Schweden hatte sich mit Frankreich verbündet, in der Hoffnung, so den verlorenen Einfluß in Deutschland wieder zu gewinnen; nun aber trat Dänemark auf die Seite Brandenburgs, um womöglich seine an Schweden verlorenen Provinzen (Seite [240]) zurückzuerhalten. Der Krieg zwischen Schweden und Dänemark — dieses durch eine holländische Flotte unterstützt — wurde auch wesentlich zur See ausgefochten.

Wenn nun auch Dänemark und Brandenburg Erfolge Schweden gegenüber erzielten (Eroberung Pommerns; Einfall in Schonen; Niederbruch der schwedischen Flotte), so blieben doch Österreich und das Reich am Rhein im Nachteil, Oranien konnte nur[363] eben Holland verteidigen und Spanien war zu schwach, Frankreich ernstlich anzugreifen oder selbst nur seine Niederlande zu schützen. Spanien mußte gleichzeitig gegen einen Aufstand in Sicilien kämpfen, der von Frankreich durch die Flotte und Landtruppen unterstützt wurde, hier traten holländische Seestreitkräfte für Spanien ein; dem Kaiser hatte Ludwig einen neuen Feind in den Türken geschaffen, die in Ungarn angriffen. Schließlich kam hinzu, daß der Kaiser eifersüchtig und argwöhnisch auf den Erfolg Brandenburgs sah. Anstatt im engsten Bunde mit ihm ganz Deutschland in den Kampf zu rufen, um Franzosen, Schweden und Türken zurückzuschlagen, schloß er den Frieden von Nymwegen (1678). Holland trat diesem bei, da ihm Frankreich günstige Bedingungen stellte; es war durch den langen Krieg erschöpft. Ludwig XIV. war ebenfalls zum Frieden geneigt; auch sein Land hatte schwer gelitten, und seit Anfang 1678 drohte England, sich zu den Gegnern zu gesellen. Karl II. hatte auf Drängen des Parlaments ein Offensiv- und Defensiv-Bündnis mit Holland schließen und seine Regimenter vom französischen Heere zurückziehen müssen; er rüstete nun sogar gegen Frankreich. Die englische Nation sah, neben anderen Eifersuchtsgründen, daß die französische Marine der eigenen überlegen geworden war. Ludwig fürchtete nun zwar die Engländer zu Lande nicht, aber zur See fühlte er sich doch den vereinigten Seemächten nicht gewachsen. Er räumte deshalb Sicilien, verdoppelte aber seine Angriffe gegen die spanischen Niederlande. Bisher hatte er diese wegen der englischen Empfindlichkeit in Hinsicht auf die belgische Küste geschont; jetzt brauchte er hierauf keine Rücksicht mehr zu nehmen und bedrohte nun Holland dort, wo es ihn am meisten fürchtete; auch dies bestärkte Hollands Neigung zum Frieden.

Der Frieden von Nymwegen (11. August 1678) bezeichnet die Höhe von Ludwigs Macht. Die Hauptzeche mußten Spanien und das Reich zahlen. Spanien verlor die Franche-Comté und weitere zwölf Städte seiner Niederlande; der Kaiser gab die elsässischen Reichsstädte (Straßburg ausgenommen) auf und trat Freiburg ab, welcher strategische Punkt sofort durch Vauban stark befestigt wurde, ebenso blieb Lothringen tatsächlich in Frankreichs Hand. Auch Brandenburg und Dänemark büßten in dem von Ludwig diktierten Frieden (St. Germain und Fontainebleau 1679) mit Schweden die Früchte ihrer Erfolge wieder ein. Holland verlor nur einige unwichtigere Kolonien, aber auf dem Festlande nichts; daß jedoch dieser weitere Krieg nach 1674 ihm mittelbar großen Schaden brachte, werden wir später sehen. Ludwig XIV. nutzte nun noch in den nächsten Jahren die Schwäche des Reiches und Spaniens aus, indem er — auf Grund der Rechtssprüche der berüchtigten Reunionskammern — seinen Besitz im Elsaß, der Pfalz und den spanischen Niederlanden erweiterte und befestigte, er nahm sogar mitten im Frieden Straßburg weg.

Der französisch-holländische (-spanische) Krieg 1674–1678.

