kriege im wesentlichen nur Verwendung im Mittelmeer gegen die Seeräubereien der Raubstaaten. In derselben Weise, wie wir es früher gesehen, besonders nach dem ersten Kriege, hielten beide Nationen ständige Geschwader an der nordafrikanischen Küste. Man war zeitweise gezwungen, diese bis zu einer Stärke von 18 Schiffen zu 30–60 Kanonen aufzustellen, da auch die Afrikaner mit Geschwadern von Schiffen gleicher Größe auftraten; es kam zu richtigen Seegefechten, zu gemeinsamen größeren Operationen, die dann für einige Zeit wenigstens dem Unwesen ein Ende machten.[179]
Auch die aufstrebende französische Marine[180] fand ihre erste Verwendung im Kampf mit den Barbaresken. Eine erste größere Expedition brachte das Jahr 1669. Ludwig XIV. sandte unter dem Herzog von Beaufort eine Flotte von 20 Schiffen — 1 zu 94, 3 zu 72, 12 zu 36–60, 4 zu 20 Kanonen — und 12 Galeren mit einer Armee von 7000 Mann — gute Regimenter — nach Kreta zur Unterstützung der Venetianer. Die Flotte als solche fand hierbei keine Gelegenheit zur Aktion; auch die Landung wurde, zwar anfangs glücklich, schließlich zu einem Fehlschlage; der Herzog von Beaufort fiel (vgl. „Nebenkriege“, Kapitel X, unter „Venedig“).
Der Verlauf des Krieges.[181]
Der dritte englisch-holländische Krieg war nicht wie die beiden vorhergegangenen ein reiner Seekrieg, sondern für Holland auch ein Landkrieg; wir müssen deshalb bei der Beschreibung auch die Ereignisse am Lande fortlaufend kurz berühren. Nach den Kriegsplänen der Verbündeten sollte die Republik von drei Seiten angegriffen werden: Durch Frankreich im Südosten, durch Münster und Köln im Osten und durch eine Landung der englisch-französischen Flotte im Norden.
Holland war in einer schwierigen Lage („Holland in Not!“). Wir wissen bereits, daß die regierende Partei das Heer sehr vernachlässigt hatte, und auch die Flotte, die es nun mit zwei mächtigen Gegnern aufnehmen mußte, konnte, wie die Verhältnisse im Innern jetzt lagen, nicht mit gleicher Kraft auftreten wie bisher. Die Uneinigkeiten zwischen den Provinzen waren gewachsen, die Parteien stießen immer schroffer aufeinander. De Witts Einfluß schwand mehr und mehr, die oranische Partei wurde mächtiger; diese setzte sogar am 24. Februar 1672 die Ernennung des Prinzen Wilhelm von Oranien zum Generalkapitän der Armee für den bevorstehenden Feldzug durch, wie die Folge zeigen sollte, zum Heile des Landes. Man zankte sich über diese Ernennung, über abzuschließende Bündnisse, über die nötigen Rüstungen zu Wasser und zu Lande. Insbesondere wollten die Landprovinzen ihre Mittel für die Landbefestigungen behalten, aber selbst Seeland zeigte sich wenig geneigt zu Rüstungen auf dem Wasser, nur Holland tat wie bisher seine Pflicht. Auf diese Weise wurden die Rüstungen und im besonderen die Aufstellung einer starken Flotte sehr erschwert.
1668 hatte man nach dem Vertrage der Tripelallianz eine Flotte von 40 Kriegsschiffen im Dienst gehalten, aber nach dem Aachener Frieden wurde sie verringert. Im Jahre 1670 seitens der Provinzen von Holland eingebrachte Anträge, sich gegen Frankreich durch Aufstellung größerer Seestreitkräfte zu sichern, fanden keine Zustimmung, und erst 1671, als man auch England zu mißtrauen begann, wurde eine Flotte von 36 Kriegsschiffen mit den nötigen Fregatten und Brandern in Dienst gestellt; dies war die Flotte Ruyters, von der die englische Jacht im August 1671 den Flaggengruß forderte. Infolge dieses Falles verlangte die Provinz Holland sofort wiederum umfangreiche Rüstungen — 72 Schlachtschiffe, 24 Fregatten, 24 Brander —, aber nicht vor dem Februar 1672, als man an dem Ausbruch eines Krieges mit Frankreich nicht mehr zweifeln konnte, ging der Beschluß durch, 40 Schlachtschiffe — darunter 36 über 60 Kanonen — und 24 Brander in Dienst zu stellen, — nur eine kleine Flotte, obgleich der Verlauf der Januar-Verhandlungen mit England auf das Ärgste von dieser Seite schließen ließ; erst ein Gewaltakt Englands — ganz wie beim zweiten Kriege der Angriff eines Convois vor der Kriegserklärung — war nötig, um eine Verstärkung der Rüstungen zur See herbeizuführen.
