Cornelis Tromp.

Am 30. Juni ging Tromp wieder unter Segel, um die Küste zu beunruhigen und einen geeigneteren Landungsplatz zu suchen. Als solcher wurde Noiremoutiers ausersehen, eine Insel vor dem Loir, nur durch einen bei Ebbe trockenfallenden Meeresarm vom Festlande getrennt. Auch hier wurde die Landung trotz mancherlei Schwierigkeiten — Schanzen am Strande; ein Teil der Boote verfehlte den durch Bankers ausgesuchten Landungsplatz und traf auf beschwerlichen steinigen Grund, Gewehre und Munition wurden dabei naß — und tapferer Gegenwehr ausgeführt; die schwache feindliche Streitmacht räumte das Kastell (nur 17 Kanonen) und die Insel. Die Holländer schufen sich hier eine Stellung, fest genug, um einem Angriff vom Festlande her zu widerstehen; Abteilungen der Flotte erkundeten und beunruhigten von hier aus die Küste, sie brachten auch manche Kauffahrer und Fischer auf. Das war aber auch alles. Französischerseits war hier gleichfalls überall die Bevölkerung unter Führung ihrer Edelleute zu den Waffen gerufen und die Küstenplätze hatte man in guten Verteidigungszustand gesetzt; die Holländer waren weder an Seestreitkräften noch an Truppen stark genug, um etwas gegen die Seestädte zu unternehmen oder um von Noiremoutiers aus den Krieg nach dem Festlande hinüberzutragen. Nach drei Wochen (am 26. Juli) gab man den gewonnenen Stützpunkt als unnütz wieder auf und die Flotte segelte nach St. Sebastian (Spanien).

Hier wurden Tromp und Hoorn von der spanischen Regierung aufgefordert, ins Mittelmeer zu gehen, um den Krieg in den Grenzprovinzen durch Vertreibung der französischen Seestreitkräfte zu unterstützen. Im Mittelmeer standen im August etwa 18 spanische Kriegsschiffe und 22 Galeren — vermutlich nicht in bester Verfassung — 22 Linienschiffen, 24 Galeren und 8 Brandern Frankreichs gegenüber; die französische Flotte war nicht nur dem Landkriege schon von wesentlichem Nutzen gewesen, sie bedrohte auch die spanischen Silberflotten und den Handel Hollands. Da nun die Instruktion den holländischen Führern die Erlaubnis gab, mit ihrer ganzen Flotte oder einem Teile ins Mittelmeer zu gehen, „falls es sehr vorteilhaft erschiene“, so faßten sie einen dementsprechenden Entschluß. Ein Geschwader von 15 Kriegsschiffen, 3 Brandern und 35 anderen Segeln wurde unter van Nes im Atlantik belassen, um weiter den französischen Handel zu schädigen und die Küsten zu beunruhigen; auch die Mörserboote ließ man zurück, sie hielten die Flotte auf und waren nur für etwaige größere Bombardements mitgenommen. Tromp segelte mit 24 Kriegsschiffen, 5 Brandern und 14 der bessern anderen Fahrzeuge, auf denen sich der größere Teil der Landungstruppen befand, am 9. August über Cadiz nach Barcelona.

Van Nes blieb bis Anfang Oktober an der französischen Küste und ging dann heim; besondere Ereignisse fanden in dieser Zeit nicht statt.

Die Franzosen blockierten diese Stadt und hatten Werke zur Belagerung aufgeworfen; bei der Annäherung der Holländer wurden Blockade und Belagerung schleunigst aufgegeben. Tromp segelte weiter nach der Bay von Rosas. Hier hielten die Franzosen (jetzt scheinbar 28 Linienschiffe) die Hauptflotte der Spanier fest, die bestimmt war, 7000 Mann zur Unterdrückung des Aufstandes nach Sicilien überzuführen. Tromp hoffte hier, vereinigt mit den Spaniern dem in Madrid gemeinsam gefaßten Plane gemäß, zum Schlagen zu kommen (Ankunft 2. Oktober), aber auch diese Blockade war von den Franzosen aufgegeben; die Spanier hatten sofort Nutzen daraus gezogen und waren nach Sicilien abgegangen. Dieses Imstichlassen seitens der Spanier empörte Tromp und Hoorn; ihre Entrüstung wuchs, als die spanische Regierung nun das Ansinnen an sie stellte, mit ihrer Flotte nach Sicilien zu gehen und bei der Wiedernahme des empörten Messinas mitzuwirken.

Schon mit der Fahrt nach dem Mittelmeer überhaupt hatten die holländischen Chefs eine große Verantwortung übernommen, und tatsächlich wurde Tromp später von der Admiralität Amsterdam — da der Zug nur so wenig Erfolg gehabt — wegen der dadurch veranlaßten längeren Indienststellung der Schiffe zur Verantwortung (pekuniären) gezogen; Oranien glich die Sache aus.

Trotzdem erklärten sie sich bereit, 1500 Mann zum Entsatz der belagerten Stadt Rosas zu landen und einige Schiffe zu ihrer späteren Rückbeförderung zurückzulassen. Die Flotte selbst ging nach Holland und traf dort am 3. Dezember ein; die zurückgelassenen Schiffe folgten bald, da die Franzosen gleich nach der Landung der Truppen die Belagerung der Stadt abgebrochen hatten.

Die Expedition Tromps hat also wenig Erfolg gehabt; Die französische Küste ist beunruhigt worden, aber nichts deutet darauf hin, daß hierdurch französische Truppen von den östlichen Kriegsschauplätzen abgezogen wurden; das verbündete Spanien ist aus einigen Verlegenheiten befreit; das wichtigste Ergebnis war vielleicht, daß man Europa zeigte, wie trotz des vorhergegangenen schweren Krieges die holländische Marine noch immer der französischen gegenüber überlegen auftreten konnte. Aber entsprach dieser Erfolg den Erwartungen, die man auf dies kostspielige Unternehmen gesetzt hatte? Anstatt wie man geplant und gehofft, einen wichtigen französischen Hafenplatz zu nehmen und zu halten oder doch die Schiffe und Anlagen dort zu zerstören, mußte man sich mit der zeitweisen Besetzung einiger unwichtiger Inseln begnügen. „Warum das eine und nicht das andere geschah, ist dunkel,“ sagt de Jonge. Als wahrscheinliche Gründe führt derselbe Autor an: „Infolge des längeren Winters“ — diesen Grund haben wir nun schon recht oft gehört — „war die Flotte zu spät fertig; trotz aller Geheimhaltung hatte Ludwig Kenntnis erhalten und konnte Gegenmaßregeln treffen; man hatte auf eine Erhebung in der Normandie und Bretagne gerechnet, die die eine oder die andere Stadt den Holländern ausliefern sollte — dies wurde rechtzeitig entdeckt und unterdrückt. Daran endlich, daß nicht wenigstens der französischen Seemacht im Mittelmeer ein schwerer Schlag zugefügt werden konnte, war das Verhalten der Spanier schuld.“ Alles dieses trifft wohl zu, man muß aber doch sagen, daß das Hauptunternehmen gegen die französische Küste mit weit stärkeren Mitteln hätte ins Werk gesetzt werden müssen; so hatte es mehr den Charakter der Brandschatzungseinfälle in Feindesland älterer Zeiten.