Nach dem Rücktritte Englands zog Frankreich seine Flotte vom Ozean zurück; Ludwig hielt sie mit Recht noch nicht für leistungsfähig genug, allein den Holländern gegenüberzutreten, und er faßte den Entschluß, diesen die Herrschaft im Kanal und Atlantik zu überlassen. Hier wurde nur ein geringer Teil der Seestreitkräfte zur Unterstützung der Verteidigung wichtiger Küstenplätze bestimmt, die Hauptmacht zog man im Mittelmeer zusammen, um den Landkrieg gegen Spanien zu unterstützen. Auch während der folgenden Kriegsjahre stellten die Häfen am Atlantik weiter Verstärkungen für das Mittelmeer, sonst nur kleinere Geschwader für Westindien. Holland verminderte seine Rüstungen zur See, als man sich jetzt dort nicht mehr unmittelbar bedroht sah. Wie wir wissen, war vor dem Frieden mit England beschlossen, für 1674 eine besonders starke Flotte — 84 Linienschiffe — in Dienst zu stellen; dieser Etat wurde im April auf 54 Linienschiffe, 12 Fregatten und 18 Brander herabgesetzt. Die dadurch gemachten Ersparnisse sollten verwendet werden, 10 Regimenter (10700 Mann) zur Einschiffung für Expeditionen aufzustellen.

Nach de Jonge, Teil II, Beilage IX, sind tatsächlich ausgelaufen: 3 Schiffe zu 80 Kanonen; 6 zu 70; 14 zu 60–70; 26 zu 40–56, 10 Fregatten zu 28–36 Kanonen; 15 Brander; 12 Bombenfahrzeuge und 66 kleinere Fahrzeuge, Jachten und Transporter. Frieslands Kontingent fehlte wieder wegen Geldmangels, auch waren in der Eile nur 6000–7000 Soldaten zu beschaffen.

Man beabsichtigte nämlich, gleichzeitig unter Ruyter — mit oder ohne die hierzu zugesagte Unterstützung Spaniens —, Frankreich in seinen aufblühenden Besitzungen Westindiens und seinem zunehmenden Handel dort anzugreifen und unter Tromp gegen die französischen Küsten vorzugehen, sich hier festzusetzen, um den Feind vom Landkriege abzuziehen. Diese Pläne wurden sorgsam geheim gehalten; sie kamen aber dennoch zur Kenntnis Ludwigs, da dieser für Spione und Verräter nie Geld sparte. Die Gesamtflotte sammelte sich schon nach vier Wochen in den Wielingen, ging am 24. Mai in See und ankerte am 8. Juni vor Torbay. Hier nahm Ruyter die Teilung für die beiden Expeditionen vor und trat dann selbst mit dem kleineren Teile schon an dem gleichen Tage die Reise nach Westindien an. Da diese Expedition mit anderen Ereignissen in den Kolonien zusammen besprochen werden soll, wenden wir uns zuerst Tromp zu.

Tromp an der französischen Küste und im Mittelmeer[203] 1674. Tromps Flotte setzte sich zusammen aus: 36 Linienschiffen und Fregatten (es traten später noch einige hinzu), 9 Brandern, 12 Mörserbooten (hier für Holland zum ersten Male erwähnt), zahlreichen kleinen Segeln und Transportern; unter ihm kommandierten 3 Leutnant-, 3 Vize-, 3 Kontreadmirale; die Vorhut führte Leutnantadmiral Bankers, die Nachhut Leutnantadmiral van Nes; 3000–4000 Soldaten unter dem Artilleriegeneral Graf van Hoorn waren eingeschifft. Die Franzosen hatten für den Atlantik nur 14 Linienschiffe in Dienst gestellt. Der Vizeadmiral des Atlantik d'Estrées führte den Oberbefehl, er befand sich in Brest, die Schiffe lagen aber getrennt in Brest, La Rochelle und Rochefort; sie haben sich auch nicht vereinigt, sie hatten eben den Befehl, im Verein mit den Landstreitkräften die Küste ihres Bezirkes zu verteidigen; später wurden sie zu Angriffen auf den holländischen Handel verwendet.

Tromp verließ erst am 18. Juni Torbay; 10 Tage hatte er auf Transporter warten müssen, die Feldgeschütze und Kriegsmaterial brachten; ein übler Vorgang für überraschendes Auftreten. Der Admiral hielt deshalb auch Brest für in zu guten Verteidigungszustand gesetzt, um etwas gegen die Stadt oder auch nur gegen die im Hafen liegenden Schiffe zu unternehmen. So erschien er am 23. vor der Insel Belle-Isle; es wurde auf Vorschlag Hoorns hier eine Landung beschlossen und, durch steife östliche Winde verzögert, am 27. ins Werk gesetzt. Unter dem Feuer von 4 Fregatten gegen einige Schanzen, die der Feind am günstigsten Landungsplatze aufgeworfen hatte, wurde gelandet, der Gegner aus den Befestigungen vertrieben und auf ein festes Schloß zurückgeworfen. Dieses aber war gut armiert (200 Kanonen?), hoch und so gelegen, daß die Schiffe es nicht unter Feuer nehmen konnten, sowie durch reguläre Truppen nebst dem Aufgebot von Adel- und Bauernmiliz der Küste stark besetzt. Die Stellung erwies sich als zu fest; die Holländer schifften sich nach zwei Tagen wieder ein, nachdem sie die ganze Insel durchstreift und viel Vieh für die Flotte weggetrieben hatten.