Ein Convoi Smyrnafahrer,72 Segel gedeckt durch nur 5 Kriegsschiffe von 38–50 Kanonen und eine leichte Fregatte, wurde während des Monats März im Kanal erwartet. Der König von England hatte den Befehl erlassen, ihn zu überfallen; 32 Schiffe unter Admiral Holmes waren dazu bestimmt. Infolge nachlässig betriebener Ausrüstung waren jedoch bei weitem nicht alle bereit, als Holmes Mitte des Monats bei Wight liegend von dem aus dem Mittelmeer zurückkehrenden Admiral Spragge hörte, daß der Convoi ihm auf dem Fuße folge. Anstatt nun Spragge seine Order mitzuteilen und sich mit ihm zu verbinden, ließ er ihn weitersegeln, um allein den Ruhm zu ernten. Er hatte nur 8 Schlachtschiffe, unter denen sich aber mindestens 3 zu 70–90 Kanonen befanden, und 3 kleinere Segel. Der Convoi war beim Eingange des Kanals durch leichte Segler von der Heimat her auf die gespannten Verhältnisse mit England aufmerksam gemacht worden und nicht unvorbereitet. Von den Kauffahrern waren 24 armiert; der Führer des Convois, den Haen, traf die nötigen Maßnahmen, um mit jenen und seinen Kriegsschiffen einem Angriff entgegentreten zu können.
Die Gegner trafen sich am 23. März auf der Höhe von Wight. Holmes rief den Haen zu sich an Bord, doch dieser sandte nur einen Offizier; der nächsthöhere englische Kommandant verlangte dasselbe vom Führer der holländischen Vorhut, ebenfalls ohne Erfolg. Nun griffen die beiden englischen Flaggschiffe die holländischen an und der Kampf wurde sofort allgemein, dauerte als laufendes Gefecht bis zur Nacht und wurde am nächsten Tage fortgesetzt. Trotz der Behinderung durch die nicht armierten Kauffahrer, trotz des Todes den Haens am ersten, der schweren Verwundung des Vorhutführers und des Todes des Nachhutführers am zweiten Tage und endlich trotzdem, daß Holmes am zweiten Tage noch eine Verstärkung von 4 Schlachtschiffen und einigen kleineren erhielt, gelang es den Engländern nur, ein Kriegsschiff und 3 Kauffahrer zu nehmen. Die Holländer setzten ihren Kurs in bester Ordnung fort — der erste Offizier den Haens hatte dessen Flagge wehen lassen, um Verwirrung zu vermeiden — und erreichten durch Nebel begünstigt am dritten Tage Holland. Die englischen Schiffe waren teilweise sehr beschädigt, einige mußten schon während des Gefechtes heimgesandt werden. Das genommene Kriegsschiff sank gleich nach dem Entern; die Beute hätte eine ungeheuere sein können, schon so betrug sie gegen 60000 Lstrl.
Bemerkenswert für die Stimmung in England, vielleicht auch das zunehmende Verständnis für Völkerrecht kennzeichnend, ist, daß dieser Angriff vor der Kriegserklärung selbst hier stark verurteilt wurde. König Karl versuchte abzuleugnen, daß er den Befehl dazu gegeben, der Zusammenstoß sei die Folge der Widerspenstigkeit der holländischen Führer gewesen; Holmes selbst soll dem aber seines eigenen Rufes wegen widersprochen haben.