Schlacht bei Beachy Head, 10. Juli 1690.
Mitte: Chef d'E. de Nesmond, Vizeadmiral der Levante Tourville und 2 Chefs d'E. als Vorder- und Hintermann, Generalleutnant d'Amfreville.
Nachhut: Chef d'E. de Flacourt, Vizeadmiral des Atlantik d'Estrées (seinem Vater im Dienstgrade gefolgt), Leutnantgeneral de Gabaret und 1 Chef d'Escadre als Schlußschiff.
Die Schilderung der Schlacht bei Beachy Head ist in allen Quellen[236] ziemlich klar, nahezu übereinstimmend, und kann sehr kurz gegeben werden.
Die verbündete Flotte hielt zugleich auf den Feind ab, Geschwader gegen Geschwader. Die Vorhut, Evertsen, ging dicht heran, holte an den Wind (9 Uhr vormittags), und es entspann sich ein blutiges Gefecht auf nahe Entfernung mit wenig Fahrt (unter „Backen und Füllen“). Genau so verfuhr die Nachhut, Delaval; sie stieß 930 Uhr vorm. mit ihrem Gegner zusammen. Herbert mit der Mitte steuerte nicht genau Schiff auf Schiff auf den Feind, sondern zuerst etwas südlicher; dadurch entstand eine Lücke zwischen ihm und seiner Vorhut. Die erste Division der Mitte, Ashby, sah diese Lücke zu groß werden[438] und versuchte sich der Vorhut zu nähern, ihm folgten dann auch Herbert und Rooke. Die drei Divisionen der Mitte sind infolge dieses Manövers, wenn auch in sich gut geschlossen etwas voneinander getrennt; auch halten sie sich auf weitere Entfernung vom Feinde, bis sie um 10 Uhr vormittags ins Gefecht eingreifen.
Im Kampfe der Nachhuten blieben sich die Aussichten etwa gleich; da bald nach dem Zusammenstoß einige Schiffe der Franzosen aus dem Gefecht holen mußten, wurde ihre Überlegenheit ziemlich ausgeglichen.
Die Holländer aber kamen in eine üble Lage. Beim Heransegeln hatten sie, wie gewöhnlich, mehr gelitten als ihre Gegner (vielleicht hatten sie auch nicht genau Spitze auf Spitze getroffen); Château-Renault sah dies, ließ seine erste Division (de Villette) vorsegeln, wenden und die Holländer von Luward aus dublieren (1 Uhr nachmittags). Von der französischen Mitte, die durch Herbert ja nicht scharf engagiert war und die den Angriff Ashbys abgeschlagen hatte, kam die erste Division (de Nesmond) von hinten auf und dublierte gleichfalls; so war die Vorhut der Verbündeten fast ganz in die Mitte genommen und litt schwer. Bald darauf versuchte dann auch Tourville selbst, mit seiner Division hier einzugreifen; Herbert, der jetzt näher herankommen wollte, war hierzu bei dem flauer gewordenen Winde zu weit ab.
Die Holländer würden völlig vernichtet sein, wenn nicht der Zufall und Evertsens Geschicklichkeit ihnen zu Hilfe gekommen wären. Um 3 Uhr nachmittags wurde es nämlich still, Tourville mußte sich mit Booten tauen; Evertsen aber benutzte die Stille, um sich aus der bedrängten Lage zu befreien, er gab Befehl, mit stehenden Segeln zu ankern, als um 5 Uhr nachmittags die Ebbe stark lief. Die ganze Flotte folgte dann diesem Beispiel; die Franzosen bemerkten oder verstanden dieses Manöver nicht sogleich. Als auch hier der Befehl zum Ankern gegeben wurde, waren sie schon durch den Strom nach Lee (Südwest) aus Schußweite getrieben; damit endete der Kampf.
Die Franzosen geben ihren Verlust auf 500 Tote und Verwundete an. Der der Verbündeten wird größer gewesen sein, besonders aber hatten die Schiffe der Vorhut und Nachhut sehr gelitten; verschiedene der Holländer waren ganz oder teilweise entmastet, andere mit allen Pumpen kaum noch über Wasser zu halten, zwei holländische Kontreadmirale waren gefallen. Zwar war nur ein holländisches Schiff, das nicht geankert hatte und mit forttrieb, genommen worden (es sank später), aber der Zustand der Schiffe — nach de Jonge waren nur noch drei völlig gefechtsfähig; „noch nie sei eine Flotte im ganzen so zugerichtet“ — sollte in der Folge die Schlacht zu einer völligen Niederlage machen.
Die Gründe der Niederlage liegen auf der Hand. Wie stets bei dieser Art des Angriffs kam die Vorhut zuerst und allein ins Gefecht, hatte die heftigste Wirkung des feindlichen Feuers auszuhalten und wurde nicht rechtzeitig entlastet. Was bewog Herbert, der Vorhut nicht zu folgen? Nach Hoste („tactique navale“) hat Herbert die Absicht gehabt, besonders die französische Nachhut anzugreifen und sie zu dublieren (die französische Mitte soll zufällig oder mit Absicht etwas nach Lee eingebogen zur Vorhut und Nachhut gestanden haben; dies soll dem englischen Admiral den Gedanken eingegeben haben). Dann aber war es falsch, zu diesem Zweck zwischen sich und seiner Vorhut eine Lücke entstehen zu lassen und der Vorhut zu erlauben, auf ein ernstes Nahgefecht einzugehen. Er hätte wie Ruyter bei Texel soviel Schiffe des Feindes, von hinten gerechnet, angreifen müssen, wie er niederkämpfen zu können glaubte. Die Vorhut mußte den Befehl haben, die vorderen Feinde nur zu beschäftigen; die geringere Zahl ihrer Schiffe mußte hierzu durch größere Abstände zwischen ihnen, nicht aber durch Lücken zwischen den Geschwadern ausgeglichen werden. Wenn Herbert diese Absicht gehabt hat, so muß er sie doch gleich wieder aufgegeben haben, wohl weil er erkannte, daß Tourville imstande war, die englische Nachhut zu dublieren; um dies stets hindern zu können, hielt er dann vielleicht seine Mitte überhaupt zurück. Zu diesem Verfahren kann und wird ihn aber auch — trotz des Befehls der Königin — seine uns bekannte Ansicht über die Wichtigkeit der Erhaltung der Flotte bewogen haben; wir kommen[439] hierauf bei den Betrachtungen über Strategie (am Schluß des Kapitels) nochmals zurück.