[201] Jurien de la Gravière sagt in einem seiner Werke: in den holländisch-englischen Kriegen werden die stehenden Marinen geboren; Colomb führt aus, daß erst in diesen Kriegen eine Kriegführung um die Beherrschung der See auftritt. In unseren Betrachtungen über die Entwicklung der Seestreitkräfte und in den Schlußbetrachtungen zu den ersten beiden Kriegen haben wir gesehen, wie zutreffend diese Aussprüche sind; der dritte und letzte englisch-holländische Krieg zeigt gleichfalls große Fortschritte im Seekriegswesen.
[202] Anschließend an Seite 231 und Seite 300. Plan des Kriegsschauplatzes Seite 301. — Colomb bespricht (Kapitel IV) den Krieg nach folgender Disposition: die Erfahrung hat gelehrt, daß der größere Handel von einer dem Gegner nur gleichen Flotte nicht geschützt werden kann; Holland verbietet wieder den Handel, bis eine größere Stärke erreicht ist. Der unmittelbare Kampf um die Seeherrschaft wird bei Solebay wieder aufgenommen. Es ist unnütz, Landungen vorzubereiten, ehe die feindliche Flotte vertrieben ist; das Einschiffen von Truppen seitens der Verbündeten war nutzlos.
Siebentes Kapitel.
Nebenkriege 1674–1688.
Der französisch-holländische Krieg 1674–1678. Der schwedisch-dänische Krieg 1675–1679. Kämpfe gegen die Barbaresken. Die Franzosen vor Genua 1684.
Nach dem Frieden von Westminster setzte Holland mit Spanien und Österreich verbündet den Kampf mit Frankreich fort. Durch die Parteinahme anderer Mächte — das Reich, Brandenburg, Schweden, Dänemark — wird der Krieg fast zu einem europäischen und bringt uns, wenn auch die Kriegführung zur See nicht mehr die Rolle wie bisher spielt, zwei wichtige Nebenkriege.
Der weitere Verlauf dieses Krieges — der zweite Eroberungskrieg Ludwigs XIV. 1672–1678 —, von uns bis Ende 1673 (zuletzt Seite [351]) verfolgt, sei hier zusammengefaßt. Zunächst schloß sich (1674) der Große Kurfürst wieder dem Kaiser an, als Österreich wirklich Ernst machte, und auch das Reich erklärte den Krieg, nachdem Ludwig XIV. das Bistum Trier überfallen hatte; die Bischöfe von Münster und Köln, vom Reiche und Österreich bedroht, schlossen Frieden mit Holland und traten zu den Gegnern Frankreichs.
Nun stellte Ludwig 4 Armeen auf: die erste unter Condé gegen Holland und die spanischen Niederlande; die zweite unter Turenne gegen Österreich und Brandenburg am Oberrhein; mit der dritten bemächtigte er selbst sich der Franche-Comté; die vierte unter Schomberg schützte die Provinz Roussillon gegen Spanien. Auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen wurde mit wechselndem Glück gefochten. Im allgemeinen lag der Erfolg auf seiten Frankreichs — jetzt schon unter schrecklicher Verwüstung der deutschen Lande —, besonders als der Große Kurfürst (1675) durch den Einfall der Schweden gezwungen wurde, vom Rhein nach der Mark zurückzukehren (Fehrbellin).